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24. September 2010  

Studienstiftung des deutschen Volkes öffnet sich für Selbst-Bewerber

Die Elite macht die Tür auf

Die Studienstiftung des deutschen Volkes hat erstmals Stipendiaten aufgenommen, die nicht von Lehrern oder Professoren vorgeschlagen worden waren, sondern sich selbst beworben hatten.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das größte der zwölf "Begabtenförderungswerke", deren Aufgabe es ist, besonders gute Studenten und Doktoranden mit Stipendien zu unterstützen. Im Gegensatz zu den anderen elf Werken konnte man sich bei der Studienstiftung bis zu diesem Jahr nicht selbst bewerben – ins Auswahlverfahren gelangte in der Regel nur, wer von einem Schulleiter oder Professor vorgeschlagen worden war. Die Gefahr dieser Methode: Wer sich scheut, einen direkten Draht zum Prof aufzubauen, hat kaum Chancen, diesem positiv aufzufallen. Kritiker bemängeln, dass aus diesem Grund vor allem Studierende aus nicht-akademischen Familien benachteiligt würden, da diese im Studium weniger selbstbewusst aufträten als Kinder von Akademikern.

Als Reaktion auf die Kritik änderte die Stiftung in diesem Jahr ihr Auswahlverfahren: Erstmals gab es, zusätzlich zum Vorschlag-Verfahren, die Möglichkeit, sich selbst zu bewerben. 924 Selbstbewerber nahmen nach Angaben der Studienstiftung an der ersten Auswahlrunde, einem computergestützten Test, teil. Rund ein Drittel von ihnen gelangte in die zweite Runde und 87 wurden schließlich als neue Stipendiaten aufgenommen.

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Vorschlag-System der Studienstiftung dominiert weiter

Eine Revolution bedeuten die 87 aufgenommenen Selbst-Bewerber jedoch nicht, denn nach wie vor wird das Auswahlverfahren vom Vorschlag-System dominiert. Rund 3.500 Studenten und Doktoranden hat die Studienstiftung in diesem Jahr aufgenommen – die 87, die sich selbst beworben hatten, stellen also gerade mal 2,5 Prozent aller neuer Stipendiaten. Zudem scheint das neue Bewerbungsverfahren den Zugang nicht leicht zu machen: Nicht mal jeder zehnte Selbst-Bewerber wurde aufgenommen, bei den vorgeschlagenen Kandidaten war es dagegen jeder Dritte.

Katja Urbatsch, die sich mit ihrer Initiative Arbeiterkind.de für bessere Bildungschancen von Kindern aus nicht-akademischen Haushalten einsetzt, freut sich dennoch: "Das ist ein guter Anfang. Immerhin bewegt sich etwas." Nicht zufrieden ist sie dagegen mit der Umsetzung des neuen Bewerbungsverfahrens: "Ein computergestützter Test ist nicht das richtige Mittel, um herauszufinden, wie hoch das Potenzial eines Kandidaten ist. Sowas geht nur im persönlichen Gespräch." Zudem vermutet sie, dass die mit dem Test verbundenen Kosten – 25 bis 50 Euro Teilnahmegebühr plus Kosten für die Anfahrt – viele potenzielle Bewerber abgeschreckt haben könnten.

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