Beamtinnen und Beamte von der Polizei im Einsatz.
Ratgeber
Vorteile und Nachteile
In Deutschland gibt es über 1,7 Millionen Beamt:innen. Aber was heißt das eigentlich, wenn man verbeamtet wurde? Und welche Vorteile oder Nachteile ergeben sich aus dem Beamt:innen-Status? Wir erklären dir, was du über das Thema wissen solltest! Außerdem erfährst du, wie du Beamt:in werden kannst, welche Rolle die Digitalisierung im öffentlichen Dienst spielt und worin der Unterschied zwischen Pension und Rente liegt.
Beamtinnen und Beamte von der Polizei im Einsatz.
Beamt:innen arbeiten im öffentlichen Dienst, also beispielsweise als Lehrer:innen in der Schule, bei der Polizei, bei der Bundeswehr, in Gerichten oder in der Verwaltung. Dies ist ein besonderer Status im Beruf, der dich von Angestellten unterscheidet. Im Gegensatz zu ihnen musst du für die Verbeamtung einen Eid ablegen und dich dazu verpflichten, bei deiner Arbeit immer bestimmte Grundsätze einzuhalten. Damit gemeint sind vor allem
Nach der Verbeamtung befindest du dich dann in einem „öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis zum Staat“, wie es offiziell bei der Bundesregierung heißt.
Wichtig zu wissen: Nicht alle Menschen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, sind automatisch verbeamtet. Viele Beschäftigte arbeiten dort als Angestellte. Ob eine Verbeamtung möglich ist, hängt vom Beruf, vom Bundesland, von der Laufbahn und von bestimmten persönlichen Voraussetzungen ab.
Beamter oder Beamtin – den Begriff kennen viele, aber welche Berufe stecken eigentlich dahinter?
In unserem Video erfährst du, was Beamte machen, welche Vorteile der Beamtenstatus mit sich bringt und wie man Beamter oder Beamtin werden kann.
Es gibt nicht den einen Weg, wenn du Beamt:in werden möchtest. Je nach Beruf kannst du zum Beispiel über eine Ausbildung, ein duales Studium, ein klassisches Studium oder einen Vorbereitungsdienst in den öffentlichen Dienst einsteigen. Besonders interessant ist für viele der Weg über eine Ausbildung mit Verbeamtung, weil du dabei schon früh praktische Erfahrungen im öffentlichen Dienst sammelst.
Typische Wege sind unter anderem:
Oft beginnt die Karriere nicht direkt mit der Verbeamtung auf Lebenszeit. Stattdessen gibt es häufig verschiedene Stufen. Als Beamt:in auf Widerruf befindest du dich meist noch in der Ausbildung oder im Vorbereitungsdienst. Danach kann eine Verbeamtung auf Probe folgen. Erst wenn du dich bewährt hast und alle Voraussetzungen erfüllst, ist eine Verbeamtung auf Lebenszeit möglich.
Der Weg in die Verbeamtung über die Ausbildung ist vor allem in Bereichen wie Verwaltung, Justiz, Polizei, Zoll oder Finanzwesen interessant. Dabei startest du häufig als Anwärter:in und lernst die Aufgaben deines späteren Berufs direkt in der Praxis kennen.
Zu den Voraussetzungen gehören je nach Beruf und Bundesland zum Beispiel
Wenn du in NRW Lehrer:in werden möchtest, absolvierst du in der Regel ein Lehramtsstudium. Danach folgt der Vorbereitungsdienst, der auch Referendariat genannt wird. In dieser Zeit sammelst du Praxiserfahrung an einer Schule und wirst auf den Berufsalltag vorbereitet.
Nach dem Referendariat legst du das zweite Staatsexamen ab. Wenn du anschließend in den Schuldienst übernommen wirst, kann eine Verbeamtung möglich sein.
In vielen Fällen erfolgt diese zunächst auf Probe, später kann daraus eine Verbeamtung auf Lebenszeit werden. Die genauen Regelungen können sich ändern und hängen unter anderem vom Bundesland, vom Lehramt und von deiner persönlichen Situation ab.
Lehrer:innen können auch verbeamtet werden und genießen dann alle Vorteile des Beamtentums.
Der sicherlich größte Vorteil heißt Sicherheit. Als Beamter oder Beamtin auf Lebenszeit bist du in der Regel besonders gut abgesichert. Du musst keine Angst davor haben, dass beispielsweise das Unternehmen, für das du arbeitest, in finanzielle Probleme gerät und dich entlassen muss. Solange du deine Dienstpflichten erfüllst und keine schweren Pflichtverletzungen begehst, musst du keine Angst um deinen Arbeitsplatz haben. Das ist auch in anderen Bereichen von Vorteil: Banken beispielsweise wissen genau, wie sicher die Arbeitsplätze nach der Verbeamtung sind, und vergeben dementsprechend gute Kredite.
