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Ausbildungsvergütung

Was verdient man eigentlich als Azubi? Ist die Vergütung bei jeder Ausbildung gleich hoch? Wenn nein: Welche Ausbildungen sind die bestbezahlten? In unserem Beitrag findest du alle wichtigen Infos rund ums Thema Gehalt in der Ausbildung!

  • Die Ausbildungsvergütung wird dir monatlich von deinem Ausbildungsbetrieb gezahlt und ist in der Höhe von drei Faktoren abhängig: Branche, Ausbildungsjahr und Lebensalter
  • Brutto ist nicht gleich netto: Auch als Azubi musst du unter Umständen Sozialabgaben und Steuern zahlen.
  • Gut und schlecht bezahlte Ausbildungsberufe: Im Öffentlichen Dienst verdienst du am meisten, im landwirtschaftlichen Bereich am wenigsten.
  • Mindestlohn in der Ausbildung? Als Azubi bist du von der Mindestlohnregelung ausgenommen.
  • Unter bestimmten Bedingungen darfst du neben der Ausbildung einen Minijob annehmen.
  • Falls die Ausbildungsvergütung zum Leben nicht reicht: es gibt staatliche finanzielle Fördermaßnahmen.

Vom Augenoptiker über den Bäcker bis hin zum Zimmerer: in Deutschland kannst du zwischen circa 350 staatlich anerkannten dualen Ausbildungsberufen wählen. Sie kommen aus den Bereichen Industrie und Handel (z.B.: Industriemechaniker), Handwerk (z.B.: Fotograf), Landwirtschaft (z.B.: Gärtner), Öffentlicher Dienst (z.B.: Steuerfachangestellter) und aus den Freien Berufen (z.B.: tiermedizinische Fachangestellte). Die je nach Beruf 2,5 bis 3 Jahre dauernde duale Ausbildung verbindet Berufsschule und betriebliche Ausbildung. Neben der Theorie in der Berufsschule findet deine praktische Ausbildung im Betrieb statt. Als Azubi erhältst du eine praxisorientierte Qualifikation und somit auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die duale Ausbildung ist bundesweit einheitlich geregelt und einheitliche Ausbildungsordnungen garantieren, dass du beispielsweise als Friseur im Osten das gleiche Wissen und Können erwirbst wie deine Kollegen im Westen. Nur bei der Ausbildungsvergütung gibt es einige Unterschiede. Sie ist immer wieder Thema politischer Diskussionen, vor allem wenn es um die Höhe des Ausbildungsgehalts geht, was in einigen Branchen unangemessen niedrig ist. Bevor du also deinen Ausbildungsvertrag unterschreibst, solltest du dich gut informieren!

Was ist eine Ausbildungsvergütung?

Während deiner dualen Berufsausbildung erhältst du als Auszubildender (Azubi) eine Vergütung, die sogenannte Ausbildungsvergütung. Sie wird dir monatlich, spätestens am letzten Arbeitstag des Monats von deinem Ausbildungsbetrieb gezahlt. Die Ausbildungsvergütung bekommst du als Gegenleistung für deine im Betrieb ausgeübte Arbeitsleistung. Die Höhe des Ausbildungsgehalts ist nicht einheitlich geregelt, sondern abhängig von drei Faktoren: von der Branche, in der du arbeitest, vom Ausbildungsjahr, in dem du dich befindest und letztlich auch von deinem Alter. Die Höhe der Vergütung wird in deinem Ausbildungsvertrag festgehalten. Die Zahlung einer angemessenen Vergütung regelt das Berufsbildungsgesetz im §17 (BBiG). Es definiert die Ausbildungsvergütung als die dem Auszubildenden von dem Ausbildenden zu zahlende Vergütung, die nach dem Lebensalter des Auszubildenden zu bemessen ist und mit fortschreitender Berufsbildung, mindestens jährlich ansteigt. Entscheidend für die Höhe der dir gezahlten Ausbildungsvergütung ist also die Branche, in der du arbeitest. Du möchtest beispielsweise in der Gastronomie arbeiten? Dann gilt ein besonderer Tarifvertrag. Laut "Gastronomievergütung" darf dann kein niedrigerer Satz im Ausbildungsvertrag vereinbart werden als der tariflich festgelegte. Die Vergütung muss von deinem Betrieb unter anderem auch während deines Urlaubs, während deiner Berufsschulzeit sowie bei Krankheit (bis zu sechs Wochen) weitergezahlt werden.

