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Wenn Medien den Schulalltag bestimmen

Was Lehrkräfte über problematischen Medienkonsum wissen sollten

Autorin: Susanne

Smartphones sind im Klassenzimmer zwar in der Regel sichtbar, aber trotzdem ständig präsent. Lehrkräfte erleben täglich, wie Mediennutzung Konzentration, Motivation und Verhalten beeinflussen kann. Doch ab wann ist das mehr als ein normales Phänomen der Jugendphase? Und welche Rolle spielt Schule zwischen Prävention, Verantwortung und klaren Grenzen? Darüber haben wir mit Felix Strobach gesprochen. Er ist Sozialpädagoge sowie Leiter der Jugendsuchtberatungsstelle „Ansprechbar“ der Drogenhilfe Köln und berät regelmäßig junge Menschen, Eltern und pädagogische Fachkräfte.

Einstieg: Medien spielen im Alltag von Schüler:innen eine große Rolle. Ab wann wird Mediennutzung aus Ihrer Sicht problematisch, besonders mit Blick auf Schule? 
Felix Strobach: Problematisch wird es dann, wenn schulische Aufgaben vernachlässigt werden oder Auffälligkeiten im Unterricht zunehmen. Das können fehlende Konzentration, Leistungsabfall, Rückzug, auffällige Konflikte oder andere Veränderungen im Verhalten sein. Lehrkräfte sollten allerdings nicht vorschnell bewerten, sondern genau hinschauen.

Einstieg: Wie oft begegnen Ihnen junge Menschen, bei denen Medienkonsum Lernen oder Motivation beeinträchtigt? 
Felix Strobach: Sehr häufig. Die meisten Beratungen entstehen genau aus diesen Beobachtungen heraus. Schule ist oft der Ort, an dem erste Veränderungen auffallen, bevor sie im familiären Umfeld klar benannt werden können.

Schule ist häufig der erste Ort, an dem sichtbar wird, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Felix Strobach

Einstieg: Gibt es bestimmte Altersgruppen oder Schulformen, in denen problematischer Medienkonsum besonders sichtbar wird? 
Felix Strobach: Nein. Das ist nicht an Schulform oder das Alter gebunden. Häufig wenden sich Eltern an uns, weil sie sich in der Pubertät mit der Erziehungsaufgabe überfordert fühlen. Medienkonsum wird dann als Problem benannt, von uns aber oft als Symptom eines ganz normalen Pubertätsprozesses eingeordnet. 

Einstieg: Was ist der Unterschied zwischen problematischem Medienkonsum und Mediensucht?  
Felix Strobach: Mediensucht ist eine schwere Erkrankung, die in der Regel therapeutisch behandelt werden muss. Das betrifft nur einen kleinen Teil der Jugendlichen. Für eine Suchterkrankung gibt es klare diagnostische Kriterien. Belastungen müssen über mindestens zwölf Monate bestehen und nahezu alle Lebensbereiche betreffen. Alarmzeichen sind Gewalt gegen sich selbst oder andere, auch verbal, kriminelles Verhalten oder massive Einschränkungen im Alltag. 
Die meisten Menschen, die sich an uns wenden, zeigen ein riskantes oder auffälliges Konsumverhalten, aber noch keine Suchterkrankung. Diese Unterscheidung ist wichtig, auch für den schulischen Umgang. 

Nicht jedes Problem ist eine Sucht, aber jedes Problem verdient Aufmerksamkeit.

Felix Strobach

Einstieg: Wie können Lehrkräfte Medienkonsum ansprechen, ohne Schüler:innen zu stigmatisieren? 
Felix Strobach: Wichtig sind klare Regeln und ein verlässlicher Rahmen in der Schule. Die Kommunikation sollte sachlich bleiben und sich an dem orientieren, was beobachtbar ist. Das Vorgehen ähnelt der Gesprächsführung mit Eltern. Klarheit und Struktur helfen mehr als moralische Bewertungen. 