Zudem bietet der Staat viele Fortbildungsmöglichkeiten, sodass du als Beamt:in immer mit den neuesten Entwicklungen in deinem Arbeitsgebiet in Berührung kommst.
Ein weiterer Vorteil des Beamtenstatus: Deine berufliche Laufbahn ist oft gut planbar. Dank Besoldungsgruppen, Erfahrungsstufen und klaren Laufbahnen kannst du relativ gut einschätzen, wie sich dein Einkommen und deine Karriere entwickeln können.
Wichtig ist bei jedem Job das Gehalt – du möchtest schließlich für deine Arbeit gerecht bezahlt werden. „Besoldung“ ist der besondere Name für das Gehalt von Beamt:innen.
Wichtig zu wissen ist: Für Beamt:innen gibt es Besoldungsgruppen – je nach Amt, Ausbildung und Laufbahn. Zu Beginn deiner Beamt:innenkarriere wirst du kategorisiert und in eine bestimmte Besoldungsgruppe eingeordnet. Je besser deine Ausbildung ist, desto höher dein Grundgehalt. Zudem wird die Besoldung aufgrund von wachsender Arbeitserfahrung im Laufe der Zeit erhöht. Ähnlich wie bei einem Tarif wird die Besoldung für Personen mit Beamtenstatus außerdem regelmäßig angepasst, beispielsweise an die Inflation. Zusätzlich können Zuschläge hinzukommen, zum Beispiel für Ehepartner:innen oder Kinder.
Nach der Arbeit erhältst du keine Rente, so wie andere Angestellte, sondern eine Pension. Diese ist in der Regel höher als die „normale“ Rente. Das kann schon während der Arbeitszeit Vorteile haben: In der Regel zahlst du von deiner Besoldung weder Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung noch zur Arbeitslosenversicherung. Dadurch bleibt netto oft mehr von deinem Bruttogehalt übrig.
Angestellte zahlen während ihres Berufslebens in die gesetzliche Rentenversicherung ein und bekommen später eine Rente. Bei Beamt:innen funktioniert das anders: Sie erhalten im Ruhestand eine Pension, offiziell Ruhegehalt genannt.
Die Pension wird nicht genauso berechnet wie die gesetzliche Rente. Stattdessen richtet sie sich unter anderem nach der Dienstzeit und der letzten Besoldung. Wichtige Regeln zur Versorgung von Beamt:innen stehen unter anderem im Beamtenversorgungsgesetz beziehungsweise in den jeweiligen Regelungen von Bund und Ländern. Deshalb kann es je nach Dienstherr Unterschiede geben.
Unter dem Strich fällt die Pension vieler Beamt:innen höher aus als die gesetzliche Rente von Angestellten. Dafür ist der Beamtenstatus aber auch mit besonderen Pflichten verbunden. Sie stehen in einem besonderen Dienstverhältnis zum Staat, dürfen nicht streiken und müssen bestimmte Regeln einhalten. Außerdem spielt die Krankenversicherung auch im Ruhestand eine wichtige Rolle, weil Beihilfe und private Krankenversicherung oft weiter relevant bleiben.
Jeder Mensch in Deutschland muss krankenversichert sein, auch Beamt:innen. Viele Beamt:innen entscheiden sich für eine private Krankenversicherung, weil sie über die Beihilfe einen Teil ihrer Krankheitskosten erstattet bekommen.
Konkret heißt das: Einen Teil der Krankheitskosten übernimmt dein „Dienstherr“, also der Staat als dein Arbeitgeber. Den restlichen Anteil musst du selbst absichern.
Gut zu wissen: Schon während deiner Ausbildung hast du als Beamtenanwärter:in oft bereits Anspruch auf Beihilfe.
Der öffentliche Dienst verändert sich: Viele Behörden, Schulen und Verwaltungen arbeiten daran, digitaler zu werden. Für junge Menschen kann das eine große Chance sein. Denn überall dort, wo Prozesse digitaler, schneller und nutzerfreundlicher werden sollen, werden Menschen gebraucht, die neue Ideen einbringen.
Besonders spannend sind Berufe und Studiengänge rund um Verwaltungsinformatik, IT, Datenschutz, digitale Verwaltung, Cybersecurity oder digitale Bildung. Auch Lehrer:innen arbeiten immer stärker mit digitalen Lernplattformen, Tablets, Smartboards und Online-Angeboten.
