Merken
Und täglich grüßt der Bücherberg

FAQ zum Jura-Studium

Wer Jura studieren möchte, sollte genau wissen, was auf ihn im Studium zukommt: Mord, Totschlag, viel Paukerei und schwere Prüfungen.

Jura, Jura-Studium, Jura studieren, Rechtswissenschaft studieren

Wenn Martin Krings morgens die Augen aufmacht, weiß er genau, dass er sie so schnell nicht wieder zumachen darf. "Als Jura-Student hat man eigentlich immer einen langen Tag vor sich, oder besser gesagt: Man sollte immer einen langen Tag vor sich haben", sagt Martin, "denn bis zum Staatsexamen muss man ein heftiges Pensum bewältigen." Wenn nicht gerade eine Vorlesung ansteht, versucht er deswegen, schon früh in der juristischen Bibliothek der Uni Köln zu sein. Bereits um 9 Uhr muss der 25-Jährige, der im dritten Semester Jura studiert, lange suchen, bis er endlich einen freien Platz findet. "Zu Beginn des Studiums fühlte ich mich fast ein wenig erschlagen von den vielen Büchern – und von der Stille." Wer aus dem Flüsterton ausbricht, erntet gleich böse Blicke. "Man muss sich erst mal an die Atmosphäre gewöhnen, aber es gibt einfach keinen anderen Ort, wo man sich so gut konzentrieren kann wie hier", sagt Martin. Und Konzentration ist extrem wichtig, denn nach wie vor gehört Jura zu den Studienfächern mit den höchsten Durchfallquoten. Um den Herausforderungen auch körperlich gewachsen zu sein, betreibt der Kölner, der bereits einen Bachelor in Geschichte und Philosophie gemacht hat, in seiner Freizeit die chinesische Kampfkunst Kung Fu.

 

Schüsse im Hörsaal

A will B aus Eifersucht erschießen, verfehlt diesen aber und trifft C tödlich, der seinerseits gerade D erschießen wollte. Wie hat sich A strafbar gemacht?
Anhand solcher Fälle lernen Jurastudenten die Anwendung des Rechts. Und das immer mithilfe der Gesetzessammlungen, womit das Vorurteil, Jura sei ein reines Auswendiglernen von Paragraphen und daher staubtrocken, schnell entkräftet wäre. "Allerdings ist es eine Sache, die dicken Wälzer zur Verfügung zu haben, eine ganz andere aber, die richtigen Vorschriften zu finden", sagt Martin. "Und hat man sie dann gefunden, geht die Arbeit erst richtig los." Getreu dem Spruch "Jura fängt da an, wo der Gesetzestext aufhört" gilt es, die Gesetzesvorschrift unter Berücksichtung von Gerichtsentscheidungen, Kommentaren, Lehrbüchern, Aufsätzen und Doktorarbeiten auszulegen. Entsprechend werden die rechtswissenschaftlichen Bibliotheken der Unis während der zahlreichen Hausarbeiten, die während des Studiums jeweils über mehrere Wochen bewältigt werden müssen, zum zweiten Zuhause für die angehenden Juristen.

"Mangelhaft" gehört einfach dazu

Das Jura-Studium dauert mindestens acht Semester und endet mit dem Ersten Staatsexamen. Der Weg dorthin ist für die meisten Studenten sehr steinig. "Wir sind schon in der Erstsemester-Begrüßungsrede auf schlechte Noten vorbereitet worden", sagt Martin. Einsen und Zweien kämen kaum vor, und auch die besseren Studenten würden ihr Studium selten beenden, ohne mal ein "Mangelhaft" kassiert zu haben. Dafür könne man sich auf ein "Voll befriedigend" so viel einbilden wie in der Schule auf ein "Sehr gut".

Mittlerweile gibt es von Bundesland zu Bundesland kaum noch Unterschiede im Aufbau des rechtswissenschaftlichen Studiums. In den drei Kerngebieten Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht muss jeder Student je einen Grundlagen- und einen Fortgeschrittenenschein erwerben. Notwendig sind dafür eine Klausur und eine Hausarbeit. Zudem muss eine Prüfung in einem frei wählbaren Schwerpunktbereich (beispielsweise Arbeitsrecht) bestanden werden.