Einstieg: Welche Rolle hat Schule bei der Prävention und wo liegen realistische Grenzen? 
Felix Strobach: Je stärker Medienkompetenz und Prävention im Schulalltag verankert sind, desto besser sind Kinder und Jugendliche geschützt. Auch Entwicklungsaufgaben der Jugendphase sollten Raum bekommen und thematisiert werden. Grenzen entstehen dort, wo Lehrpläne eng sind, Bewusstsein fehlt oder Prävention nicht konzeptionell mitgedacht wird. 

Einstieg: Was können Lehrkräfte konkret tun, wenn Mediennutzung Schule massiv beeinträchtigt? 
Felix Strobach: Das Thema offen ansprechen, sowohl mit den Schüler:innen als auch mit den Eltern. Klare Regeln in der Schule sind wichtig. Bei einer möglichen Kindeswohlgefährdung muss das Jugendamt eingeschaltet werden. Präventionskonzepte helfen, nicht nur im Einzelfall zu reagieren. 

Einstieg: Was raten Sie Lehrkräften, wenn Eltern das Problem herunterspielen oder sehr verunsichert reagieren? 
Felix Strobach: Klar kommunizieren und nichts beschönigen. Gleichzeitig Interesse an den Hintergründen zeigen und auf die Erziehungsverantwortung hinweisen. Hilfesysteme sollten aktiv empfohlen und Kontakte vermittelt werden. 

Einstieg: Wann ist es sinnvoll, externe Beratungsstellen einzubeziehen? 
Felix Strobach: Jederzeit. Auch schon zur reinen Information. Beratung muss nicht erst stattfinden, wenn alles eskaliert ist. 

Einstieg: Warum ist das Thema Mediensucht auch für Berufsorientierung und Zukunftsplanung relevant? 
Felix Strobach: Wenn eine Suchterkrankung oder ein massiver Konsum verhindert, dass Schule oder Ausbildung regelmäßig besucht werden, hat das direkte Auswirkungen auf die berufliche Zukunft. Frühzeitige Begleitung kann hier entscheidend sein. 

Einstieg: Gibt es einen einfachen Impuls für den Schulalltag? 
Felix Strobach: Das Thema sichtbar machen, viel darüber sprechen und für klare Regeln sorgen. Das allein kann schon entlastend wirken.

Zentrale Impulse für Lehrkräfte

  • Auffälligkeiten im Unterricht ernst nehmen, ohne vorschnell zu urteilen 

  • Zwischen riskantem Konsum und Suchterkrankung unterscheiden 

  • Klare Regeln und verlässliche Strukturen schaffen 

  • Medienkompetenz und Prävention im Schulkonzept verankern 

  • Gespräche mit Eltern klar und sachlich führen 

  • Externe Unterstützung frühzeitig einbinden 

Persönliche Beratung auf der Einstieg Köln

Lehrkräfte, die sich austauschen oder konkrete Fragen klären möchten, können dies auf der Einstieg Köln tun. In der Coaching Area berät Felix Strobach kostenfrei und unverbindlich zum Thema Mediennutzung. Ein Gespräch kann helfen, Situationen besser einzuordnen und nächste Schritte zu klären.

 

Kontakt:

Jugendsuchtberatung | Drogenhilfe Köln gGmbH 

Victoriastraße 12, 50668 Köln 

Tel. 0221 912797 77, Fax 0221 912797 88 

www.ansprechbar-koeln.de

Über Felix Strobach

Felix Strobach ist Sozialpädagoge und Leiter der Jugendsuchtberatungsstelle Ansprechbar der Drogenhilfe Köln. 
Er und sein Team beraten junge Menschen sowie deren Eltern und Bezugspersonen bei Fragen und Problemen rund um Substanzkonsum und Mediennutzung. 

Die Beratung richtet sich sowohl an Jugendliche mit riskantem Konsumverhalten als auch an Familien, die Orientierung suchen oder frühzeitig Unterstützung in Anspruch nehmen möchten. Gespräche sind vertraulich, freiwillig und können auch rein informativ genutzt werden. 

Weitere Informationen zur Jugendsuchtberatung Ansprechbar finden sich auf der Website der Drogenhilfe Köln: 
https://www.drogenhilfe.koeln/einrichtungen/jugendsuchtberatung/

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