Gleichzeitig ist die Digitalisierung im öffentlichen Dienst nicht überall gleich weit fortgeschritten. In manchen Bereichen gibt es moderne Systeme, in anderen läuft vieles noch langsam oder umständlich. Wenn du Beamt:in werden möchtest, solltest du deshalb nicht nur Sicherheit suchen, sondern auch Lust darauf haben, bestehende Strukturen zu verbessern.
Wie du siehst, ist die Karriere mit Beamtenstatus verlockend, da es viele Vorteile gibt. Doch im Austausch für diese Vorteile musst du auch einige Nachteile akzeptieren.
Zum Teil hast du in diesen Berufen lange Arbeitszeiten, wobei Überstunden nicht immer bezahlt werden. Auch was Arbeiten in Teilzeit angeht, sind die Dienstherren je nach Bereich nicht immer flexibel.
Du kannst außerdem nicht streiken, wenn du mit deinen Arbeitsbedingungen unzufrieden bist. Der Streik ist für Arbeitnehmende eines der wichtigsten Mittel, um für die eigenen Wünsche einzutreten und für höheres Gehalt oder bessere Bedingungen zu kämpfen. Als Beamtin oder Beamter hast du diese Möglichkeit nicht.
Ein weiterer Nachteil als Beamter bzw. Beamtin kann sein, dass du beruflich weniger flexibel bist als in der freien Wirtschaft. Ein Wechsel in eine andere Stadt, eine andere Behörde oder einen ganz anderen Job ist oft nicht so einfach möglich. Du kannst zwar einen Antrag stellen, musst aber bestimmte Bedingungen erfüllen, damit der Wechsel klappt.
Hinzu kommt oft ein schlechtes Image im Vergleich zu anderen Berufsgruppen. Besonders Beamtinnen und Beamte in der Verwaltung sind nicht sonderlich gut angesehen, da man dem Beamtentum Langsamkeit und Ineffizienz nachsagt. Das ist aber nicht mehr als ein Klischee! In der Verwaltung arbeiten viele Beamtinnen und Beamte, die wichtige Aufgaben zuverlässig erledigen. Und wenn du zum Beispiel als Lehrer:in oder Polizist:in arbeitest, wirst du in deinem Arbeitsalltag mit Sicherheit vielen stressigen Situationen begegnen.
Zudem verändert sich das Image des Beamtentums: Durch Digitalisierung, Fachkräftemangel und neue Aufgaben im öffentlichen Dienst werden Menschen gebraucht, die Verwaltung, Schule, Sicherheit und öffentliche Services moderner machen wollen.
Eine Verbeamtung kann gut zu dir passen, wenn dir Sicherheit, klare Strukturen und eine langfristige Perspektive wichtig sind. Auch wenn du gerne für die Gesellschaft arbeitest, Verantwortung übernehmen möchtest und dich mit den Aufgaben des Staates identifizieren kannst, kann dieser Berufsweg interessant sein.
Weniger passend ist die Verbeamtung, wenn du sehr flexibel bleiben möchtest, unkompliziert den Arbeitgeber wechseln willst oder dir möglichst viel Freiheit bei Arbeitsort, Aufgaben und Gehalt wünschst.
Am Ende kommt es also nicht nur auf die Vorteile und Nachteile an. Wichtig ist vor allem, ob der Beamtenstatus zu deinen Vorstellungen vom Berufsleben passt.
Denn auch wenn die Besoldung nach der Verbeamtung gut ist und das Beamtentum viele positive Effekte für deine Finanzen mit sich bringt, sollte es nicht unerwähnt bleiben: Du tauschst die Sicherheit deines Arbeitsplatzes gegen die Möglichkeit, dir jederzeit einen neuen Job mit einem besseren Gehalt suchen zu können. In der freien Wirtschaft sind die Gehälter bei vergleichbaren oder gleichen Abschlüssen oft höher als bei Beamtinnen oder Beamten.
Hier eine Auswahl an Berufen & Studiengängen, durch die du Beamtin oder Beamter werden kannst:
Lehramt Sozial-, Gesellschafts- und Geisteswissenschaften
Lehramt: Mathematik/Naturwissenschaften
Duales Studium Verwaltungsinformatik
Duales Studium Diplom-Finanzwirt:in
Polizist /in bei der Landespolizei
Gehobener Auswärtiger Dienst - Diplom Verwaltungsfachwirt/in
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