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17.02.2015  
Musik studieren

Bis dass der Ton euch scheidet

Übung macht den Meister – das gilt insbesondere für Musikstudenten. Wer es auf die Bühnen und in die Orchestergräben schaffen möchte, darf kein schlampiges Genie sein, sondern muss neben Talent auch einen eisernen Willen besitzen.

Musik studieren

Musik studieren: Der Traum vieler Absolventen ist
eine Stelle als Berufsmusiker – auch wenn das
keinen Reichtum verspricht. © stokkete – fotolia.com

Ob daheim unter der Dusche, unterwegs in der U-Bahn oder abends aus der Anlage: Musik begleitet uns im Alltag auf Schritt und Tritt. Dass man Musik nicht nur hören oder selbst spielen, sondern auch studieren kann, ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Und selbst diejenigen, die darüber Bescheid wissen, haben oft eine falsche Vorstellung von dem, was genau sich hinter einem Musikstudium verbirgt. Wer Popstar werden und die Charts stürmen will, hat an einer Musikhochschule nichts verloren. Hier geht es in erster Linie um die ernsthafte, langfristige Beschäftigung mit einem meist klassischen Instrument.

Die Vielfalt der Studiengänge, die sich unter den Oberbegriff „Musikstudium“ fassen lassen, ist beachtlich: Angeboten werden sowohl rein künstlerische als auch technische, wirtschaftliche und pädagogisch ausgerichtete Studiengänge. Die Bandbreite reicht vom Studium einzelner Instrumente (Klavier, Violine, Trompete, Gitarre, usw.) oder des Gesangs über Musik auf Lehramt und Musik-Management bis hin zu Studiengängen wie Kirchenmusik oder Operngesang, die auf konkrete Berufsfelder vorbereiten. In den letzten Jahren sind zudem vermehrt modernere, auf zeitgenössische Genres spezialisierte Ausrichtungen  des Musikstudiums aufgekommen, die das vormals ausschließlich auf klassische Musik beschränkte Angebot ergänzen: In Jazz-, Pop- oder Rock-Studiengängen stehen so auch Instrumente wie Schlagzeug, Keyboard oder E-Gitarre im Fokus.

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Das Studium

Musik kann man in Deutschland sowohl an speziellen Musikhochschulen und Konservatorien als auch an den traditionellen Universitäten und Fachhochschulen studieren. Die künstlerische Ausbildung findet in der Regel an den Musikhochschulen statt, theoretisch ausgerichtete Studiengänge zumeist an Unis und FHs.

Für sämtliche Studiengänge gilt: An der musikpraktischen Ausbildung führt kein Weg vorbei, denn niemand kann Musik studieren, ohne sie selber spielen zu können. Als Musikstudent verbringst du somit viel Zeit mit mindestens einem Instrument. Viele Musikstudiengänge erfordern sogar die Beherrschung von gleich zwei Instrumenten oder alternativ einem Instrument plus Gesang.

Die künstlerische Ausbildung in Fächern wie Solo- und Ensemblespiel, Rhythmik oder Percussion erfolgt naturgemäß im Einzelunterricht oder in Kleingruppen. Doch ein Musikstudium besteht nicht nur aus praktischen Einheiten: Wer Musik studiert, nimmt das Instrument auch mal aus der Hand und widmet sich der Wissenschaft. Musiktheoretische Fächer wie Gehörbildung, Tonsatz, Harmonielehre, Musikgeschichte oder Musikpädagogik ergänzen die Praxisausbildung, angehende Musiklehrer eignen sich zudem musikdidaktische Grundlagen zur Vermittlung ihres Wissens an.

Das solltest du mitbringen

Ohne umfangreiche Vorkenntnisse und nicht zuletzt das nötig musikalische Talent bleibt der Weg zum Musikstudium versperrt. Ein großer Erfahrungsschatz ist unerlässlich, denn ein Musikstudium baut auf den Kenntnissen auf, die man sich zuvor in jahre- bis jahrzehntelanger Übung und regelmäßigem Unterricht angeeignet hat. Spätestens bei der obligatorischen Aufnahmeprüfung, die in sämtlichen Musikstudiengängen über die Vergabe der begehrten Studienplätze entscheidet, trennt sich die Spreu vom Weizen. Anders als in vielen anderen Fachrichtungen ist im Musikstudium eine intensive Betreuung jedes einzelnen Studenten nicht nur wünschenswert, sondern notwendig. Da die Hochschulen daher nur wenige Studienplätze zur Verfügung stellen können, haben es die Aufnahmeprüfungen in sich. Wer Musik studieren möchte, muss nicht nur gut sein, sondern besser als die zahlreichen Mitbewerber, gegen die es sich im Auswahlverfahren durchzusetzen gilt.

Im praktischen Teil der Aufnahmeprüfung tragen die Bewerber zunächst Stücke aus verschiedenen Stilepochen vor. Anschließend müssen die Prüflinge auch ihr theoretisches Vorwissen beweisen und beispielsweise Intervalle erkennen, Akkorde auflösen oder Melodien diktieren. Um im theoretischen Teil der Prüfung zu bestehen, ist eine gewissenhafte Vorbereitung vonnöten, denn die allgemeine schulmusikalische Bildung reicht hier längst nicht aus. Schon auf dem Weg zum Studienplatz wird so eine Grundvoraussetzung für alle Musikstudenten deutlich: Ohne Fleiß kein Preis. Ein Musikstudium ist lernintensiv und erfordert echtes Herzblut. Wer Musik studieren möchte, muss nicht nur Talent besitzen, sondern auch willens sein, stetig am Handwerk zu feilen und die gleichen Stücke hartnäckig zu wiederholen, bis sie perfekt sitzen.

Und wie sieht es in Sachen formaler Schulbildung aus? Unterschiedlich: Viele Hochschulen verlangen als Zulassungsvoraussetzung das Abitur, andere geben auch Bewerbern ohne Hochschulreife die Chance, beim Vorspielen ihr Talent unter Beweis zu stellen. Eindeutig ist die Lage hingegen beim Lehramtsstudium: Hier wird das Abitur zwingend vorausgesetzt.

…und nach dem Abschluss?

Musik ist zwar nicht zwangsläufig eine brotlose Kunst, reich wird man als Berufsmusiker aber dennoch nur in den seltensten Fällen. Nicht jeder Musikstudent schlägt nach dem Abschluss eine künstlerische Laufbahn als professioneller Berufsmusiker ein und bereist Konzertsäle und Bühnen auf der ganzen Welt, denn passende Stellen in Orchestern, Chören, an Opernhäusern oder Theatern gibt es nicht im Übermaß. Eine Alternative ist es, das erworbene Wissen an andere weiterzugeben und zu unterrichten – als Musiklehrer an privaten oder städtischen Musikschulen, selbstständig als Privatlehrer oder auch als Dozent an Berufsfachschulen, Fachakademien oder Hochschulen. Technikspezialisten widmen sich nach dem Abschluss oft der Studioarbeit, beispielsweise als Toningenieur, Produzent oder Sounddesigner. Und wer sich im Studium überwiegend mit der wirtschaftlichen Seite der Musikbranche beschäftigt hat, zieht nach dem Abschluss im Hintergrund die Strippen – als Musikmanager, Konzertveranstalter oder in der Marketing- oder Vertriebsabteilung von Plattenlabels.

Schlagworte:
 
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