© Rebecca Petersen
Interview
Rebecca (27) über ihren Studienabbruch und warum eine Ausbildung besser zu ihr passt
Nach dem Abi entschied sich Rebecca zunächst für ein Studium der Wirtschaftspsychologie. Die Inhalte fand sie spannend, doch mit der Zeit merkte sie, dass sie den Anschluss verlor und das Studium nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passte. Heute blickt auf diese Zeit zurück und sagt: „Ich sehe meinen Studienabbruch inzwischen nicht mehr als Versagen.“
© Rebecca Petersen
Nach dem Abitur war Rebecca noch auf der Suche nach dem richtigen Weg. Eigentlich interessierte sie sich zunächst für den medizinischen Bereich. Sie machte ein FSJ im Krankenhaus und hatte sogar schon einmal einen Medizinstudienplatz im Ausland in Aussicht. Später entschied sie sich dann aber doch für ein Studium der Wirtschaftspsychologie.
„Ich fand den Studiengang Wirtschaftspsychologie interessant und kann das Studium grundsätzlich wirklich empfehlen. Besonders spannend fand ich die Mischung aus Psychologie und Wirtschaft. Der Studiengang verbindet soziale Themen mit wirtschaftlichen Inhalten, und genau das hat mich anfangs angesprochen.”
Bei Rebecca hatte der Studienabbruch nichts damit zu tun, dass ihr das Fach nicht gefallen hat. Persönliche Probleme haben ihr Studium immer mehr beeinflusst, und sie hat nach und nach den Anschluss verloren.
„Es ist mir irgendwie einfach aus den Händen geglitten. Schon im dritten Semester habe ich mich nur noch durchgekämpft, und im vierten war dann klar, dass ich die Reißleine ziehen muss. Ich hab halt den Anschluss an die Themen verloren und bin grundsätzlich zusätzlich auch noch vom Typ keine Studentin. Es ist einfach eine Kackphase, weil man sich so wie ein Versager fühlt. Ich habe lange mit keinem darüber gesprochen und das komplett mit mir alleine ausgemacht. Vor allem der Vergleich mit anderen hat es mir schwer gemacht. Viele Leute in meinem Umfeld sind scheinbar zielstrebig ihren Weg gegangen und ich hatte das Gefühl, festzustecken.“
Ich habe während des Studiums gemerkt, dass es einfach nicht das Passende für mich ist. Aber auch wenn es die richtige Entscheidung war, mein Studium abzubrechen, habe ich mich wie eine Versagerin gefühlt.
Rebecca über Zweifel und die Entscheidung, das Studium abzubrechen
Heute fragt sich Rebecca manchmal, ob sie das Studium vielleicht doch geschafft hätte. Trotzdem ist sie noch immer fest davon überzeugt, dass der Studienabbbruch die richtige Entscheidung für sie war:
„Ich sehe meinen Studienabbruch inzwischen nicht mehr als Versagen. Es gehörte zu meinem Leben, dass ich diese Erfahrung gemacht habe. Wenn man bedenkt, wie lang das Berufsleben generell ist, sind ein paar Semester nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, einen Weg zu finden, der wirklich zu einem passt.“
„Nach meinem Studienabbruch habe ich gemerkt, dass ich lieber praktisch arbeiten möchte. Mir war auch wichtig, schnell auf eigenen Füßen zu stehen und finanziell unabhängig zu sein. Deshalb habe ich mir Unternehmen angeschaut, überlegt, wie ich pendeln kann und was wirklich zu mir passt. Am Ende habe ich mich für die Ausbildung zur Immobilienkauffrau entschieden – das passt einfach gut zu mir und meiner Persönlichkeit.“
Man sollte sich immer vor Augen halten, wie lang unser Berufsleben ist. Daher ist es so wichtig, dass man genau überlegt, ob der aktuelle Weg wirklich zu einem passt – und wenn nicht, ist es absolut ok, das Studium oder die Ausbildung abzubrechen und weiterzusuchen.
Rebecca über den Mut, den eigenen Weg zu ändern
Rückblickend hätte sich Rebecca nach dem Abitur direkt für eine Ausbildung entschieden.
“Vielleicht hätte ich vorher auch noch ein FSJ gemacht – aber ich hätte nicht sofort ein klassisches Studium angefangen. Denn ich glaube, ich war damals einfach noch so unsicher und verloren mit mir selbst war ich noch nicht reif genug für ein Studium. Die Ausbildung war dann der absolut richtige Schritt für mich. Sie hat mir Selbstbewusstsein, Selbstreflexion und Mut gegeben. Sie hat mich wirklich zu mir selbst geführt.”
Bevor Rebecca ihren Studienabbruch offen ausgesprochen hat, hatte sie Angst vor den Reaktionen ihres Umfelds. Umso erleichterter war sie, dass ihre Familie und Freund:innen sehr verständnisvoll reagiert haben.
„Meine Eltern, die haben wirklich gejubelt. Meine Freund:innen haben auch total positiv reagiert und mich nicht unter Druck gesetzt, das Studium noch fertigzumachen. Für mich war das eine große Erleichterung. Als ich den Studienabbruch einmal ausgesprochen hatte, hat sich vieles leichter angefühlt.“
Ich hatte echt Angst vor der Reaktion meines Umfelds, aber am Ende waren alle viel verständnisvoller, als ich gedacht hätte. Meine Eltern und Freund:innen haben mich richtig unterstützt.
Rebecca über den Rückhalt von Familie und Freund:innen
Rebeccas wichtigster Rat für jemanden, der über einen Studienabbruch nachdenkt, ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und wiederkehrende Zweifel ernst zu nehmen.
„Wenn irgendwas in dir schon diesen Gedanken anschmeißt, dann ist ja meistens irgendwas Wahres dran. Ich würde sagen, man sollte sich damit wirklich bewusst auseinandersetzen, sich informieren, Möglichkeiten prüfen und dann ins Handeln kommen. Am Ende geht es nicht darum, einfach irgendeinen Weg durchzuziehen, sondern den zu finden, der wirklich zu einem passt.“
Hör auf dein Bauchgefühl und nimm deine Zweifel ernst.
Dräng Gedanken an einen Abbruch nicht einfach weg.
Informiere dich in Ruhe über Alternativen wie Ausbildung oder duales Studium.
Überlege, welche Lern-, Arbeits- oder Ausbildungsform wirklich zu dir passt.
Vertraue dich deinem Umfeld an und sprich über deine Gedanken und Zweifel.
Denk daran: Ein Umweg bedeutet nicht, dass du gescheitert bist.
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