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Schulische Ausbildung – Was ist das eigentlich?

Manche Berufe kannst du nicht (nur) im dualen Ausbildungssystem, also einer Kombination aus Betrieb und Berufsschule, sondern auch in einer vollschulischen Ausbildung erlernen. Diese Ausbildungen finden meist an sogenannten Berufsfachschulen (BFS), Berufskollegs oder Schulen des Gesundheitswesens statt. Hier findest du eine Antwort auf die Frage „Was ist eine schulische Ausbildung?“ und erfährst, welche Berufe mit schulischer Ausbildung besonders gefragt sind.

Was ist eine Berufsfachschule?

Berufsfachschulen sind berufliche Schulen, die unterschiedliche Qualifikationsziele verfolgen. Grundsätzlich wird zwischen teilqualifizierenden und vollqualifizierenden Bildungsgängen unterschieden. Je nach Bundesland tragen diese Schulen unterschiedliche Bezeichnungen. Neben der klassischen Berufsfachschule gibt es beispielsweise Berufskollegs oder spezielle Schulen des Gesundheitswesens. Trotz unterschiedlicher Namen erfüllen sie vergleichbare Aufgaben: Sie bieten vollzeitschulische Berufsausbildungen an, die mit einer staatlichen Prüfung abschließen.

Teilqualifizierende Bildungsgänge vermitteln eine berufliche Grundbildung und dienen häufig der Orientierung oder Vorbereitung auf eine spätere duale Ausbildung. Vollqualifizierende Berufsfachschulen hingegen führen direkt zu einem anerkannten Berufsabschluss.

Die vollzeitschulische Berufsausbildung umfasst bundesweit rund 130 Ausbildungsgänge. Dazu zählen kaufmännische, fremdsprachliche, handwerkliche, technische, künstlerische sowie sozialpflegerische Berufe.

Wie ist die schulische Ausbildung aufgebaut?

Anders als die Azubis im dualen System erhältst du in der schulischen Ausbildung meist keine Ausbildungsvergütung. Im Gegenteil: An vielen privaten Bildungseinrichtungen fällt zusätzlich monatliches Schulgeld an. Die Ausbildung dauert (je nach Beruf) zwischen einem und dreieinhalb Jahren und endet mit einer staatlichen Prüfung. Praktika sind fast immer Bestandteil der schulischen Ausbildung. In manchen Berufen schließt sich zusätzlich ein Anerkennungsjahr an.

Ein zusätzlicher Vorteil: Viele Berufsfachschulen vermitteln neben fachlichen auch allgemeinbildende Inhalte und ermöglichen so den Erwerb der Fachhochschulreife.

Nach Abschluss stehen dir verschiedene Wege offen: Viele Absolvent:innen steigen direkt ins Berufsleben ein, andere entscheiden sich für eine Weiterbildung oder ein Studium. Mit der Fachhochschulreife kannst du ein Studium an einer Fachhochschule aufnehmen und deine beruflichen Qualifikationen weiter ausbauen. Für Jugendliche mit mittlerem Schulabschluss kann die schulische Ausbildung daher eine attraktive Zwischenstation sein. Voraussetzung für die Aufnahme an einer Berufsfachschule ist häufig die Mittlere Reife sowie ein Mindestalter zwischen 16 und 18 Jahren.

Branchen mit schulischen Ausbildungen

In einigen Branchen sind schulische Ausbildungen die Regel, in anderen gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. Eine Auswahl schulischer Ausbildungen findest du in dieser Liste:


Die nach Bundesrecht geregelten schulischen Berufsausbildungen im Gesundheitswesen gelten als besonders anspruchsvoll und ziehen häufig Abiturient:innen an. Die meisten anderen schulischen Ausbildungen liegen jedoch in der Verantwortung der Bundesländer. Dadurch kann sich derselbe Ausbildungsgang je nach Bundesland in Struktur und Anforderungen unterscheiden.

