Finanzprodukte für Berufseinsteiger
Diese Finanzprodukte solltest du kennen!
Rund 500.000 Schüler:innen und Studierende beziehen BAföG, obwohl deutlich mehr Menschen grundsätzlich BAföG-berechtigt sind. In den allermeisten Fällen spielt das Einkommen der Eltern eine wichtige Rolle. Viele beantragen aber auch kein BAföG, weil sie glauben, dass ihre Eltern zu viel verdienen. Doch das stimmt nicht immer. So zählt beim elternunabhängigen BAföG das Einkommen deiner Eltern nicht. Deshalb spricht man auch von BAföG ohne Elterneinkommen. Ob du diese Förderung bekommst, hängt aber von klaren Voraussetzungen ab.
Bestimmt hast du schon mal von Leuten gehört, die BAföG bekommen, obwohl ihre Eltern viel mehr verdienen als deine – und das als total unfair empfunden.
„Warum bekommen andere mehr BAföG als ich, obwohl deren Eltern mehr verdienen als meine?“
Die Berechnung von BAföG ist ziemlich komplex und hängt von diversen Faktoren ab, nicht nur vom Einkommen der Eltern.
Der potenzielle BAföG-Höchstsatz hängt mitunter von folgenden Faktoren ab:
Studierende haben einen höheren Bedarf als Schüler:innen. Wir gehen beim Vergleich aber von deinen Mitschüler:innen bzw. Kommiliton:innen aus. Dann sollte euer Grundbedarf gleich sein.
In erster Linie spielen dein eigenes Einkommen und Vermögen eine Rolle, wobei das Einkommen in der Regel nicht das Problem ist. Wer in Vollzeit zur Schule oder Uni geht, hat schließlich kaum Zeit, ausreichend viel nebenbei zu verdienen.
Was aber durchaus relevant ist, ist das Vermögen, also alle Bankkonten und Versicherungen sowie Kfz und Wertpapiere: Alles Dinge, die man zu Geld machen könnte, um davon zu leben. Ob dir dieses Vermögen tatsächlich gehört oder es nur jemand auf deinem Namen geparkt hat, spielt keine Rolle - wo dein Name draufsteht, ist dein Vermögen drin.
Wichtig für die BAföG-Sätze 2026: Seit dem 1. Januar 2026 wird der Freibetrag für eigenes Einkommen an die Minijobgrenze angepasst. Du kannst dann bis zu 603 Euro im Monat hinzuverdienen, ohne dass dein BAföG deswegen gekürzt wird.
Eltern sind ihren Kindern gegenüber während der ersten Ausbildung unterhaltspflichtig, egal ob volljährig oder nicht. Daher musst du beim BAföG-Antrag auch die Einkünfte deiner Eltern angeben. Doch Einkommen ist nicht gleich Einkommen. Es gibt bestimmte Freibeträge, die bei der Berechnung des Höchstsatzes anrechnungsfrei bleiben:
Beim Einkommen geht es im Normalfall um die Einnahmen im vorletzten Kalenderjahr. Hat sich das Einkommen seitdem gravierend verändert, kann auf Antrag aber auch das aktuelle Einkommen für die Berechnung zugrunde gelegt werden.
Nicht nur die Art der Einnahmen, auch die Lebensumstände der Eltern werden teilweise berücksichtigt:
All das kann dazu führen, dass eine andere Person viel mehr BAföG bekommt als du, obwohl die Haushaltskassen eurer Eltern gleich voll wirken. Auch zu bedenken ist, dass das Vermögen der Eltern grundsätzlich nicht berücksichtigt wird, selbst dann nicht, wenn diese ein Haus und drei Autos haben. Du bist familienversichert und wohnst bei deinen Eltern, die weder Haus noch Auto haben? Die andere Person ist von zuhause ausgezogen und privat versichert, bekommt aber trotzdem mehr BAföG als du, und das bei gleichem Einkommen der Eltern? Ja das ist irgendwie unfair, lässt sich aber nicht ändern. Doch es gibt bestimmte Voraussetzungen, unter denen auch Kinder sehr gut verdienender Eltern BAföG bekommen können.
Die Voraussetzungen für elternunabhängiges BAföG sind in §11 BAföG und §1610 BGB geregelt. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz besagt, dass du elternunabhängig gefördert wirst, wenn du:
Kurz gesagt: Die wichtigste Voraussetzung für elternunabhängiges BAföG ist meist, dass du schon älter bist, deinen Schulabschluss über den zweiten Bildungsweg nachholst oder vor deinem neuen Ausbildungsabschnitt längere Zeit gearbeitet hast. Die offizielle BAföG-Seite nennt diese Fälle als Gründe für eine elternunabhängige Förderung.
Wenn du einen (oder mehrere) dieser Punkte nachweislich erfüllst, kannst du elternunabhängiges BAföG beantragen. Das heißt, du brauchst keinerlei Angaben zu deinen Eltern machen. Niemand erfährt, wie viel deine Eltern verdienen, und selbst wenn, ist es egal. In den beiden letzten Fällen gilt zusätzlich, dass du in den Jahren deiner Erwerbstätigkeit in der Lage gewesen sein musst, dich aus dem Ertrag selbst zu unterhalten.
