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20. Dezember 2017  

Hochschul-Bildungs-Report

Informatiklehrer und Datenspezialisten gesucht

Fehlende Datenspezialisten sowie ein Mangel an Informatiklehrern und Studienplätzen sind die Ergebnisse einer Studie von Stifterverband und McKinsey.

Die Zwischenbilanz des Hochschul-Bildungs-Reports zeigt, dass das deutsche Hochschulsystem in den vergangen Jahren zwar internationaler, flexibler und durchlässiger geworden ist, der Wandel zu einem digitalen, flexiblen und optimal berufsvorbereitenden System aber noch nicht gelungen ist, wie Volker Meyer-Guckel, der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes bestätigt: „Unser Hochschulbildungssystem bewegt sich grundsätzlich in die richtige Richtung, aber nicht schnell genug.“ Vor allem die Lehrer-Bildung bereitet Sorgen – immer weniger männliche Grundschullehramtsanfänger und MINT-Studienanfänger im Lehramt, zudem eine schlechte Beurteilung der Berufs- und Praxisbezogenheit der Lehrveranstaltungen. 

Zwar hat sich die Chancengerechtigkeit des deutschen Hochschulsystems in den vergangenen Jahren verbessert, dies aber nur sehr langsam. Meyer-Guckel stellt fest, dass im Vergleich zu Akademikerkindern nur lediglich halb so viele Nichtakademikerkinder eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben und die soziale Selektion auch danach nicht aufhört. Während knapp die Hälfte aller Akademikerkinder noch einen Master draufsetzt, sind es bei den Nichtakademikerkindern gerade einmal acht Prozent. Danach promoviert immerhin noch jedes zehnte studierte Akademikerkind, aber nur noch jedes 100. Nichtakademikerkind. Um die Chancengleichheit zu verbessern und diesem Trend entgegenzuwirken, ist nach Ansicht von Stifterverband und McKinsey unter anderem ein stärker an der Diversität der Studierenden und unterschiedlichen Studienformen orientiertes BAföG sinnvoll.

Auf dem Arbeitsmarkt fehlen vor allem Datenspezialisten und Lehrer für die sogenannten MINT-Fächer. „Die Anzahl der Studienanfänger in den MINT-Fächern ist außer in den Lehramtsstudiengängen zwar gestiegen, es mangelt aber weiter an Informatik-Studierenden und MINT-Studentinnen“, stellt McKinsey-Seniorpartner Jürgen Schröder fest und betont, dass der Mangel an Fachkräften ein deutlicher Wettbewerbsnachteil für Unternehmen ist. Durch die Einrichtung von Data-Science-Education-Programmen für Bachelorstudiengänge an Hochschulen, sollen Studierenden aller Fächer grundlegende Datenanalysefähigkeiten vermittelt werden. Zudem sollten Hochschulen und Unternehmen bei der Vermittlung von Datenanalysekompetenzen gezielter kooperieren. Eine Möglichkeit wären Hackathons. 

Vom Mangel an Informatikstudierenden sind auch die Schulen betroffen. Der Anteil der Lehramtsstudierenden, die Informatik als erstes, zweites oder drittes Studienfach wählen, beträgt derzeit nur 1,6 Prozent. Schröder mahnt, dass für die Einführung eines Wahlfaches Informatik und Programmieren in Sekundarstufe I und II zusätzlich 4000 Informatiklehrer nötig wären, für die Einführung eines Pflichtfaches Informatik von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II nach britischem Modell sogar rund 24.000. Ein Bund-Länder-Pakt zur Informatiklehrerausbildung könnte Abhilfe schaffen. Dieser sieht vor, dass Hochschulen, die Informatik bereits als Lehramtsstudiengang anbieten, eine einmalige Kapazitätserhöhung erhalten. Im Gegenzug sollen die Länder den Informatikunterricht ausweiten und mehr Informatiklehrer einstellen. Damit einher geht der Ausbau der IT-Infrastruktur an Schulen durch einen Digitalpakt. 

Quelle: Pressemeldung Stifterverband, McKinsey & Company, Inc.
Schlagworte:
 
LehramtITInformatik

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