Ratgeber

Die überbetriebliche Ausbildung

Hintergründe, Beispiele, Vergütung & mehr

Große Ausbildungsunternehmen sind technisch oft besser und vielfältiger aufgestellt als kleinere. Damit Azubis in kleinen und mittleren Unternehmen trotz des möglichen Nachteils alle berufsrelevanten Inhalte lernen können, gibt es die sogenannte überbetriebliche Ausbildung. Hier erfährst du, was genau es damit auf sich hat.

Eine lächelnde junge Frau im weißen Laborkittel und mit Schutzbrille steht mit verschränkten Armen in einem modernen Labor.

Vielleicht hast du es schon mitbekommen: Ausbildungsinhalte verändern sich von Zeit zu Zeit. Das hängt vor allem mit dem technologischen Fortschritt und der Digitalisierung zusammen. Es gibt immer neue Maschinen und Software, die den Arbeitsalltag beeinflussen. Manche Ausbildungsberufe entstehen sogar ganz neu. Die Ausbildungsbetriebe passen sich zwar nach und nach der Entwicklung an, aber nicht alle Unternehmen können immer und sofort mit den allerneuesten Trends mitgehen. Das ist zum Beispiel in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oft der Fall.

Damit aber auch diese Auszubildenden alle berufsrelevanten Ausbildungsinhalte vermittelt bekommen können, gibt es die sogenannte überbetriebliche Ausbildung.

Was ist eine überbetriebliche Ausbildung?

Die überbetriebliche Ausbildung ist eine Ergänzung zum Ausbildungsalltag und wird oft auch überbetriebliche Unterweisung (ÜBU) oder überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) genannt. Ziel ist es, den Lehrlingen in einer sogenannten überbetrieblichen Berufsausbildungsstätte fachspezifische Inhalte zu vermitteln.

Vor allem im Handwerk können Azubis so ihre fachpraktischen Fertigkeiten und Kenntnisse der betrieblichen Ausbildung ergänzen und vertiefen. Dabei kann es um neue Arbeitstechniken, sehr spezialisierte Produktionsabläufe und Dienstleistungsinhalte, neueste Technologien, zum Beispiel 3D-Druck, oder wichtige Kenntnisse zum Unfallschutz und zur Arbeitssicherheit gehen.

Beispiel für eine überbetriebliche Ausbildung: Du machst eine Ausbildung in einem kleinen Handwerksbetrieb. Dein Betrieb arbeitet sehr spezialisiert und kann dir bestimmte Maschinen, Verfahren oder Arbeitsschritte nicht regelmäßig zeigen. In einem überbetrieblichen Lehrgang übst du genau diese Inhalte praktisch ein. So bekommst du trotzdem alle wichtigen Grundlagen vermittelt und bist besser auf die Abschluss- oder Gesellenprüfung vorbereitet.

Typische Inhalte der überbetrieblichen Ausbildung können zum Beispiel sein:

  • der Umgang mit bestimmten Werkzeugen oder Maschinen
  • neue Arbeitstechniken
  • Arbeitssicherheit und Unfallschutz
  • fachpraktische Grundlagen für die Prüfung
  • spezielle Verfahren, die im Ausbildungsbetrieb selten vorkommen

Veranstalter bzw. Träger der überbetrieblichen Berufsausbildungsstätten sind in der Regel Kammern, Innungen, Verbände oder Bildungsträger. Im Handwerk ist häufig die Handwerkskammer an der überbetrieblichen Ausbildung beteiligt.

Wo findet die überbetriebliche Ausbildung statt?

Wo die überbetriebliche Ausbildung stattfindet, hängt von den Inhalten und Anbietern ab. Es kann praxisnahe Schulungen innerhalb des eigenen Ausbildungsbetriebes geben, viel öfter aber findet eine praktische Umsetzung in externen Werkstätten, Bildungszentren oder überbetrieblichen Ausbildungsstätten statt.

In eher seltenen Fällen kann es auch mal sein, dass du für die Zeit der überbetrieblichen Ausbildung in einem Internat, Wohnheim oder Gästehaus unterkommst. Das kommt vor allem dann infrage, wenn der Lehrgang weiter entfernt stattfindet oder mehrere Tage am Stück dauert.

Welche Berufe betrifft die überbetriebliche Ausbildung?

