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28. September 2017  

Medizin studieren

Numerus clausus beim Studium der Humanmedizin

Ist das Vergabeverfahren von Studienplätzen für das Fach Humanmedizin verfassungswidrig? Über die Frage wird das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe am 04. Oktober entscheiden.

Wer Medizin studieren möchte, braucht Top-Noten oder Geduld. Im Schnitt bewerben sich fünf Personen auf einen der 10.803 Studienplätze, die jährlich an 34 staatlichen und drei privaten Hochschulen angeboten werden. Allein zum Wintersemester 2017/2018 gab es laut Hochschulstart für die 9.176 angebotenen Studienplätze 43.184 Bewerber. Medizin gehört zu den wenigen Fächern, bei denen die Studienplätze zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung und nach folgenden Kriterien vergeben werden. 

Für einige besondere Konstellationen sind Vorabquoten vorgesehen. Bis zu 12,4 Prozent der Studienplätze werden an gleichgestellte Ausländer (max. 5 Prozent), Härtefälle (2 Prozent), Zweitstudienbewerber (3 Prozent), Bewerber mit besonderer Hochschulzugangsberechtigung (0,2 Prozent) und Sanitätsoffiziere der Bundeswehr (2,2 Prozent) vergeben. Je nach Studienort werden je 20 Prozent der restlichen Plätze an die „Abiturbesten“ vergeben. Die Abiturienten konkurrieren dabei nur mit den Abiturbesten aus demselben Bundesland. Nach Abzug der Vorabquote werden 20 Prozent der Studienplätze an Bewerber mit der längsten Wartezeit vergeben. Als Wartezeit gilt die Zeit nach dem Abitur, in der nicht studiert wurde.

Die Vergabe erfolgt sowohl bei der Abiturbestenquote als auch bei der Wartezeitquote zentral durch die Stiftung für Hochschulzulassung. Die übrigen 60 Prozent der Plätze (ohne Vorabquote) werden in einem Auswahlverfahren der Hochschule vergeben. Dabei können die Hochschulen die Plätze innerhalb gewisser Vorgaben nach frei wählbaren und kombinierbaren Kriterien vergeben. Die Abiturnote muss dabei an allen Hochschulen ein maßgebliches Kriterium sein und gilt an drei Hochschulen als einziges. Die Mehrheit der 34 Hochschulen berücksichtigte bei der Auswahl zum Wintersemester 2017/2018 die Ortspräferenz für die Vorauswahl, einen fachspezifischen Studierfähigkeitstest und eine bereits absolvierte Berufsausbildung. Einige Hochschulen führen Auswahlgespräche und berücksichtigen Einzelfachnoten oder andere Kriterien wie ein Freiwilliges Soziales Jahr. Am 4. Oktober soll das Bundesverfassungsgericht darüber entscheiden, ob die bisherige Praxis verfassungskonform ist.

Aufgrund der stark angestiegenen Zahl von Studienplatzbewerbern im Fach Humanmedizin bei kaum gestiegener Zahl der verfügbaren Studienplätze hat sich der Mangel an Kapazitäten verschärft. Während zum Wintersemester 1994/95 noch 7.366 Studienplätze für 15.753 Bewerber verfügbar waren, standen zum Wintersemester 2014/15 nur noch 9.001 Studienplätze für 42.999 Bewerber zur Verfügung. Der Grenzwert für die Abiturbestenquote lag für das Wintersemester 17/18 in 14 Bundesländern bei 1,0. Für die Zulassung über die Wartezeitquote benötigte man in diesem Jahr 14 Wartesemester.

Laut einer Studienabbruchstudie des DZHW lagen die Abbruchquoten in den vergangenen Jahren in der Medizin zwischen fünf und zehn Prozent. Der Medizinreport des DZHW zeigt aber, dass es sich lohnt, dran zu bleiben, wenn man einen der begehrten Studienplätze bekommen hat. Nahezu 100 Prozent aller Absolventen haben ein Jahr nach dem Studium einen Job. Laut Statistischem Bundesamt sind die Studienplätze in der Humanmedizin im Fächervergleich die teuersten. Knapp 33.000 Euro kostet ein Medizinstudent seine Uni jedes Jahr. 

Gegen das Vergabeverfahren wurde bereits mehrfach geklagt. Das vorlegende Verwaltungsgericht Gelsenkirchen kritisiert den Verzicht auf sogenannte Landesquoten. Diese Maßnahme führe angesichts der fehlenden bundesländerübergreifenden Vergleichbarkeit der Abiturnoten zu einer Verletzung des Teilhaberechts der Studienplatzbewerber, das aus der Berufsfreiheit und dem allgemeinen Gleichheitssatz hergeleitet wird. Neben der Wartezeitquote wird auch die Überbetonung der Abiturnote aufgrund ihres hohen Stellwerts in der Abiturbestenquote und im Auswahlverfahren der Hochschule kritisiert. Infolgedessen wird vielen potenzielle Bewerber trotz weiterer Kriterien (bspw. Auswahlgespräche, FSJ etc.) die Zulassungschance verwehrt. 

Der im März 2017 vom Wissenschafts- und Gesundheitsministerium verabschiedete Masterplan Medizinstudium 2020 sieht vor, dass bei der Auswahl der Studierenden künftig neben der Abiturnote mindestens zwei weitere Kriterien berücksichtig werden sollen. Dazu gehören neben sozialen und kommunikativen Fähigkeiten die Leistungsbereitschaft und eine Ausbildung/Tätigkeit in medizinischen Berufen sowie Studierfähigkeitstest und Auswahlgespräche. Zudem wird die Möglichkeit einer Vorabquote von 10 Prozent für Studienplatzbewerber diskutiert, die sich verpflichten, später als Landarzt zu arbeiten. 

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