© Franziska Huhn
Interview
Franziska (27) über ihren Weg zur Grundschullehrerin
Viele träumen schon als Kinder davon, später einmal Lehrer:in zu werden. Doch wie sieht der Weg dorthin eigentlich aus? Welche Inhalte erwarten dich im Studium, wie viel Praxis steckt wirklich drin und was überrascht die meisten Studierenden? Franziska (27) hat Grundschullehramt studiert und erzählt von ihren Erfahrungen zwischen Vorlesungssaal, Praktikum und Praxissemester.
© Franziska Huhn
Der Wunsch, Lehrerin zu werden, begleitete Franziska schon seit ihrer eigenen Grundschulzeit.
„In der Grundschule wollte ich eigentlich selbst immer Grundschullehrerin werden. Ich war die, die dann Grundschule mit den anderen Kindern gespielt hat. Auf der weiterführenden Schule habe ich diesen Berufswunsch allerdings zunächst aus den Augen verloren und nach dem Abitur wusste ich auch nicht genau, welcher Weg der richtige für mich ist. Deshalb habe ich mich für einen Bundesfreiwilligendienst an einer Grundschule entschieden – und genau dort habe ich dann wieder entdeckt, was mein ursprünglicher Traum war. Also habe ich mich an mehreren Unis beworben und dann mein Studium ganz in der Nähe von zu Hause in Wuppertal begonnen.“
Ich wollte nicht einfach irgendetwas studieren, von dem ich nicht weiß, ob es zu mir passt. Im Bundesfreiwilligendienst habe ich dann schnell gemerkt, dass mir die Arbeit mit Kindern total liegt. Danach war für mich klar, dass ich Grundschullehramt studieren möchte.
Franziska über ihre Entscheidung, Grundschullehramt zu studieren
Bevor Franziska ins Referendariat starten konnte, studierte sie insgesamt fünf Jahre. Für ihre Fächerkombination musste sie sich bereits bei der Bewerbung Gedanken machen. Deutsch und Mathematik gehören mittlerweile verpflichtend zum Grundschullehramt in Nordrhein-Westfalen dazu. Darüber hinaus entschied sie sich für Sachunterricht.
„Die Fächer haben mir auch in der Schule immer am meisten Spaß gemacht. Deshalb war für mich relativ schnell klar, dass Sachunterricht gut zu mir passt. Zusätzlich habe ich im Bachelor auch naturwissenschaftliche Schwerpunkte wie Biologie, Chemie, Physik und Technik belegt. Erst im Master sind dann auch geisteswissenschaftliche Inhalte stärker in den Fokus gerückt.“
Das Studium Grundschullehramt auf einen Blick
Bachelor of Education: 6 Semester
Master of Education: 4 Semester
Regelstudienzeit insgesamt: 5 Jahre
Anschließendes Referendariat: zwischen 12 und 24 Monaten je nach Bundesland
Viele Studieninteressierte stellen sich das Lehramtsstudium sehr praxisnah vor. Franziska erlebte das zunächst anders.
„Besonders im Bachelor standen viele fachwissenschaftliche Inhalte auf dem Stundenplan. In großen Vorlesungen saßen teilweise mehrere Hundert Studierende, während in Seminaren deutlich mehr Mitarbeit gefragt war. Dort wurde dann diskutiert, gemeinsam gearbeitet und Inhalte vertieft. Aber mich hat wirklich sehr überrascht, wie theoretisch viele Inhalte waren. Ich hätte nicht gedacht, dass so viel fachwissenschaftlicher Hintergrund gelehrt wird.“
Gerade in Mathematik ging es weit über das hinaus, was später im Grundschulunterricht vermittelt wird. Statt Rechenaufgaben für Kinder standen wissenschaftliche Fragestellungen und mathematische Beweise auf dem Programm.
„Ich dachte eigentlich, dass es viel mehr Didaktikkurse geben würde. Das hat sich dann erst im Master geändert. Die Veranstaltungen waren da praxisnäher und haben sich stärker mit Unterrichtsgestaltung, Lernprozessen und konkreten Methoden für den Schulalltag beschäftigt.“
Im Master gab es viel mehr Seminare und deutlich mehr Didaktik als im Bachelor. Das fand ich viel gewinnbringender für meinen späteren Berufsalltag.
