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Medizinstudium – Was tun, wenn der Numerus clausus zu hoch ist?

Wenn du Medizin studieren willst, begegnest du schnell dem Begriff Numerus Clausus (NC). Damit ist die Note gemeint, mit der zuletzt jemand einen Studienplatz bekommen hat. Sie variiert je nach Semester und Hochschule. Aber: Die Abiturnote ist nicht alles. Welche Wege ins Medizinstudium führen, erfährst du hier.

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Numerus Clausus im Medizinstudium: Wenn die Abiturnote nicht ganz reicht

Da stand sie, die 2 vor dem Komma. Was für viele ein guter Abischnitt ist, bedeutete für Marie zunächst eine Herausforderung. Denn die heute 22-Jährige hatte sich fest vorgenommen, Ärztin zu werden. Doch wer in Deutschland einen Studienplatz fürs Medizinstudium ergattern will, braucht in der Regel eine sehr gute Abiturnote. Der aktuelle Numerus Clausus für Medizin liegt je nach Hochschule zwischen 1,0 und 1,1.

Als sie die Absage über Hochschulstart erhielt, war die Enttäuschung groß. Aufgeben kam für Marie trotzdem nicht infrage. Als sie sich genauer informierte, merkte Marie schnell: Das Auswahlverfahren funktioniert heute anders als früher. Wartesemester? Spielen keine Rolle mehr. Statt jahrelang zu warten, wird der Studienplatz inzwischen über drei Wege vergeben.

Ein Teil der Plätze geht an die Abiturbesten. Ein kleinerer Anteil wird über die sogenannte Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) vergeben – ganz ohne Blick auf die Abiturnote. Und den größten Teil vergeben die Hochschulen selbst im Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH). Marie las sich die Kriterien ihrer Wunschuniversitäten durch. Dort zählten plötzlich Dinge, die ihr Hoffnung machten: ein gutes Ergebnis im Medizinertest, eine abgeschlossene Ausbildung, praktische Erfahrung im Krankenhaus. Ihre 2,x war also nicht das Ende.

Medizinnahe Ausbildung statt Numerus clausus

Statt in Frust zu versinken, traf Marie* eine Entscheidung. Wenn sie schon nicht direkt ins Studium starten konnte, wollte sie zumindest nah dranbleiben. Sie begann eine Ausbildung zur Pflegefachfrau (früher: Gesundheits- und Krankenpflegerin).

Schon nach den ersten Wochen merkte sie, dass es die richtige Wahl war. Anatomie war plötzlich nicht mehr nur Theorie, sondern Teil ihres Arbeitsalltags. Sie begleitete Visiten, bereitete Untersuchungen vor, sprach mit Patient:innen und übernahm Verantwortung im Team. Mit jedem Dienst wuchs ihr Verständnis für den Klinikbetrieb und den Beruf, den sie später einmal ausüben wollte: „Ich habe gemerkt, dass ich hier genau richtig bin“, sagt sie. „Nicht nur wegen des Studiums, sondern weil ich wirklich mit Menschen arbeiten will.“

(*Marie heißt eigentlich anders. Hier will sie jedoch anonym bleiben, um ihre Chancen auf eine Übernahme als Pflegerin in ihrem Krankenhaus nach der Ausbildung nicht zu gefährden, für den Fall, dass es mit dem Studienplatz noch etwas dauert.)

Im Ausland Medizin studieren ohne NC

Während Marie ihre Ausbildung begann, ließ sie eine Frage nicht los: Was, wenn der Weg ins Medizinstudium nicht zwingend über Deutschland führen muss?

Bei ihrer Recherche stieß sie schnell auf alternative Studienmöglichkeiten im Ausland. In Österreich zum Beispiel gibt es keinen klassischen NC für Medizin. Stattdessen entscheidet dort der standardisierte Medizinische Aufnahmetest (MedAT) über die Vergabe der Studienplätze. Für Bewerber:innen aus anderen EU-Ländern ist ein fester Anteil der Plätze vorgesehen. Nicht die Abiturnote allein zählt, sondern auch das Testergebnis.

Ähnlich verhält es sich in Polen, wie die ehemalige Medizinstudentin Julia Markowski berichtet. Sie packte 2006 ihre Koffer und begann ein Medizinstudium ohne NC in Danzig. „Statt dem Abischnitt zählen hier die Ergebnisse aus einem Zulassungstest“, erklärt die 26-Jährige. Wie an vielen Universitäten in Mittel- und Osteuropa kannst du in Danzig Medizin ohne Numerus clausus auf Englisch studieren. Einige Hochschulen, zum Beispiel die Semmelweis Universität in Budapest, bieten sogar deutschsprachige Programme an.