Was leider ziemlich häufig vorkommt ist, dass jemand mit einer Ausbildung nicht die erforderlichen sechs Jahre vor Schule oder Studium erreicht. Meistens fehlen nur noch ein paar Monate. So etwas ist sehr ärgerlich, aber nicht hoffnungslos. Denn gemäß Zivilrecht endet die Unterhaltspflicht der Eltern mit deinem Ausbildungsabschluss. Hier widersprechen sich die Gesetze. Für solche Fälle gibt es aber eine Lösung. Das BGB hat nämlich Vorrang, wenn du es beantragst. Um eine Chance auf elternunabhängiges BAföG gemäß Zivilrecht zu haben, musst du unbedingt eine berufsqualifizierende Ausbildung abgeschlossen haben. Wie lange die Ausbildung dauerte, spielt dabei keine Rolle – entscheidend ist der Abschluss.
Zur Beantragung von elternunabhängigem BAföG gibt es kein spezielles Antragsformular. Du musst lediglich passende Unterlagen einreichen, die zur Prüfung deiner Berechtigung notwendig sind. Beispielsweise musst du bei der Beantragung von elternunabhängigem BAföG aufgrund vorheriger Erwerbstätigkeit Zeugnisse, Lohnabrechnungen, Lohnsteuerkarten etc. einreichen. Genauere Informationen darüber, welche Papiere du in deinem Fall einreichen musst, bekommst du bei deinem zuständigen BAföG-Amt.
Du kannst den BAföG-Antrag auch online über BAföG Digital stellen. Dort ergänzt du die normalen Antragsdaten und reichst die Nachweise ein, die für elternunabhängiges BAföG wichtig sind.
Du kannst die Voraussetzungen für die Beantragung von elternunabhängigem BAföG nicht erfüllen? Wenn deine Eltern die Auskunft über ihr Einkommen verweigern oder dir nicht den Unterhalt auszahlen, der dir zusteht, könnte das im schlimmsten Fall deine Ausbildung gefährden. Doch auch für dieses Problem gibt es eine Lösung: Du hast die Möglichkeit einen Antrag auf Vorausleistung zu stellen.
Du weißt vielleicht schon, dass du bis zu deinem 25. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld hast. Die Altersgrenze für den Bezug von BAföG liegt jedoch deutlich höher und ist unabhängig vom Kindergeld – sowohl beim „normalen“ als auch beim elternunabhängigen BAföG. Entscheidend ist das Alter bei Beginn des Studiums oder der schulischen Ausbildung. Seit August 2022 liegt die Altersgrenze bei 45 Jahren. Du darfst bei Beginn der Ausbildung also das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
Ab 30 Jahren hast du sogar die besten Chancen auf elternunabhängiges BAföG. Auch wenn du bereits ein Bachelorstudium abgeschlossen hast, kannst du sowohl im Master als auch in einem Zweitstudium weiterhin elternunabhängig BAföG beziehen.
Wichtig beim elternunabhängigen BAföG ab 25: Allein dein 25. Geburtstag reicht nicht aus, um BaföG zu beziehen. Du bekommst elternunabhängiges BAföG also nicht automatisch, nur weil das Kindergeld endet. Entscheidend sind weiterhin die BAföG-Regeln zu Alter, Schulform, Berufstätigkeit, Ausbildung und deiner persönlichen Situation.
Beim elternunabhängigen BAföG richtet sich der Höchstsatz nach denselben Regeln wie beim normalen BAföG. Für Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen und selbst kranken- und pflegeversichert sind, liegt der Höchstsatz aktuell bei bis zu 992 Euro im Monat. Der Förderungshöchstbetrag ist durch die BAföG-Reform von 934 Euro auf 992 Euro gestiegen.
Für Schüler:innen hängt der mögliche Betrag stärker von der Schulart, Wohnsituation und Versicherung ab. Deshalb lässt sich elternunabhängiges BAföG für Schüler nicht mit einer einzigen Zahl erklären. Entscheidend ist immer dein persönlicher Bedarf. Die genaue Höhe der Förderung hängt von deinem persönlichen Vermögen und Einkommen ab.
Sicherlich fragst du dich auch, wann und ob du das elternunabhängige BAföG zurückzahlen musst. Die Antwort lautet ja – allerdings mit Einschränkungen. Die Rückzahlungspflicht beginnt 5 Jahre nach Ende der Regelstudienzeit. Beim elternunabhängigen BAföG ist der Rückzahlungsbetrag auf die Hälfte der Förderung begrenzt. Es fallen keine Zinsen an und du musst nie mehr als 10.010 € zurückzahlen – egal, wie viel BAföG du am Ende bekommen hast. Die reguläre Rückzahlungsrate liegt aktuell bei 130 Euro im Monat.
Der BAföG-Höchstsatz für auswärts wohnende Studierende mit eigener Kranken- und Pflegeversicherung liegt aktuell bei 992 Euro im Monat. Eine neue verbindliche Erhöhung des Höchstsatzes für 2026 ist nach aktuellem offiziellen Stand nicht veröffentlicht.
Für 2026 ändert sich aber etwas beim eigenen Einkommen: Zum 1. Januar 2026 wird der Freibetrag an die Minijobgrenze von 603 Euro angepasst. Wenn du neben Schule oder Studium arbeitest, kannst du also mehr hinzuverdienen, ohne dass dein BAföG gekürzt wird.
Mit allem Drum und Dran kostet ein Studium schnell mehrere hundert Euro im Monat. Wie du siehst, ist es durchaus möglich, BAföG zu beantragen, und das völlig unabhängig vom Einkommen und Vermögen deiner Eltern. Elternunabhängiges BAföG lohnt sich besonders, wenn du die Voraussetzungen erfüllst und BAföG ohne Elterneinkommen bekommen kannst.
Und merke dir: Neben dem elternunabhängigen BAföG gibt es weitere Möglichkeiten zur Studienfinanzierung, darunter beispielsweise Studienkredite oder Stipendien.
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