Eltern-Ratgeber

Klassisch oder dual studieren?

Welcher Weg wirklich zu deinem Kind passt

Jugendliche mit Abitur wollen in der Regel studieren. Was viele nicht wissen: Neben dem klassischen Vollzeitstudium kommt auch die duale Variante in Frage. Wir erklären, was es damit auf sich hat und für wen es sich eignet.

Ein junger Student steht draußen auf dem Campus und hält Lehrbücher.

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Für Eltern von Next-Gen-Kindern war das duale Studium in der eigenen Berufsorientierung wahrscheinlich meist noch kein Thema. Damals steckte das Modell in den Kinderschuhen – heute ist es eine echte Erfolgsgeschichte.

Wie dynamisch sich das duale Studium entwickelt hat, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2024 absolvierten bereits 113.500 Studierende ein duales Studium in über 1.800 Studiengängen – dreimal so viele wie noch vor 20 Jahren!

Vom Pionierprojekt zum Erfolgsmodell:

  • 1982: Erstellung der ersten Berufsakademien in Stuttgart und Mannheim, um Theorie und Praxis zu verbinden.

  • 1995: Gleichstellung mit Fachhochschulabschlüssen.

  • 2009: Akademische Wende – dual Studierende erhalten den anerkannten Bachelor-Abschluss.

  • Heute: Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist die größte staatliche duale Hochschule Deutschlands. Zudem bieten zahlreiche weitere staatliche und private Hochschulen Präsenz- und Fernstudiengänge an.

Das duale Studium auf einen Blick

 Modelle: 

  • Praxisintegrierend: Studium an der Hochschule kombiniert mit Praxisphasen im Unternehmen (Abschluss: Bachelor). 

  • Ausbildungsintegrierend: Studium kombiniert mit einer anerkannten Berufsausbildung (Doppelabschluss: Bachelor + IHK/HWK-Berufsabschluss). 

Fakten & Zahlen: 

  • Dauer: In der Regel 6 bis 8 Semester (3 bis 4 Jahre). 

  • Gehalt: Ø 1.000 bis 1.400 Euro pro Monat ab dem ersten Jahr. 

  • Urlaub: Keine Semesterferien, sondern regulärer Jahresurlaub (25–30 Tage). 

  • Beliebteste Fachrichtungen: Betriebswirtschaftslehre (BWL), Ingenieurwesen, Informatik/IT, Sozial- und Gesundheitswesen. 

Wie funktioniert ein duales Studium?

Wer dual studiert, wechselt regelmäßig zwischen Studienzeiten an der Hochschule und Praxiszeiten in einem Unternehmen. Je nach Modell ist der Studierende entweder an bestimmten Tagen in der Woche an der Hochschule und an den jeweils anderen im Unternehmen, oder der Wechsel vollzieht sich blockweise und damit zum Beispiel alle drei Monate. In der Regel dauern duale Bachelor-Studiengänge 6 bis 8 Semester, also drei bis vier Jahre. Das hängt auch davon ab, ob man sich für ein praxisintegrierendes Studium oder ausbildungsintegrierendes Studium entscheidet. In beiden Fällen arbeiten Studierende praktisch im beruflichen Alltag des Unternehmens mit. Im ausbildungsintegrierenden Modell gibt es zusätzlich noch einen IHK-Ausbildungsabschluss. Weil der Besuch der Berufsschule Teil des Studiums ist, ist dieses Studienmodell auch etwas zeitintensiver.

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Welche Fächer lassen sich dual studieren? 

Nicht in allen Branchen werden duale Studiengänge angeboten. Verbreitet ist es vor allen Dingen in Wirtschaft und Verwaltung, im Ingenieurwesen, in Technik und IT aber auch im Sozial – und Gesundheitswesen. Hier bewährt sich die Kombination aus Theorie und Praxisalltag besonders. Unangefochtener Spitzenreiter ist die Betriebswirtschaftslehre. Rund ein Drittel aller dual Studierender entscheidet sich für diese Fachrichtung. 

Ein duales Studium lohnt sich – auch monetär!