Wie hoch ist mein Gehalt in der Ausbildung?

Das Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz BIBB, beobachtet und analysiert seit über 40 Jahren die Entwicklung der tariflichen Ausbildungsvergütungen dualer Ausbildungsberufe. So könnte dein Ausbildungsgehalt im ersten Ausbildungsjahr zwischen 400 und 800 Euro, möglicherweise aber auch höher liegen. Auch der Anstieg des Gehalts in den folgenden Ausbildungsjahren kann abhängig von der Branche deiner Wahl und dem Bundesland, in dem du lebst variieren. Grundsätzlich gilt: Die Ausbildungsvergütung im Osten fällt etwas geringer aus als im Westen. So bestanden zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen im Jahr 2018 erhebliche Unterschiede. Mit 1.159 Euro monatlich liegt die tarifliche Vergütung im Handwerksberuf Maurer beispielsweise besonders hoch, mit 518 Euro als Schornsteinfeger dafür aber sehr niedrig. Ganz konkret erhältst du in der Brot- und Backwarenindustrie (Stand April 2019) im ersten Ausbildungsjahr 841 Euro, im zweiten 1.000 Euro und im dritten 1.165 Euro. Die Frage nach der Höhe des Ausbildungsgehalts lässt sich also generell nicht so einfach beantworten. Über die Höhe der Ausbildungsvergütung kannst du dich im jeweiligen Tarifregister deines Bundeslandes informieren. Für Nordrhein Westfalen beispielsweise findest du eine tabellarische Übersicht (Stand 2018) auf den Seiten der IHK (Industrie und Handelskammer).

Gibt es die Ausbildungsvergütung auch an der Berufsfachschule?

Hast du dich für eine schulische Ausbildung an einer Berufsfachschule entschieden, bekommst du in der Regel kein Ausbildungsgehalt. Eine Ausnahme bildet der Bereich der Pflegeberufe, in dem Schule und Praxis eng verzahnt sind und ein Ausbildungsentgelt gezahlt wird. An einigen Berufsfachschulen – in der Regel an den privaten - musst du sogar Schulgeld bezahlen.

Ausbildungsvergütung brutto – netto. Was heißt das?

In deinem Ausbildungsvertrag findest du den Betrag, den dir dein Ausbildungsbetrieb brutto, also ohne Abzüge bezahlt. Als Azubi bist du allerdings sozialversicherungspflichtig, das heißt, dass du Beiträge für Renten-, Kranken-, Arbeits- und Pflegeversicherung zahlen musst und dein Gehalt in der Ausbildung am Ende des Monats somit ganz schön schrumpft. Du fragst dich, was das konkret heißt? Verdienst du monatlich mehr als 325 Euro, also beispielsweise 380 Euro brutto, musst du 20 Prozent Sozialabgaben zahlen (76 Euro) sodass dir netto nur noch 304 Euro bleiben. Verdienst du monatlich mehr als 950 Euro, werden dir zusätzlich zu den Sozialabgaben sogar noch Steuern (Lohnsteuer, Einkommenssteuer, etc.) abgezogen. Das, was dann übrigbleibt, wird auf dein Konto überwiesen und ist dein Netto-Ausbildungsgehalt. Verdienst du gerade einmal 325 Euro brutto, giltst du als Geringverdiener und es fallen weder Steuern noch Sozialabgaben an, sodass brutto = netto ist. Willst du genau wissen, was dir am Ende eines Monats als Nettolohn mit allen Abzügen bleibt, hilft dir der Brutto Netto Rechner für Azubis bei der Berechnung.

