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21. September 2013  

Duales Studium im Finanzwesen

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Bei einer Bank zu arbeiten ist nach wie vor das Ziel vieler Schulabgänger. Am besten gelingt der Einstieg in das Finanzwesen mit dem Karriere-Turbo duales Studium. Wir beantworten die wichtigsten Fragen. Anika Lautz
Für den Einstieg in das Finanzwesen eignet sich ein duales Studium.

Für den Einstieg in das Finanzwesen eignet sich ein duales Studium. © Anke Tillmann

Was ist das Spannende an der Finanzbranche?

Trotz der europäischen Staatsschuldenkrise, die in den letzten Jahren einige Banken in schwere Nöte gebracht hat, verspricht das Finanzwesen weiterhin sichere Arbeitsplätze und interessante Aufstiegsmöglichkeiten. Wer sich also für geldwirtschaftliche Fragestellungen interessiert, gut in Mathematik ist und nichts dagegen hat, später jeden Tag in Anzug und Krawatte bzw. im schicken Kostüm zur Arbeit zu gehen, der sollte einen Karrierestart in der Finanzbranche ins Auge fassen. Das Problem: Das Angebot an Einstiegsmöglichkeiten für Schulabgänger ist riesengroß und nur schwer durchschaubar. Der Klassiker ist dabei mit Sicherheit die Berufsausbildung zum Bankkaufmann, die von beinahe jeder Bank angeboten wird. Wer höher hinaus will, sollte stattdessen lieber an eine Hochschule gehen und Betriebswirtschaftslehre studieren. Oder aber, man kombiniert beide Ausbildungswege miteinander – durch ein duales Studium.

Was ist ein duales Studium?

Ein duales Studium ergänzt ein Studium an einer Uni, Fachhochschule oder Berufsakademie um eine Ausbildung oder ausgedehnte Praxisphasen in einem Unternehmen. Studien und Ausbildungsinhalte sind dabei aufeinander abgestimmt. Am Ende des Studiums verfügen die Absolventen somit nicht nur über das theoretische Wissen aus Vorlesungen und Seminaren, sondern kennen auch den Arbeitsalltag in einem Beruf oder einer Branche.

Wie ist ein duales Studium aufgebaut?

Duale Studiengänge gibt es in verschiedenen Varianten: Die meisten sind ausbildungsintegrierend. Das heißt, dass die Studierenden neben dem Studium eine vollständige anerkannte Berufsausbildung absolvieren. Während des Studiums besuchen sie abwechselnd ihren Ausbildungsbetrieb und eine Hochschule oder Berufsakademie. Am Ende haben sie zwei Abschlüsse in der Tasche: den Bachelor von der Hochschule und den Gesellenbrief von der zuständigen Kammer.

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Auch in praxisintegrierenden dualen Studiengängen wird das Hochschulstudium durch längere Praxisphasen in einem Unternehmen ergänzt. Eine vollwertige Berufsausbildung absolvieren die Studenten dabei allerdings nicht, und am Ende erhalten sie lediglich den Bachelor. In beiden Varianten des dualen Studiums wechseln sich Theorie- und Praxisphasen regelmäßig ab. Dabei haben sich zwei verschiedene Systeme etabliert: Im Blockmodell verbringen die Studenten jeweils mehrere Monate am Stück im Betrieb und an der Hochschule bzw. Berufsakademie. Im Wochenmodell sind die akademische und die praktische Ausbildung hingegen zeitnah aufeinander abgestimmt. Auf drei Tage im Betrieb folgen so in der Regel zwei Tage Studium.

Wie sieht das duale Studienangebot im Bereich Finanzwesen aus?

Die meisten dualen Studiengänge im Bereich Finanzwesen werden von den Hochschulen in Kooperation mit Banken angeboten. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), die an mehreren Standorten den Studiengang "BWL–Bank" im Programm hat. Praxispartner sind sowohl kleine Genossenschaftsbanken und Kreis-sparkassen als auch große Privatbanken wie die DZ Bank oder Zentralinstitute wie die Landesbank Baden-Württemberg. "Die Studierenden erhalten bei uns ein breites Fundament an allgemeiner BWL, VWL, bürgerlichem Recht und Wirtschaftsrecht. Gleichzeitig spezialisieren wir sie schon ab dem ersten Semester in Bankbetriebslehre", sagt Prof. Andreas Mitschele, der den Studiengang an der DHBW in Stuttgart leitet. Auf dem Stundenplan stehen etwa Veranstaltungen wie "Grundlagen der Geld- und Vermögensanlage", "Grundlagen des Kredit- und Auslandsgeschäfts" oder "Wertpapiere und Derivate". Auf drei Monate Theorie an der DHBW folgen stets drei Monate Praxis in der Bank, wo die Studierenden ihr neu gewonnenes Wissen direkt anwenden und sich für eine Weiterbeschäftigung nach Ende des Studiums empfehlen können. "85 bis 90 Prozent der Studierenden werden von ihrem Praxispartner übernommen", weiß Studiengangsleiter Andreas Mitschele. Neben Banken bieten aber auch andere Unternehmen der Finanzbranche gemeinsam mit Hochschulen duale  Studiengänge an. Zu nennen sind hier insbesondere Finanzdienstleister und Versicherungen, die auf den Vertrieb von Finanzprodukten – zum Beispiel Wertpapieren, Bausparverträgen, Krediten, Lebensversicherungen etc. – spezialisiert sind. Darüber hinaus gilt das auch für Unternehmen der Immobilienwirtschaft, die seit der Finanzkrise einen starken Aufschwung erleben.

Wie bewerbe ich mich für ein duales Studium?

Wer ein duales Studium in der Finanzbranche absolvieren will, recherchiert am besten in einer Studiengangs-Datenbank im Internet, zum Beispiel dem Hochschulkompass oder AusbildungPlus. Von dort gelangt man auf die Seiten der einzelnen Hochschulen und kann eine Liste mit deren Praxispartnern einsehen. Die Bewerbung erfolgt anschließend direkt beim Praxispartner der Wahl. Die besten Bewerber werden zum Assessment-Center oder Vorstellungsgespräch eingeladen. Erhält man danach einen Ausbildungs- bzw. Praktikantenvertrag, so erfolgt die Immatrikulation an der Hochschule quasi automatisch.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

"Voraussetzung ist ein ausgeprägtes Interesse an finanzwirtschaftlichen Fragestellungen. Außerdem sollte man keine größeren Schwächen in Mathematik haben", sagt DHBW-Studiengangsleiter Andreas Mitschele. Darüber hinaus hilft ein gutes Abitur, denn die Anzahl der Bewerber übersteigt die zur Verfügung stehenden Studienplätze meistens deutlich. Zu guter Letzt sollte man über eine hohe Motivation und Zielstrebigkeit verfügen; ein duales Studium kann ziemlich anstrengend sein, denn im Gegensatz zum "normalen" Studium hat man keine Semesterferien, sondern arbeitet während dieser Zeit im Unternehmen.

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