Wenn Lars Heinlein über erfolgreiche Formate im Hochschulmarketing spricht, wird schnell deutlich: Für ihn gibt es nicht das eine Instrument. Stattdessen beschreibt er ein Zusammenspiel aus Live-Erlebnissen, digitaler Exzellenz und echter Zielgruppenorientierung – und genau darin liegt die strategische Stärke seiner Perspektive.
Nach Corona waren Bildungsmessen zunächst zögerlich besucht, doch inzwischen erlebt Heinlein eine starke Rückkehr zur persönlichen Begegnung. In einer Welt, in der junge Menschen kaum noch unterscheiden können, „was real ist und was unecht wirkt“, gewinnen authentische Gespräche wieder an Bedeutung: „Studieninteressierte wollen den Campus und die Labore sehen, mit echten Menschen sprechen“. Für Hochschulen bedeutet das: Live-Kommunikation bleibt ein relevanter Baustein – aber nicht der einzige.
Heinlein betont klar: Die digitale Heimat der Hochschule ist das Fundament jeder erfolgreichen Studierendengewinnung. Aufmerksamkeit zu erzeugen sei heute schwieriger denn je, denn Hochschulen konkurrieren nicht nur gegen andere Bildungsanbieter – sondern gegen die gesamte Konsumwelt, die permanent um dieselbe Aufmerksamkeit buhlt. Der Content einer Hochschule müsse deshalb „maximal attraktiv, aber minimal cringe (lacht)“ sein, dass er überhaupt eine Chance bekommt, wahrgenommen zu werden.
Darauf reagieren er und sein Team mit einem radikalen Relaunch: Die Website der DHBW wird in den kommenden Jahren zu einer zentralen, vertriebsorientierten Plattform welche konsequent auf die Bedürfnisse der Zielgruppe ausgerichtet ist. Dort wird geduzt, verständlich erklärt und zielgruppenorientiert durch Studienangebote geführt. Heinlein beschreibt offen, dass dieser Ansatz an allen staatlichen Hochschulen Überzeugungsarbeit erfordert, „weil Academia und moderne Marketingvorstellungen mitunter massiv aneinanderreiben“. Doch genau darin sieht er die Chance, ein Benchmark für staatliche Hochschulen zu setzen.
Für Gen Z und Gen Alpha ist Verfügbarkeit entscheidend. Sie wollen Beratungstermine online buchen, Chatbots nutzen, schnelle Antworten erhalten und Informationen „snackable“ konsumieren. Deshalb arbeitet Heinlein an KI-gestützten, personalisierten Studieninfomaterialien und digitalen Prozessen, die individuelle Interessen in Echtzeit bedienen.
Trotz aller digitalen Innovationen bleibt eines bestehen: Studieninteressierte brauchen echten Kontakt. Aber nicht zu jedem Zeitpunkt. Heinlein beschreibt klar die Balance: Online holt man junge Menschen ab, personalisiert, schnell und flexibel – persönlich überzeugt man sie.
Früher zeigten Broschüren Hochschulgebäude, um Vertrauen zu schaffen. Heute muss Vertrauen anders entstehen: durch klare Informationen, glaubwürdige Kommunikation und Menschen, die das Gesicht einer Hochschule prägen – sei es in Beratung, Lehre oder im Unternehmen, bei dem dual Studierende ihren Alltag verbringen.
Sein Fazit: Erfolg entsteht dort, wo Live-Kommunikation, digitale Tools und echte Zielgruppenorientierung nicht gegeneinander, sondern miteinander gedacht werden. Hochschulen, die diesen Dreiklang beherrschen, werden künftig entscheiden, wohin sich Studieninteressierte orientieren.