Franziska über den Aufbau ihres Lehramtsstudiums
Wer Lehramt studiert, möchte natürlich irgendwann auch vor einer Klasse stehen. Doch der Praxisanteil fällt häufig geringer aus, als viele erwarten. Schon während ihres Bundesfreiwilligendienstes hatten erfahrene Lehrkräfte Franziska einen Satz mit auf den Weg gegeben, der ihr bis heute im Gedächtnis geblieben ist:
„Franzi, du wirst hier in dem einen Jahr mehr gelernt haben, als du es im Studium gemacht hast.“
Heute sagt sie rückblickend:
„Vielleicht stimmt das auch ein bisschen.“
Ganz ohne Praxis geht es natürlich trotzdem nicht. Im Bachelor absolvierte Franziska das sogenannte Eignungs- und Orientierungspraktikum. Fünf Wochen lang begleitete sie den Alltag an einer Grundschule, beobachtete Unterricht und lernte verschiedene Lehrkräfte kennen.
„Da wird noch nicht von einem verlangt, selbst Unterricht zu machen. Man kann erst einmal ganz viel zuschauen und beobachten. Das hat mir sehr geholfen, denn so habe ich schon da gemerkt, welche Art von Lehrerin ich später sein möchte – und auch, was ich mir eher nicht abschauen würde.“
Die intensivste Praxisphase folgte dann im Master: das Praxissemester. Ein halbes Jahr lang war Franziska an einer Grundschule eingesetzt, hospitierte nicht mehr nur, sondern plante und hielt auch erste eigene Unterrichtsstunden.
„Das war die erste richtig praktische Erfahrung. Man steht nicht mehr nur daneben, sondern übernimmt selbst Verantwortung. Und das Feedback, das ich in dieser Zeit immer wieder von meinen Mentorinnen und Fachleitungen bekommen habe, war eine wirklich wichtige Vorbereitung auf das spätere Referendariat.“
Franziska hat ihr Praxissemester genau dokumentiert – von ihren Erwartungen und Zielen bis zu ihren eigenen Unterrichtsstunden.
© Franziska Huhn
Wenn Franziska heute auf ihr Studium zurückblickt, fällt ihr vor allem die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis auf.
„Vor Studienbeginn habe ich erwartet, viel über Unterricht, Kinder und Lernmethoden zu erfahren. Stattdessen standen zunächst wissenschaftliche Grundlagen im Mittelpunkt. Aber heute weiß ich, dass mir viele dieser Inhalte dabei geholfen haben, schulische Prozesse besser zu verstehen und ihren späteren Unterricht bewusster zu gestalten.“
Nach jedem Praktikum wusste ich eigentlich noch ein bisschen mehr, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.
Franziska über ihre Erfahrungen im Praktikum
Besonders positiv erinnert sich Franziska an die Menschen, die sie während ihres Studiums kennengelernt hat.
„Ich habe dort wirklich Kommilitoninnen kennengelernt, die heute noch zu meinen engsten Freundinnen gehören. Und auch das Studium wurde mit der Zeit immer spannender. Vor allem die Inhalte im Master habe ich als deutlich hilfreicher für meinen späteren Berufsalltag empfunden als die Bachelorinhalte. Die größte Bestätigung, dass der Beruf der Grundschullehrerin der richtige für mich ist, habe ich dann aber in den Praxisphasen erhalten. Dort habe ich immer wieder gemerkt, wie viel Freude mir die Arbeit mit Kindern macht.
Nach meinem Praxissemester habe ich nur noch darauf gewartet, dass endlich das Referendariat beginnt.
Franziska über ihre Vorfreude aufs Referendariat
Praktische Erfahrungen helfen dabei herauszufinden, ob der Lehrerberuf wirklich zu einem passt.
Das Studium ist zunächst deutlich theoretischer, als viele erwarten.
Besonders im Master werden die Inhalte praxisnäher.
Die Praxisphasen geben wichtige Einblicke in den späteren Berufsalltag.
Freundschaften und der Austausch mit anderen Studierenden machen das Studium oft leichter.
Sammle möglichst früh praktische Erfahrungen – zum Beispiel durch ein FSJ oder einen Bundesfreiwilligendienst an einer Schule.
Lass dich von den theoretischen Inhalten im Bachelor nicht abschrecken. Viele praxisnahe Themen kommen erst später.
Nutze Praktika bewusst, um unterschiedliche Lehrkräfte und Unterrichtsstile kennenzulernen.
Tausche dich mit anderen Studierenden aus. Gute Freundschaften können durch das Studium tragen.
Vertraue deinem Bauchgefühl: Die Praxisphasen zeigen oft sehr schnell, ob der Beruf wirklich zu dir passt.
Neugierig, wie es nach dem Studium weitergeht? Im zweiten Teil erzählt Franziska, warum sie vor dem Referendariat eigentlich unnötig Angst hatte – und weshalb diese Zeit am Ende zu den wertvollsten Abschnitten ihrer gesamten Ausbildung gehörte.
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