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Bafög - Antrag, Amt und Auszahlung

Mit Bafög beziehungsweise Bafög-Förderung unterstützt der Staat junge Menschen bei der Studienfinanzierung. Wir erklären alles rund um Bafög-Antrag, Bafög-Berechtigung, Höhe der Bafög-Förderung und Rückzahlung.

Bafög - was ist das eigentlich?

Im Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz: Bafög) wird geregelt, wen Bund und Länder bei der Studienfinanzierung unterstützen – und wie lange und mit wie viel Geld. Der Begriff "Bafög" bezeichnet also eigentlich die gesetzlichen Regelungen. Meistens wird er jedoch als Synonym für die Bafög-Förderung, also das Geld, das an die Studenten fließt, benutzt.

Warum gibt es Bafög?

Wer sich auf das spätere Berufsleben vorbereitet, verfügt in der Regel mehrere Jahre lang über kein oder nur ein sehr geringes Einkommen. Die Ausgaben sind jedoch trotzdem hoch. Miete, Telefon, Bücher und andere Kosten summieren sich schnell auf mehrere hundert Euro pro Monat. In vielen Fällen übernehmen daher die Eltern die Studienfinanzierung oder zahlen für den Besuch einer Berufsfachschule. Viele Studenten verdienen sich durch Nebenjobs noch etwas dazu.

Damit diejenigen, deren Eltern sich die Finanzierung einer Ausbildung nicht leisten können, nicht benachteiligt werden und trotzdem studieren oder eine Berufsfachschule besuchen können, wurde in Deutschland in den Siebzigerjahren beschlossen, die Kinder einkommensschwacher Eltern bei der Studienfinanzierung zu unterstützen. Während Schüler diese Zuschüsse vom Staat nicht zurückzahlen müssen, bekommen Studenten in der Regel nur die Hälfte der Leistungen "geschenkt", die andere dagegen als zinsloses Darlehen.

Wer bekommt Bafög?

Die Voraussetzungen für die Bafög-Förderung: Die Ausbildung des Antragstellers muss nach dem Bafög förderungsfähig sein. Dies gilt für Studien an staatlichen Hochschulen (in manchen Fällen auch an privaten Hochschulen), für den Besuch von Berufsfachschulen, Akademien und Einrichtungen des zweiten Bildungswegs (z.B. Abendschulen oder Kollegs). In Ausnahmefällen kann auch der "normale" Schulbesuch ab der zehnten Klasse gefördert werden. Azubis in einer betrieblichen/dualen Ausbildung haben keinen Anspruch auf Bafög, aber – unter bestimmten Voraussetzungen – auf die  Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Bundesagentur für Arbeit.

  • Der Antragsteller muss unter 30 Jahre alt sein. Wer das Bafög als Studienfinanzierung für den Master braucht, darf sogar bis zu 34 Jahre alt sein. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: So können beispielsweise Studenten, die aufgrund besonderer familiärer und persönlicher Gründe ihr Studium erst spät beginnen konnten, elternunabhängiges Bafög erhalten.
  • Der Antragsteller muss die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Außerdem können Asylberechtigte bzw. anerkannte Flüchtlinge, Menschen mit einem deutschen Elternteil und Wohnsitz in Deutschland, Ausländer mit schon länger in Deutschland erwerbstätigen Eltern und – unabhängig von der Erwerbssituation der Eltern – ausländische Auszubildende, die bereits langfristig aufenthaltsberechtigt sind oder eine dauerhafte Bleibeperspektive haben, gefördert werden.
  • Der Antragsteller darf noch keine förderfähige Ausbildung abgeschlossen haben, denn Bafög-Leistungen gibt es nur für die Erstausbildung (wobei Bachelor- und Masterstudium gemeinsam als Erstausbildung gelten). Hier sind allerdings Ausnahmen möglich, daher sollte man im Zweifelfall beim zuständigen Bafög-Amt nachfragen.
  • Ein Fachrichtungswechsel muss spätestens nach dem dritten Semester erfolgen, damit der Geförderte im neuen Studiengang weiter Bafög erhält. Auch hier gibt es allerdings Ausnahmen, wenn nämlich der Wechsel aus einem so genannten "unabweisbaren Grund" erfolgt.
  • Das Einkommen der Eltern darf eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Man spricht in diesem Zusammenhang vom "anrechenbaren Einkommen", das unter oder nur knapp über den "Freibeträgen" liegen darf. Mit einem Bafög-Rechner kann man dies bereits im Voraus grob kalkulieren.
  • Wichtig ist außerdem das eigene monatliche Einkommen (z.B. durch Nebenjobs). Verdient der Geförderte zu viel, werden die Bafög-Leistungen verringert, oder der Anspruch erlischt sogar ganz. Derzeit dürfen Empfänger im Monatsschnitt 450 Euro dazuverdienen, ohne Ansprüche zu verlieren. Andere Verdienstgrenzen gelten für selbstständige Arbeiten. Hier darfst du monatlich im Durchschnitt nur 367,50 Euro verdienen.