Gut und schlecht bezahlte Ausbildungsberufe

Auf den Seiten des BIBB gibt es eine Übersicht der Top bestbezahlten und schlecht bezahltesten Ausbildungsberufe, getrennt nach Ost- und Westdeutschland. Durchschnittlich verdienst du demzufolge im Ausbildungsbereich Öffentlicher Dienst am meisten, im landwirtschaftlichen Bereich am wenigsten. Die Top 5 durchschnittlich bestbezahlten Ausbildungsberufe sind aktuell: Maurer (1.159 Euro monatlich), Mechatroniker (1.088 Euro monatlich), Industriemechaniker (1.082 Euro monatlich), Industriekaufmann (1.047 Euro monatlich), und Kaufmann für Versicherung und Finanzen (1.035 Euro monatlich). Die Top 5 durchschnittlich schlecht bezahltesten Berufe sind: Schornsteinfeger (518 Euro monatlich), Friseurin (584 Euro monatlich), Floristin (617 Euro monatlich), Bäcker (678 Euro monatlich) und Maler/Lackierer (718 Euro monatlich).

Mindestlohn für Azubis?

Seit Januar 2019 ist der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro auf 9,19 Euro angehoben worden. Nach kurzem Nachrechnen fragst du dich, warum du als Floristin trotzdem nur 617 Euro monatlich bekommst oder selbst im dritten Ausbildungsjahr noch unterhalb von 1.000 Euro Mindestlohn liegst? Das liegt einfach daran, dass du als Auszubildender von der Mindestlohnregelung ausgenommen bist, da du dich nicht in einem Arbeitsverhältnis sondern in einem Bildungsverhältnis befindest. Du erhältst eben eine Ausbildungsvergütung und keinen Lohn! Allerdings kann sich das schon bald für dich ändern, denn das Bildungsministerium plant ab 2020 eine Reform des Berufsbildungsgesetzes, das den Weg frei machen soll für einen Mindestlohn für Auszubildende, der bei 515 Euro monatlich im ersten Ausbildungsjahr liegen soll. Mit der Mindestausbildungsvergütung (MiAV) soll verhindert werden, dass Azubis mit niedrigem Gehalt ihre Ausbildung abbrechen. Denn in den Branchen mit niedriger Vergütung (z.B. im Friseurhandwerk) brechen 30 Prozent der Auszubildenden ab.

Nebenjob in der Ausbildung – geht das?

Neben der Ausbildung jobben und das Gehalt aufbessern? Das ist prinzipiell mit einem Minijob auf 450 Euro-Basis möglich. Ein Nebenjob zur Aufstockung deines Einkommens während der Ausbildung ist erlaubt, allerdings gibt es einige Einschränkungen: Du bist in jedem Fall verpflichtet, deinen Ausbildungsbetrieb darüber zu informieren und dieser muss sein Einverständnis geben. Der Nebenjob darf sich nicht auf deine Leistungsfähigkeit während der Ausbildung auswirken und eine Beschäftigung bei einem konkurrierenden Unternehmen ist ein No-Go, da gilt das Wettbewerbsverbot für volljährige Arbeitnehmer. Urlaub während der Ausbildung heißt auch Urlaub im Nebenjob. Auch das ist durch ein Gesetz geregelt: nach §8 des Bundesurlaubsgesetzes darf der Arbeitnehmer während des Ausbildungsurlaubs "keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten". Auch die Arbeitszeiten sind durch den Gesetzgeber limitiert: Als minderjähriger Azubi (es gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz) darfst du pro Woche an fünf Werktagen 40 Stunden arbeiten. Bei Erwachsenen sind auch sechs Arbeitstage mit 48 Wochenstunden erlaubt. Informationen zu deinen Rechten und Pflichten als Azubi findest du auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Wenn das Ausbildungsgehalt nicht reicht: finanzielle Hilfen

Mit dem ersten Ausbildungsgehalt endlich von zuhause ausziehen? Spätestens auf der Suche nach einer Wohnung wirst du feststellen, dass das schwierig werden könnte. Die Lebenshaltungskosten sind hoch und die Ausbildungsvergütung reicht unterm Strich nicht mal bis zur Monatsmitte. Wenn deine Eltern dich finanziell nicht unterstützen können, gibt es zum Glück einige finanzielle staatliche Fördermaßnahmen, die dir helfen können. Prüfe selbst, ob du Anspruch auf sie hast!

Fazit

Mache dich schlau, bevor du deinen Ausbildungsvertrag unterschreibst! Die Höhe der Vergütung sollte dabei vielleicht nicht der entscheidende Faktor sein. Einstieg unterstützt dich bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf. Schau dir zum Beispiel unsere Seite Berufe nach Themen an oder mach den Interessencheck.