 

Finanzierung der schulischen Ausbildung

Bei einer schulischen Ausbildung kannst du unter bestimmten Voraussetzungen BAföG beantragen. Anders als beim Studierenden-BAföG handelt es sich beim sogenannten Schüler-BAföG in der Regel um einen reinen Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.

Die Höhe der Förderung hängt unter anderem von deiner Wohnsituation (bei den Eltern oder eigene Wohnung) sowie vom Einkommen deiner Eltern ab. Wichtig ist außerdem, dass nicht jede Schulform automatisch förderfähig ist. Entscheidend sind Art und Dauer des Bildungsgangs. Auskünfte erteilen die Ämter für Ausbildungsförderung bei den Stadt- und Kreisverwaltungen oder online.

Akademisierung der Gesundheitsberufe

Seit einiger Zeit werden nichtärztliche Medizinberufe wie Logopäd:in, Physiotherapeut:in, Hebamme oder Ergotherapeut:in, die du zuvor nur in einer schulischen Ausbildung erlernen konntest, auch an einigen Universitäten und Fachhochschulen angeboten.

Das Ziel ist, diese Berufe international wettbewerbsfähig zu machen. In vielen Ländern sind sie bereits seit Langem akademische Berufe. In der Vergangenheit sind daher zahlreiche deutsche Absolvent:innen für ein entsprechendes Studium ins Ausland gegangen und hatten später auf dem deutschen Arbeitsmarkt Vorteile gegenüber Kolleg:innen mit ausschließlich schulischer Ausbildung.

Lohnt sich eine schulische Ausbildung?

Die schulische Ausbildung bietet durchaus eine ansprechende Alternative zur dualen Ausbildung, insbesondere für Berufe, die eine intensive theoretische Ausbildung erfordern. Obwohl sie finanzielle und praktische Herausforderungen mit sich bringen kann, bietet sie gleichzeitig viele Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung und Karriereentwicklung. Mit der richtigen Unterstützung und Finanzierung können Absolvent:innen der schulischen Ausbildung erfolgreich in ihre Berufslaufbahn starten und sich langfristig weiterentwickeln.

FAQ – Häufige Fragen zur schulischen Ausbildung

Eine schulische Ausbildung ist eine vollzeitschulische Berufsausbildung, die überwiegend an einer Berufsfachschule oder einer vergleichbaren Bildungseinrichtung stattfindet. Sie kombiniert theoretischen Unterricht mit verpflichtenden Praktikumsphasen und endet in der Regel mit einer staatlichen Abschlussprüfung. Eine vollqualifizierende schulische Ausbildung führt zu einem anerkannten Berufsabschluss.

Der Unterschied zwischen schulischer und dualer Ausbildung liegt vor allem im Lernort und in der Vergütung. In der dualen Ausbildung arbeiten Auszubildende hauptsächlich in einem Betrieb und besuchen ergänzend die Berufsschule. Dafür erhalten sie eine Ausbildungsvergütung. In der schulischen Ausbildung findet der Unterricht überwiegend an einer Berufsfachschule statt. Praktische Erfahrungen werden über feste Praktikumsphasen vermittelt. Eine Ausbildungsvergütung wird in der Regel nicht gezahlt.

Bei einer schulischen Ausbildung gibt es in der Regel kein Gehalt. Statt einer Ausbildungsvergütung können je nach Schule sogar Schulgebühren anfallen, insbesondere bei privaten Bildungseinrichtungen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann jedoch Schüler-BAföG beantragt werden, um die Ausbildung finanziell zu unterstützen.

Nach einer schulischen Ausbildung kannst du studieren, wenn eine Hochschulzugangsberechtigung vorliegt. Viele Berufsfachschulen ermöglichen parallel den Erwerb der Fachhochschulreife. Mit dieser Qualifikation ist anschließend ein Studium an einer Fachhochschule möglich. Liegt bereits das Abitur vor, kann auch ein Universitätsstudium aufgenommen werden.