Besonders häufig kommt die überbetriebliche Ausbildung im Handwerk vor. Dazu gehören zum Beispiel Ausbildungen im

  • Bauwesen
  • Elektrohandwerk
  • Kfz-Bereich
  • Friseurhandwerk
  • Lebensmittelhandwerk 
  • Bereich Sanitär, Heizung und Klima

Auch in sehr praxisnahen Berufen können überbetriebliche Lehrgänge eine wichtige Rolle spielen. Ob du teilnehmen musst, hängt aber immer von deinem Ausbildungsberuf, der Ausbildungsordnung und der zuständigen Stelle ab.

Dauer, Kosten und Vergütung der überbetrieblichen Ausbildung

Die überbetriebliche Ausbildung dauert in den meisten Fällen rund drei bis vier Wochen im Jahr. Je nach Berufsbild können es aber auch mehr Wochen sein, zum Beispiel bei Schornsteinfegern oder Ausbildungen im Bauwesen.

In der Regel zahlt das Ausbildungsunternehmen die Kosten für eine überbetriebliche Ausbildung. Für dich als Azubi entstehen für den Lehrgang selbst normalerweise keine direkten Kosten. Falls Fahrt-, Unterkunfts- oder Verpflegungskosten anfallen, können die Regelungen aber je nach Beruf, Betrieb, Kammer, Tarifvertrag oder Region unterschiedlich sein.

Kläre deshalb am besten vor dem Lehrgang folgende Fragen:

  • Wo findet der Lehrgang statt?
  • Musst du anreisen oder dort übernachten?
  • Wer übernimmt anfallende Fahrtkosten?
  • Gibt es Zuschüsse für Unterkunft oder Verpflegung?
  • Welche Unterlagen, Kleidung oder Werkzeuge brauchst du?

Deine Ausbildungsvergütung bekommst du während der überbetrieblichen Ausbildung in der Regel weiter. Du bist in dieser Zeit zwar nicht im Betrieb, bleibst aber Auszubildende deines Unternehmens.

Ist die Teilnahme an der überbetrieblichen Ausbildung Pflicht?

Die Teilnahme an diesen Lehrgängen ist Pflicht, wenn sie für deinen Ausbildungsberuf vorgesehen sind. Nur wer die Teilnahme nachweisen kann, wird zur Abschluss- oder Gesellenprüfung zugelassen.

Für die überbetriebliche Ausbildung muss dich dein Ausbildungsbetrieb freistellen. Sie ist also Teil deiner Ausbildungszeit und kein zusätzlicher Termin nach Feierabend. Deine Zeit in der Berufsschule hat mit den zusätzlichen Lehrgängen nichts zu tun.

Wenn du krank bist oder aus einem wichtigen Grund nicht teilnehmen kannst, solltest du dich sofort bei deinem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Stelle melden. Oft musst du den Lehrgang dann nachholen. Einfach nicht hinzugehen, kann dagegen Probleme verursachen und im schlimmsten Fall deine Prüfungszulassung gefährden.

Was bedeutet die überbetriebliche Ausbildung für dich?

Betrieb, Berufsschule und überbetriebliche Ausbildung haben unterschiedliche Aufgaben. Im Betrieb lernst du den Arbeitsalltag kennen, in der Berufsschule geht es um Theorie und Grundlagenwissen. In der überbetrieblichen Ausbildung übst du zusätzliche praktische Inhalte, die dein Betrieb nicht vollständig abdecken kann.

Für dich bedeutet das: Du bekommst eine breitere Ausbildung und lernst auch Techniken, Abläufe oder Maschinen kennen, die in deinem Betrieb vielleicht nicht täglich vorkommen. Gerade in kleineren Unternehmen ist das von Vorteil, weil du trotzdem gut auf deinen Beruf und deine Prüfung vorbereitet wirst.

Fazit: Die überbetriebliche Ausbildung ergänzt deinen Betrieb

Die überbetriebliche Ausbildung sorgt dafür, dass du alle wichtigen praktischen Inhalte deines Berufs lernst, auch dann, wenn dein Ausbildungsbetrieb nicht alles selbst abdecken kann. Besonders im Handwerk ist sie deshalb ein wichtiger Teil der Ausbildung. Für dich bedeutet das: Du sammelst zusätzliche Praxiserfahrung, wirst für die Lehrgänge freigestellt und bekommst deine Ausbildungsvergütung in der Regel weiter. So bist du am Ende besser auf deinen Beruf und deine Prüfung vorbereitet.