Einkommen der Eltern und Höhe der Bafög-Förderung

Ob ein Antragsteller eine Bafög-Förderung erhält, hängt unter anderem davon ab, ob seine eigenen finanziellen Mittel, die eines eventuellen Ehepartners und die seiner Eltern ausreichend sind, um seinen Ausbildungsbedarf zu decken. Unter Bedarf versteht das Bafög die Geldsumme, die jemand in der Ausbildung typischerweise für seinen Lebensunterhalt (z.B. Miete, Lebensmittel und Bekleidung) und seine Ausbildung (z.B. Lehrbücher und Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte) benötigt. Als monatlicher Bedarf sind im Bafög Pauschalbeträge definiert, deren Höhe von der Art der Ausbildungsstätte (z.B. Gymnasium, Universität) und der Unterbringung (bei den Eltern oder auswärts) abhängig ist.

Die Höchstsätze (inklusive Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag) nach Ausbildungsstätten:

  • Weiterführende allgemeinbildende Schulen und Berufsfachschulen ab Klasse 10 sowie Fach- und Fachoberschulen, wenn der Besuch keine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt:
    - bei den Eltern wohnend: keine Förderung
    - auswärts wohnend: 590 Euro
  • Berufsfachschul- und Fachschulklassen, die in einem zumindest zweijährigen Bildungsgang einen berufsqualifizierenden Abschluss vermitteln, wenn der Besuch keine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt:
    - bei den Eltern wohnend: 352 Euro
    - auswärts wohnend (nur, wenn sie notwendig auswärts wohnen müssen): 699 Euro
  • Abendhaupt- und Abendrealschulen, Berufsaufbauschulen, Fachoberschulklassen, deren Besuch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt:
    - bei den Eltern wohnend: 548 Euro
    - auswärts wohnend: 782 Euro
  • Fachschulklassen, deren Besuch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt, Abendgymnasien, Kollegs:
    - bei den Eltern wohnend: 555 Euro
    - auswärts wohnend: 825 Euro
  • Höhere Fachschulen, Akademien, Hochschulen:
    - bei den Eltern wohnend: 583 Euro
    - auswärts wohnend: 853 Euro

Für Praktikanten gilt der Bedarfssatz für die Ausbildung, mit der das Praktikum zusammenhängt.

Die oben genannten Bedarfssätze beinhalten bereits die Zuschläge für die Kranken- und Pflegeversicherung, die jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen gewährt werden. Weitere Zuschläge, beispielsweise für die Kinderbetreuung, sind möglich. Unter Berücksichtigung aller Zuschläge kann ein Studierender ohne Kind maximal 853 Euro monatlich an Bafög-Förderung einstreichen.

Hat der Geförderte Kinder, erhöht sich die monatliche Bafög-Förderung, und zwar um 140 Euro für jedes Kind. 