Mathe als Eignungsindikator

Der schriftliche Teil des Ersten Staatsexamens besteht in der Regel aus sechs fünfstündigen Klausuren, die im Abstand von zwei Tagen geschrieben werden. Wer den Klausurenteil besteht, wird zur mündlichen Prüfung eingeladen. Das Erste juristische Staatsexamen gehört zu den schwierigsten Studienabschlüssen überhaupt. Nicht zuletzt, weil der gesamte Stoff – vom ersten bis zum achten Semester – abgefragt wird. So ist es denn auch üblich, dass sich Jura-Studenten ein bis zwei Jahre intensiv auf das Examen vorbereiten, und das mindestens acht Stunden täglich. Die meisten nehmen die Hilfe eines so genannten Repetitors in Anspruch, der ihnen den Examensstoff in der Regel für viel Geld einpaukt. Die Tatsache, dass Jura praktisch das einzige Fach ist, in dem die Studenten tief in die Tasche greifen, um sich privat für die Abschlussprüfung fit machen zu lassen, sagt einiges über den Schwierigkeitsgrad des Staatsexamens aus. Übrigens gehen neben den Juristen nur noch die Wirtschaftswissenschaftler zum Repetitor – damit sie ihre Jura-Scheine bestehen. "Ein Genie muss man sicher nicht sein, um ein gutes Jura-Examen zu machen, wichtig sind aber Disziplin und ein großes Durchhaltevermögen", sagt Martin. Und ohne logisches Denken geht gar nichts in der Juristerei, wer also in Mathe immer um einen Punkt kämpfen musste, sollte sich sehr genau überlegen, ob er mit dem passenden Fach liebäugelt.



Besteht man das Erste Staatsexamen nicht auf Anhieb, hat man grundsätzlich nur noch einen weiteren Versuch. Wer sich allerdings bis zum Ende des achten Semesters zur Prüfung anmeldet, wird für seine Schnelligkeit mit dem so genannten "Freischuss" belohnt. Das heißt, man bekommt einen Versuch geschenkt und hat damit insgesamt dreimal die Chance, das Examen zu bestehen.

Wer das Erste Staatsexamen in der Tasche hat, ist noch immer weit vom Tragen einer Robe entfernt. Denn zum Ausüben der klassischen juristischen Berufe, Richter, Staats- oder Rechtsanwalt muss man noch einen zweijährigen Referendardienst absolvieren, an dessen Ende wieder eine "Hammer"-Prüfung wartet: das Zweite Staatsexamen. Die Tage werden für Martin also noch lange nicht kürzer.

Bachelor weiterhin unerwünscht - Staatsexamen bleibt

Die Justizministerkonferenz hat sich zuletzt erneut gegen eine Umstellung der juristischen Ausbildung auf eine Bachelor-Master-Struktur ausgesprochen. Damit bleibt es beim Staatsexamen als Abschluss für die klassische Juristenausbildung.

Erfahrungsberichte von Jura-Studenten

Jonas, 26, studiert im 13. Semester Jura: "Ich dachte, Jura bietet mir ein breites Spektrum und gute Berufschancen. Ich weiß noch gar nicht, was genau ich später beruflich damit machen werde. Aber genau das war auch ein Grund für die Entscheidung: sich nicht von vornherein festlegen zu müssen. Anders als beispielsweise jemand, der auf Lehramt studiert, sondern einfach zu gucken, in welche Nischen man reinrutschen kann."

Per Kristian, 27, studiert im 15. Semester Jura: "Im Grundstudium, das ich in Marburg und Bonn gemacht habe, waren wir bis zu 800 Leute in den Vorlesungen. Das Hauptstudium hier in Köln ist etwas entspannter – in den Übungen sitzen selten mehr als 30 Leute. Den "Master of Law" sehe ich vor allem als gute Möglichkeit, noch mal ein Jahr ins Ausland zu gehen, bevor das Referendariat losgeht. Das wäre eine gute Gelegenheit, ein bisschen Spaß nachzuholen und sich gleichzeitig zu qualifizieren."

Jobs für Juristen – Eine Frage der Note

In kaum einem anderen Studienfach spielt die Abschluss-Note eine solch große Rolle wie bei Jura. Die rund 15 Prozent der Absolventen, die ein Prädikatsexamen erreichen, also mindestens mit der Note vollbefriedigend abschließen, können sich die Jobs anschließend praktisch aussuchen. In großen Anwaltskanzleien verdienen sie oft bereits im ersten Jahr 80.000 bis 100.000 Euro.  Wer hingegen mit „ausreichend“ abschließt, – und das sind immer noch die meisten Absolventen – muss auf dem Arbeitsmarkt hart kämpfen.