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Experten für zwei Welten

Wirtschaftsingenieure - Studium und Karrierechancen

Wirtschaftsingenieure kennen sich mit Technik und mit Wirtschaft aus. Das Studium ist hart, aber wer sich durchbeißt, hat beste Karrierechancen.

Wirtschaftsingenieure sind die Vermittler, wenn in Unternehmen Fachchinesisch auf Fachchinesisch trifft: Taktzeitdiagramm gegen Deckungsbeitrag. Biokatalyse gegen Zero Base Budgeting. Kompressionszündung gegen Relationship Marketing. Wenn Tüftler und Kaufleute gemeinsam an einem Projekt arbeiten, gehen die Vorstellungen manchmal weit auseinander. Für Unternehmen liegt hier eine Gefahr: Wer Erfolg haben will, muss innovativ sein und Qualität bieten – und gleichzeitig günstige Preise. Das klappt nur, wenn auf dem Weg von der ersten Idee bis zum Endprodukt alle Abteilungen an einem Strang ziehen. Immer mehr Unternehmen setzen daher verstärkt auf Wirtschaftsingenieure, denn diese kennen sich sowohl mit Technik als auch mit wirtschaftlichen Fragestellungen aus. Dadurch können sie fächerübergreifend vermitteln und in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden, von Entwicklung und Produktion bis zu Logistik und Marketing.

Diese Vielseitigkeit war für Torben Karrock der Grund, an der Universität Kiel ein Wirtschaftsingenieurstudium zu beginnen. Der 25-Jährige hatte sich bereits in der Schule für Physik und Mathematik begeistert und wollte auch im Studium nicht darauf verzichten. "Das reine Elektrotechnikstudium war mir aber zu wenig. Neben der Technik liebe ich auch das Organisieren und Koordinieren von Projekten" sagt Torben. Sein Studium deckt beide Bereiche ab: In den ersten Semestern standen vor allem Mathematik, Elektrotechnik, Physik, Materialwissenschaft und Statistik auf dem Lehrplan. Später kamen dann Wirtschaftsfächer wie Buchführung, Marketing, Ökonomische Theorie, General-Management und Logistik hinzu.

 

Als Wirtschaftsingenieur den A380 optimieren

 

Ergänzt werden die Vorlesungen in Technik und BWL durch Praxisphasen in Unternehmen. "Durch die Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Master konnte in vielen Fällen der Praxisbezug erhöht werden", erklärt Helmut Baumgarten, Professor für Logistik an der TU Berlin und einer der Autoren der Studie "Berufsbild Wirtschaftsingenieurwesen 2011".

Auch Torben Karrock hat bereits Einblicke in die Arbeitswelt erhalten. Sein letztes Praktikum hat er beim Flugzeugbauer Airbus absolviert: "Ich habe daran mitgearbeitet, die Produktionsschritte vom A380 zu optimieren und die einzelnen Abteilungen besser zu vernetzen. Seitdem weiß ich umso mehr, dass ich mich für den richtigen Beruf entschieden habe." Und auch für junge Frauen ist das facettenreiche Studium attraktiv. Laut der Studie ist kein anderes Ingenieurstudium bei angehenden Akademikerinnen so beliebt, sagt Baumgarten. Unter Frauen rangiert Wirtschaftsingenieurwesen immerhin auf Rang 17 der beliebtesten Studiengänge. Allerdings verlangt das Studium den Studenten einiges ab, und viele unterschätzen die Anforderungen. "Von 180 Anfängern haben sich bei uns gerade mal noch 60 zu den Prüfungen am Ende des zweiten Semesters angemeldet. Bestanden haben davon im ersten Anlauf nur 25", berichtet Torben, der in diesem Jahr sein Diplom machen will.

 

Wirtschaftsingenieure winken Jobgarantie und hohe Gehälter

 

Wer sich durchkämpft und einen guten Abschluss hinlegt, hat dafür beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Schätzungen gehen von einer Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent aus. Dies kann als Vollbeschäftigung interpretiert werden", sagt Experte Baumgarten. Und auch das Einkommen eines Wirtschaftsingenieurs kann sich sehen lassen: Das durchschnittliche Einstiegsgehalt liegt, je nach Abschluss, zwischen 36.000 und 42.000 Euro jährlich. Nach drei bis sechs Jahren im Beruf steigt das Jahresgehalt auf durchschnittlich 65.000 Euro, nach zehn bis 15 Jahren sogar auf 80.000 Euro.

Im Gegenzug müssen sich Wirtschaftsingenieure auf lange Arbeitstage einstellen. "Viele der von uns befragten Wirtschaftsingenieure arbeiten in einer leitenden Funktion, als Gruppen-, Abteilungs- oder sogar Geschäftsleitung", sagt Helmut Baumgarten. Tage mit geregelten Arbeitszeiten seien da die Ausnahme. Diese Erfahrung hat auch Torben schon gemacht: "Bereits in meinem Praktikum habe ich Überstunden geleistet, und mein Chef, selbst Wirtschaftsingenieur, war immer bis spät abends im Büro." Trotzdem freut er sich darauf, in diesem Jahr endlich in den ersten Job zu starten: "Wenn ich etwas mit Leidenschaft mache, macht mir viel Arbeit nichts aus."