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03.11.2015  
Kleiner, feiner, teurer

Private Hochschulen und Business Schools

Private Hochschulen und Business Schools bieten intensive Betreuung, starken Praxisbezug und internationale Ausrichtung – und sind damit eine echte Alternative zur staatlichen Konkurrenz. Allerdings kosten die Privathochschulen Studiengebühren. Stefan Moskopp

Business School

Private Hochschulen sind häufig moderner und
besser ausgestattet als staatliche.

Private Hochschulen haben in den USA eine jahrhundertelange Tradition – die berühmte Harvard University etwa wurde 1636 gegründet und ist damit die älteste Universität des Landes überhaupt. Hierzulande sind wir später dran: erst 1983 erblickte mit der Uni Witten/Herdecke die erste deutsche private Hochschule das Licht der Welt. Mittlerweile gibt es bereits mehr als 110 staatlich anerkannte Privathochschulen und Business Schools, an denen rund 138.000 Studenten eingeschrieben sind.

Eingeschränktes Angebot

Im Gegensatz zu den staatlichen Universitäten und Fachhochschulen, die eine breite Palette an Studiengängen aus den unterschiedlichsten Fakultäten im Programm haben, sind die privaten Hochschulen in der Mehrzahl stark spezialisiert. Viele begreifen sich als Business Schools und bieten ausschließlich Wirtschafts-Studiengänge an. Dabei wird an solchen Business Schools nicht nur klassische BWL gelehrt, sondern auch Mischformen, die zielgerichtet auf eine bestimmte Branche vorbereiten, zum Beispiel Tourismusmanagement, Hotelmanagement, Gesundheitsmanagement oder Medienwirtschaft.

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Es gibt aber auch private Hochschulen, die breiter aufgestellt sind als Business Schools. So bietet etwa die Jacobs University Bremen sowohl geistes- als auch naturwissenschaftliche Fächer und den Studiengang "Psychologie" an. An der Zeppelin University am Bodensee kann man neben Wirtschaftswissenschaften auch "Communication, Culture & Management" sowie "Sociology, Politics & Economics" studieren.


International und praxisnah


Viele private Unis werben mit einem besonders starken Bezug zu einem internationalen Studium. Dieser schlägt sich zum einen in der Unterrichtssprache nieder: Vorlesungen und Seminare finden auf Englisch statt. Zum anderen bieten sie ihren Studierenden im Zuge eines internationalen Studiums die Möglichkeit, einen Teil des Studiums an einer Partnerhochschule im Ausland zu absolvieren. In vielen Fällen kann mit zusätzlichem Zeitaufwand sogar ein internationaler Doppelabschluss erworben werden. Diese Option innerhalb eines internationalen Studiums hat man allerdings auch an einigen staatlichen Hochschulen.

Damit der Übergang ins Berufsleben möglichst nahtlos verläuft, versuchen die Privaten ihre Schützlinge frühzeitig in Kontakt mit potenziellen künftigen Arbeitgebern zu bringen. Viele der Dozenten kommen aus der Wirtschaft, Projektarbeiten und Unternehmenspraktika sind meist fest in den Studienplan integriert. Darüber hinaus gehören Rhetorik-, Präsentations- und Bewerbungstraining zum Curriculum.

Hohe Studiengebühren

Der Nachteil am Studium an einer privaten Hochschule sind die hohen Studiengebühren. Für ein Semester sind meist mehrere Tausend Euro zu zahlen, da kommt man selbst mit dem Bafög-Höchstsatz nicht weit. Als alternative Finanzierungsformen bieten sich private Studienkredite oder Stipendien an. Natürlich machen sich die Einnahmen durch die Studiengebühren an den Hochschulen bemerkbar: In punkto Ausstattung setzen sie Standards, an die die staatliche Konkurrenz selten heranreicht. Und: Da sich nicht jeder solch hohe Studiengebühren leisten kann und die Hochschulen zudem oft wählerisch sind, tummeln sich auf den Campus häufig nur ein paar hundert Studierende. Das Resultat sind kleine Seminargruppen mit individueller Betreuung.

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Genau hinsehen

Wer an einer privaten Hochschule studieren will, sollte in jedem Fall darauf achten, dass diese staatlich anerkannt ist. Denn ohne die Anerkennung der Hochschule gelten auch deren Studienabschlüsse nicht als anerkannt. Auch für einzelne Studiengänge gibt es Qualitätssiegel: Externe und unabhängige Akkreditierungs-Agenturen (z. B. AQAS, ASIIN oder FIBAA) prüfen sie regelmäßig hinsichtlich ihrer Inhalte und formalen Struktur. Außerdem sollte man die einschlägigen Hochschulrankings zu Rate ziehen. Diese geben einen ersten Hinweis auf die Qualität einer Hochschule – egal, ob staatlich oder privat. 

Die umfassendsten Hochschulrankings werden alljährlich im April im Studienführer der "Zeit" veröffentlicht. Das Hochschulranking, das vom Centrum für Hochschulentwicklung durchgeführt wird, berücksichtigt mehr als 30 meiststudierte Fachrichtungen – von Architektur bis Zahnmedizin. Das gemeinsame Hochschulranking der Zeitschriften Junge Karriere, Handelsblatt und Wirtschaftswoche erscheint jährlich im Mai und untersucht die Studienfächer bzw. Fachbereiche BWL, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik, VWL, Jura, Naturwissenschaften, Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik.

Und schließlich ist es auch sinnvoll darauf zu achten, wie sich die Hochschule finanziert. Allein durch die Studiengebühren, oder wie im Falle von Bucerius Law School und Jacobs University Bremen, neben Studiengebühren auch durch die Unterstützung von Mäzenen oder Stiftungen.

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