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15. Februar 2012  

Studentenjob als Rikscha-Fahrer

Stadtführer der etwas anderen Art

Wer als Student einen Nebenjob sucht, landet in der Regel in einem Büro oder in einer Kneipe. Es geht aber auch ausgefallener - etwa als Rikscha-Fahrer. Stefan Moskopp

Seinen früheren Studentenjob als Rikscha-Fahrer hat Stefan Schlitt bis heute nicht an den Nagel gehängt. © Anke Tillmann / Einstieg GmbH

Stefan Schlitt liebt es, Fahrrad zu fahren. Da passt es gut, dass er dafür auch noch bezahlt wird. Denn er arbeitet als Rikscha-Fahrer in Köln. Angefangen hat er damit während seines Maschinenbau-Studiums. "Das war damals der perfekte Studentenjob für mich. Ich war gerade sowieso wieder in der Vorbereitung auf einen Triathlon, da habe ich das Rikscha-Fahren einfach ins Training eingebaut." Johannes Wittig, Chef von Perpedalo, dem bislang einzigen Kölner Rikscha-Unternehmen, legt aber nicht nur Wert auf körperliche Fitness: "Unsere Fahrer müssen kommunikativ sein und offen auf Menschen zugehen können. Und sie müssen sich natürlich in der Stadt auskennen."

Stadtführer und Taxifahrer in einer Person

Das schließt übrigens die Geschichte Kölns mit ein, denn die Rikscha-Fahrer sind eine Mischung aus Stadtführer und Taxifahrer. "Tatsächlich werden wir immer häufiger auf der Straße von Leuten herangewunken, die einfach von A nach B gebracht werden wollen", so Stefan Schlitt. "Neben diesen 'Taxi-Fahrten' gibt es die spontanen oder auch im Voraus gebuchten Sightseeing-Touren, auf denen wir die wichtigsten Bauwerke und Denkmäler der Stadt anfahren und etwas dazu erzählen." Besonders häufig wird die Brückentour gebucht, denn die führt auch über die Hohenzollernbrücke. Und hierher kommen inzwischen Paare aus ganz Deutschland, um durch einen romantischen Brauch ihre Liebe zu zeigen: Sie bringen ein Vorhängeschloss – die meisten lassen ihre Namen eingravieren – an der Brücke an, schwören sich ewige Liebe und schmeißen den Schlüssel in den Rhein. "Ich hab' schon oft Hochzeitspaare direkt von der Kirche auf die Brücke gefahren, wo sie ihre Ehe auch noch mit einem Vorhängeschloss besiegelt haben."

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Unterwegs mit Calli

Die Kölner Rikscha-Flotte zählt 24 Fahrzeuge. An einem sonnigen Wochenende können schon mal ein Dutzend Touren auf einen Fahrer zukommen. Eine Tour wird Stefan immer im Gedächtnis bleiben: Anlässlich des Köln Marathons hatte ein großes Unternehmen einen Staffellauf mit einigen Promis organisiert, die per Rikscha von einem Wechselpunkt zum nächsten gefahren wurden. "Ich hatte damals das schwerste Los gezogen – Rainer Calmund", sagt Stefan, "aber auch das lustigste, denn mit Calli bekommt man ja immer was zu lachen."

Sein Studium hat Stefan vor ein paar Jahren übrigens erfolgreich abgeschlossen. Rikscha-Fahrer ist er aber geblieben. "Für mich ist diese Kombination aus Sport, Kontakt zu immer wieder neuen Menschen und natürlich auch Geld verdienen irgendwann zu einer Art Sucht geworden." Um seiner Leidenschaft regelmäßig nachzukommen, hat sich der 35-Jährige vor zwei Jahren eine eigene Rikscha gekauft. So oft wie er nun auf den Straßen Kölns unterwegs ist, erkennen ihn die Menschen mittlerweile auch, wenn er seine Rikscha nicht dabei hat. "Immer häufiger werde ich von Leuten im Restaurant oder im Supermarkt angesprochen: Bist du nicht der Rikscha-Fahrer?"

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