Merken

Studieren ohne Abitur

Der Weg an die Uni führt nicht zwangsläufig über die Allgemeine Hochschulreife. Wer die Schule mit Mittlerer Reife verlassen hat, kann ein Studium ohne Abitur in Angriff nehmen – vorausgesetzt, er verfügt über ausreichend Berufserfahrung.

Mit dem Abitur steht einem in Deutschland der Weg ins Studium offen. Doch auch wer nicht bis zum Abi durchgehalten hat, braucht den Traum vom Studieren nicht gleich zu begraben –  man kann auch ohne Abitur studieren. Denn die Hochschulen öffnen sich heute verstärkt Menschen ohne die Allgemeine Hochschulreife. 

Mit Fachhochschulreife studieren

Die gängigste Alternative ist dabei die Fachhochschulreife, die aus einem schulischen und einem praktischen Teil besteht. Den schulischen Teil der Fachhochschulreife erwirbt man normalerweise nach erfolgreichem Bestehen der 12. Klasse (G8: nach dem ersten Jahr der Qualifikationsphase) einer höheren Schule. Um danach studieren zu können, muss man aber noch den berufsbezogenen Teil absolvieren. Die Bundesländer fordern hier zumindest ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum, wenn nicht gar eine abgeschlossene Berufsausbildung. Mit der Fachhochschulreife kann man, wie der Name schon sagt, an allen Fachhochschulen studieren. Auch einige Universitäten bieten Schülern mit Fachhochschulreife in einigen Studiengängen die Möglichkeit der Einschreibung – vorausgesetzt ist in der Regel eine Prüfung der fachlichen Eignung und der Allgemeinbildung.

Studium für Berufspraktiker

Seit ein paar Jahren gelangen aber auch immer mehr junge Menschen über Umwege an die Hochschulen, die die Schule mit Mittlerer Reife oder Hauptschulabschluss verlassen haben. Von den Studienanfängern ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung entscheiden sich immerhin 36 Prozent für eine Universität. Circa 63 Prozent schreiben sich an einer Fachhochschule ein. Eine generelle Voraussetzung für alle Hochschulen: Die Bewerber müssen ausreichend Berufserfahrung gesammelt haben. Im März 2009 haben sich die Bundesländer hier auf einheitliche Standards geeinigt:

  • Bewerber mit erfolgreich abgeschlossener mindestens zweijähriger Berufsausbildung und anerkanntem Fortbildungsabschluss (z.B. Handwerksmeister, Techniker oder Fachwirte) erhalten die Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Das heißt, sie können prinzipiell an jeder beliebigen Hochschule, egal ob Uni oder Fachhochschule, jedes beliebige Fach studieren –  ohne Abitur.
  • Bewerber mit Berufsausbildung, aber ohne Fortbildungsabschluss benötigen mindestens drei Jahre Berufspraxis, um die Hochschulzugangsberechtigung zu bekommen. Danach stehen ihnen allerdings nur Studiengänge offen, die zu ihrer beruflichen Vorbildung passen.

Über diese allgemeinen Kriterien hinaus sind je nach Bundesland manchmal weitere Kriterien für die Zulassung zum Studium ohne Abitur zu erfüllen. Vorausgesetzt werden zum Beispiel ein Mindestalter, Mindestnoten beim Berufsabschluss oder der Hauptwohnsitz im jeweiligen Bundesland. Andernorts müssen berufserfahrene Bewerber für die endgültige Zulassung vor Studienbeginn ihre fachliche Eignung in einer schriftlichen und/oder mündlichen Prüfung an der Hochschule nachweisen. Alternativ ist auch ein einjähriges Probestudium möglich, nach dessen Ende entschieden wird, ob der Bewerber fortfahren darf. 

Die genauen Regelungen für den Zugang zum Studium ohne Abitur kann man an den Hochschulen oder beim Kultus- bzw. Wissenschaftsministerium des jeweiligen Bundeslandes erfragen. Außerdem bietet der Online-Studienführer Studieren ohne Abitur eine gute Übersicht über die Zugangsvoraussetzungen der einzelnen Hochschulen und über besonders beliebte Hochschulen und Studiengänge.