Die Zulassungskriterien variieren, zudem fallen vielerorts hohe Studiengebühren an. „Dafür sind die Lebenshaltungskosten deutlich geringer als in Deutschland“, erzählt Julia, die übrigens ein „Auslandssemester“ in Düsseldorf verbracht hat. „In Deutschland gibt es mehr Vorlesungen, in Polen ist das Studium dagegen recht verschult, und man lernt in kleinen Gruppen“, fasst sie ihre Erfahrungen aus beiden Ländern zusammen.

Medizinstudium ohne NC dank Medizinertest

An vielen Universitäten kannst du deine Chancen auf einen Studienplatz in Medizin durch ein gutes Ergebnis beim Medizinertest (TMS) verbessern. Auf diese Weise können zukünftige Medizinstudierende auch ohne Numerus clausus einen Studiengang ergattern. Allerdings solltest du dich schon vorher mit dem Aufbau des TMS und der Art der Aufgaben vertraut machen. Der TMS prüft vor allem kognitive Fähigkeiten wie Merkfähigkeit, logisches Denken und Textverständnis – weniger auswendig gelerntes Wissen.

Medizinstudium bei der Bundeswehr: Eine besondere Verpflichtung

An einigen Hochschulen in Deutschland steht ein gewisses Kontingent an Medizinstudienplätzen für Sanitätsoffizieranwärter:innen der Bundeswehr bereit. Sie verpflichten sich, mindestens 17 Jahre zu dienen, und durchlaufen neben dem Studium auch eine militärische Ausbildung zum/zur Offizier:in.

Wer sich bewirbt, muss sich einem mehrstufigen Auswahlverfahren stellen, in dem die charakterliche, körperliche und geistige Eignung überprüft wird. „Es zählt der ganze Eindruck des Bewerbers“, erklärt Oberleutnant Marcel Loser, Leiter der Bundeswehr-Karriereberatung Köln, „allein am Abischnitt lassen sich die Chancen auf einen Studienplatz nicht festmachen.“

Nach dem Medizinstudium kannst du als Stabsarzt oder Stabsärztin beispielsweise in Bundeswehrkrankenhäusern arbeiten. Auch Auslandseinsätze gehören dazu.

Arztassistent:in werden: Eine echte Alternative

In Deutschland gibt es auch den Physician Assistant (umgangssprachlich: Arztassistent:in). Seit 2010 kannst du etwa an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ein entsprechendes Studium absolvieren. Dieses richtet sich an Personen mit bereits abgeschlossener Ausbildung im Gesundheits- oder Pflegebereich und vermittelt neben einer akademischen Vertiefung von medizinischen Grundlagenfächern wie Anatomie oder Physiologie auch organisatorische und unterstützende medizinische Kompetenzen.„Physician Assistants unterstützen das ärztliche Team mit ihren speziellen Kompetenzen und Fähigkeiten“, erklärt Studiengangsleiter Prof. Marcus Hoffmann von der DHBW. „Sie übernehmen zum Beispiel gemeinsam mit dem Facharzt das Stationsmanagement, können kleinere Eingriffe wie das Versorgen einer Platzwunde durchführen und assistieren bei Operationen.“

Um dieses Medizinstudium ohne NC beginnen zu können, ist in der Regel ein Kooperations- oder Ausbildungsvertrag mit einer Partnerklinik erforderlich, in der der praktische Teil der Ausbildung stattfindet. Auch die Mathias Hochschule Rheine bietet ein Studium zum Physician Assistant an.

Medizin studieren: Mehr Wege als nur der Numerus clausus

Eins steht also fest: Auch mit einem Zweier-Abitur musst du deinen Traum, irgendwann als Arzt oder Ärztin zu arbeiten, nicht direkt begraben. Auch wenn der NC im Fach Medizin weiterhin eine wichtige Rolle spielt und frühere Wartesemester inzwischen abgeschafft wurden, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, trotzdem ins Medizinstudium zu starten oder im medizinischen Bereich tätig zu werden.

Auf einen baldigen Studienplatz hofft nun auch Marie, die sich am Ende der Pflegeausbildung in ihrem Berufswunsch bestätigt fühlt. Selbst die Fachrichtung, in die sie später gehen will, kennt sie schon: „Die Neurotraumatologie fasziniert mich am meisten“, schwärmt sie.

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