Bafög im Ausland: Auch Auslandssemester werden gefördert

Auch beim Absolvieren einer Ausbildung oder eines Teils der Ausbildung in einem anderen Land kann man eine Bafög-Förderung erhalten. Seit Dezember 2007 ist dies sogar noch leichter als zuvor. Heute ist beispielsweise ein Studium im EU-Ausland oder in der Schweiz vom ersten bis zum letzten Semester förderungsfähig. Bei einem Studienaufenthalt außerhalb der EU bzw. der Schweiz erhält man hingegen nur maximal ein Jahr lang eine Bafög-Förderung. Zusätzlich zum normalen Förderbetrag kommen je nach Land unterschiedliche Zuschläge oben drauf, z.B. für Studiengebühren, Reisen und die Krankenversicherung. Übrigens: Auch Auslandspraktika sind förderungsfähig, aber nur, wenn die Ausbildungsstätte oder die zuständige Prüfungsstelle anerkennt, dass diese den Anforderungen aus der jeweiligen Prüfungsordnung genügen und ausreichende Sprachkenntnisse vorhanden sind.

Wie lange kann man Bafög-Förderung beziehen?

Als Schüler oder Berufsschüler wird man gefördert, solange man die Schule, Berufsfachschule oder Ausbildungsstätte besucht. Dies gilt auch, wenn eine Klasse wiederholt werden muss. Studenten wird Bafög für Zeiträume von jeweils 12 Monaten bewilligt. Man muss es also immer wieder neu beantragen (dieser "Weiterförderungsantrag" muss spätestens zwei Kalendermonate vor Ablauf eines Bewilligungszeitraums gestellt werden).

An Hochschulen gibt es jedoch eine Förderungshöchstdauer. Die Dauer der Bafög-Förderung für Studierende an Hochschulen richtet sich nach der gewählten Fachrichtung. Die Förderungshöchstdauer ergibt sich aus der jeweiligen Regelstudienzeit oder unmittelbar aus dem Bafög. Studierende an Akademien und Höheren Fachschulen werden für die Dauer der vorgesehenen Ausbildungszeit gefördert. Übrigens: Bei einer Förderung eines Studiums muss der Empfänger zum Ende des vierten Fachsemesters (teilweise sogar schon zum Ende des zweiten Semesters) einen Leistungsnachweis beim Bafög-Amt vorlegen, um weiterhin Bafög beziehen zu können.

Rückzahlung des zinslosen Bafög-Darlehens

Schüler müssen empfangene Bafög-Leistungen in der Regel nicht zurückzahlen. Studenten dagegen erhalten nur die Hälfte des Geldes rückzahlungsfrei, die andere als zinsloses Darlehen. Für die Rückzahlung dieses Darlehens gibt es eine Reihe von Regelungen:

  • Spätestens fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer muss der Empfänger beginnen, das Darlehen zurückzuzahlen.
  • Die Rückzahlung erfolgt in vierteljährlichen Raten zu je 315 Euro (ab April 2020: 390 Euro).
  • Es müssen maximal 10.000 Euro zurückgezahlt werden.
  • Rückzahlungszeitraum sind 20 Jahre, danach gilt die Schuld als getilgt - vorausgesetzt du hast dich in dem Zeitraum bemüht, die Schulden zurückzuzahlen.
  • Wer nach Beginn der Rückzahlung nur über ein geringes Einkommen verfügt und/oder Kinder hat, kann von der Rückzahlungsfrist freigestellt werden. 

Bafög-Antrag stellen lohnt sich

Ob jemand Anspruch auf Bafög-Leistungen hat und, wenn ja, in welcher Höhe, lässt sich mit dem Taschenrechner kaum ermitteln, und auch Bafög-Rechner im Internet sind bestenfalls für eine grobe Orientierung geeignet. Experten empfehlen daher jedem, vor Antritt einer Ausbildung einen Bafög-Antrag zu stellen – schlimmstenfalls gibt es halt eine Absage.

Unter www.das-neue-bafoeg.de sind die Adressen der zuständigen Bafög-Ämter, Formulare zur Antragstellung und weitere Infos zu finden.