Ein unschlagbarer Vorteil des dualen Studiums ist, dass die Partnerunternehmen von Anfang an ein monatliches Gehalt zahlen. Und das ist in der Regel nicht schlecht. Zwischen 1.000 und 1.400 Euro landen bei den meisten dual Studierenden auf dem Konto. Wie auch während der Ausbildung steigt das Gehalt in der Regel von Jahr zu Jahr und sogar die Studiengebühren werden vom Unternehmen häufig ganz oder zumindest teilweise übernommen. Außerdem bringt man als Absolvent eines dualen Studiums nicht nur akademisches Wissen mit, sondern kennt sich auch bestens mit betrieblichen Abläufen aus. Diese Fusion aus theoretischem Hintergrund und praktischer Erfahrung ist in der Wirtschaft heiß begehrt. Viele Studierende werden deshalb auch direkt nach dem Studienabschluss übernommen, und wenn nicht: Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind sehr gut! 

Butter bei die Fische: Duales Studium = doppelte Arbeit?

Ja, ein duales Studium gilt in der Regel als zeitaufwendiger und anstrengender als ein klassisches Studium. Schließlich muss man sich sowohl in den Hochschul- als auch in den Betriebsalltag einfinden und hat statt der klassischen Semesterferien nur den gewöhnlichen Urlaubsanspruch eines Azubis oder Arbeitnehmers von 25 bis 30 Tagen im Jahr. Auch die Arbeitsbelastung ist höher, wenn man neben dem beruflichen Alltag nicht nur für die Hochschule, sondern ggfs. auch für die Berufsschule lernen muss. Die Studieninhalte sind straff durchgetaktet, um sie trotz Praxiszeit im Unternehmen innerhalb der Regelstudienzeit bewältigen zu können. Das erfordert einiges an Disziplin und Selbstorganisation.

Best of classic

Studierende eines klassischen Vollzeitstudiums sind zeitlich viel flexibler. Lerntempo und Prüfungsanzahl können selbst bestimmt und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Außerdem haben sie mehr Freizeit. Wer klassisch an einer Hochschule studiert, legt einen Fokus auf ein wissenschaftlich-forschendes Studium und erwirbt in der Theorie eine größere, fachliche Tiefe. Weiterer Vorteil: In meinem klassischen Studium muss man sich nicht schon im Vorfeld für einen Arbeitgeber entscheiden. 

Und was ist nun die bessere Wahl?

Letztlich ist es sicherlich auch eine Typenfrage, ob ein duales oder ein klassisches Studium besser zu deinem Kind passt. Wissenshungrige, die sich tief in die Theorie eingraben wollen, zeitlich gerne flexibel sind, sich noch nicht auf eine Branche festlegen wollen, sind ggfs. besser in einem klassischen Hochschulstudium aufgehoben. Praktiker, die die erlernte Theorie auch gerne anwenden wollen, die Wert darauf legen ohne Nebenjobs schon im Studium finanziell abgesichert zu sein, die kein Problem damit haben straffe Zeitpläne ein- und Lernpläne auszuhalten und sich gut organisieren und disziplinieren können, sind im dualen Studium richtig. 

Top 3 Argumente für ein klassisches Studium:

  • hohe zeitliche Flexibilität

  • wissenschaftlich-forschender Fokus

  • mehr Möglichkeiten und Zeit für Auslandsaufenthalte

Top 3 Argumente für ein duales Studium:

  • finanzielle Unabhängigkeit

  • Fokus auf Theorie und Praxis

  • gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Checkliste: Welcher Lerntyp ist dein Kind?

Nutze diese einfache Orientierungshilfe für das gemeinsame Gespräch zu Hause

Möchte dein Kind Theorie direkt im echten Arbeitsalltag anwenden? (→ Duales Studium) 

Dein Kind interessiert sich fürs duale Studium?

Hier findet ihr weitere hilfreiche Infos, Orientierungshilfen und passende Studienplätze:

Judith Strücker

In ihrer Position als Director of Product & Marketing bei Einstieg hat Judith Strücker stets ein Gespür für die Wünsche und Bedürfnisse von Unternehmen, die auf der Suche nach Nachwuchskräften sind. Sie kennt den Arbeitsmarkt sowie die optimalen Bewerbungsprozesse für alle Beteiligten aus nächster Nähe. Wenn es um die Generationen Z und Alpha geht, ist sie deine Ansprechpartnerin: Sie weiß genau, worauf es in der zielgruppengerechten Ansprache und im täglichen Umgang mit der jungen Generation ankommt.