Die Bundeswehr bietet spannende Karrieremöglichkeiten und ist eine attraktive Option für junge Menschen, die nach einem herausfordernden und sinnstiftenden Beruf suchen. Wer Karriere bei der Bundeswehr machen will, sollte sich allerdings bewusst sein, dass eine Bundeswehr-Ausbildung auch Verpflichtungen mit sich bringt. Dazu gehören unter anderem längere Dienstzeiten sowie mögliche Auslandseinsätze.
„Für Abiturienten ist die Offizierslaufbahn der klassische Einstieg in die Bundeswehr-Karriere, und da gehört eigentlich immer ein Studium dazu“, sagt Wehrdienstberatungsoffizier Raphael Friedel. An den Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg können technische Fächer wie Luft- und Raumfahrttechnik, Maschinenbau, aber auch Medizin und Geistes- sowie Wirtschaftswissenschaften studiert werden.
Das Studium bei der Bundeswehr unterscheidet sich in einigen Punkten von einem zivilen Studium. Nach nur vier Jahren haben die Offiziersanwärter:innen den Master in der Tasche – eine gute Betreuung und straffe Organisation machen es möglich.
Auch finanziell hat das Vorteile. Während der Ausbildung oder des Studiums erhalten angehende Soldat:innen bei der Bundeswehr bereits ein Gehalt in Form einer Besoldung, sodass sie sich voll auf ihre Ausbildung konzentrieren können. Nebenjobs sind deshalb in der Regel nicht nötig. Zusätzlich stehen auf dem Campus Wohnungen zur Verfügung, in denen viele Offiziersanwärter:innen während ihres Studiums kostenlos wohnen können.
Das Studium bei der Bundeswehr ist sehr gefragt. Viele (Fach-)Abiturient:innen entscheiden sich jedoch auch für die Feldwebellaufbahn und absolvieren eine Ausbildung bei der Bundeswehr, für die sie sich mehrere Jahre verpflichten.
Auch hier ist die Auswahl groß: Industriemechaniker:in, Mediengestalter:in, Notfallsanitäter:in oder Physiotherapeut:in sind nur einige von mehr als 50 Ausbildungsberufen. Die Ausbildung bei der Bundeswehr ist staatlich anerkannt und wird – wie im zivilen Bereich – von der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer geprüft. Je nach Laufbahn und Ausbildungsmodell kann die Ausbildung teilweise schneller abgeschlossen werden als in der freien Wirtschaft. Gleichzeitig sammeln die Auszubildenden früh praktische Erfahrung.
Doch auch für die Techniker:innen, Kaufleute und Mediengestalter:innen bei der Bundeswehr gilt: Nach der Ausbildung arbeiten sie als Soldat:innen im militärischen Bereich. Die Tätigkeiten stehen deshalb in engem Zusammenhang mit dem späteren Einsatzgebiet. Mechatroniker:innen kümmern sich beispielsweise um die Instandhaltung von Militärfahrzeugen, während Mediengestalter:innen Inhalte für interne Medien oder Informationsangebote der Bundeswehr erstellen.
Der Arbeitsalltag besteht dabei größtenteils aus normalen beruflichen Aufgaben. Ein Teil der Zeit ist jedoch auch militärischen Übungen vorbehalten, etwa Schießtraining, Sport oder Märschen.
Auslandseinsätze gehören grundsätzlich zum Beruf von Soldat:innen. Wer sich für eine Laufbahn bei der Bundeswehr entscheidet, erklärt sich daher bereit, im Rahmen seiner Dienstzeit auch im Ausland eingesetzt zu werden. „Natürlich läuft man als Mediengestalter nicht Patrouille, aber man kann durchaus im Lager Schreibtischarbeiten erledigen“, erklärt Friedel das Prinzip. Grundsätzlich gilt: Wer Soldat:in ist, bleibt es unabhängig vom konkreten Beruf. Dabei sollten Bewerber:innen sich auch bewusst sein, dass Auslandseinsätze Risiken mit sich bringen können.
Auch immer mehr Frauen interessieren sich für eine Karriere bei der Bundeswehr: Mehr als 25.000 Soldatinnen leisten ihren Dienst. Sie fliegen Kampfflugzeuge, arbeiten in technischen Berufen oder übernehmen Führungspositionen als Offizierinnen und Kompaniechefinnen.
Trotzdem halten sich manchmal noch alte Klischees – etwa die Vorstellung, dass der Dienst bei der Bundeswehr vor allem „Männersache“ sei. In der Praxis zeigt sich natürlich, dass Kompetenz, Teamfähigkeit und Führungsstärke nichts mit dem Geschlecht zu tun haben.
Viele Soldatinnen übernehmen heute verantwortungsvolle Aufgaben und führen Einheiten mit zahlreichen Soldatinnen und Soldaten. Die Bundeswehr arbeitet deshalb auch aktiv daran, mehr Frauen für technische Berufe und Führungspositionen zu gewinnen.
Welche Voraussetzungen müssen Bewerber:innen mitbringen, um bei der Bundeswehr eine Ausbildung zu absolvieren?
Wichtig sind vor allem Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein, denn Soldat:innen arbeiten eng mit anderen Menschen zusammen. Besonders Offiziersanwärter:innen übernehmen schon früh Verantwortung und sind teilweise bereits nach wenigen Monaten an der Ausbildung anderer Soldat:innen beteiligt. Und wer die Doppelbelastung von fachlicher und militärischer Ausbildung hinbekommen will, muss leistungsfähig sein, auch körperlich.
Wenn du die nötigen Grundvoraussetzungen mitbringst, kannst du für die Offiziers- oder Feldwebellaufbahn bei der Bundeswehr eine Bewerbung einreichen, je nachdem, ob du studieren oder eine Ausbildung machen möchtest. Für beide Laufbahnen müssen die Bewerber:innen erst einmal einen Einstellungstest bestehen, der neben körperlichen Tests auch eine Art Assessment-Center vorsieht. Nach Gruppenübungen, Eignungstests und einem Intelligenztest kommst du auch noch auf die Couch. Das einstündige psychologische Gespräch stellt laut Wehrdienstberater Friedel die größte Hürde dar: „Da zählt die Persönlichkeit, und man muss ganz offen sagen, dass nicht jeder für eine Karriere bei der Bundeswehr geeignet ist!“
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