Alles über das Gap Year!
Wohin geht deine Reise?
Autorin: Susanne
Das Handy ist immer dabei, Games und Videos füllen den Nachmittag und Diskussionen ums Abschalten gehören inzwischen zum Alltag vieler Familien. Viele Eltern fragen sich leise oder sehr laut: Ist das noch normal oder verlieren wir gerade den Überblick? Wir haben mit Felix Strobach gesprochen. Der Sozialpädagoge leitet die Jugendsuchtberatungsstelle „Ansprechbar“ von der Drogenhilfe Köln und berät junge Menschen sowie Familien, wenn Medien, Schule und Alltag aus dem Gleichgewicht geraten.
Einstieg: Viele Eltern sind unsicher. Ab wann wird Mediennutzung problematisch? Woran können Eltern erkennen, dass ihr Kind möglicherweise zu viel Zeit mit Games, Social Media oder Videos verbringt?
Felix Strobach: Eltern sollten auf ihr Bauchgefühl hören. Es gibt Kinder, die viel Zeit am Bildschirm verbringen und trotzdem gut im Leben stehen. Sie schlafen gut, essen regelmäßig, bewegen sich, haben soziale Kontakte und kommen in Schule oder Ausbildung zurecht. Es gibt aber auch Kinder, die vergleichsweise selten Medien nutzen und bei denen trotzdem viel aus dem Gleichgewicht gerät. Schlaf, Schule oder Stimmung leiden, Konflikte nehmen zu. Dann fühlt sich etwas nicht stimmig an. Diese innere Alarmglocke ist wichtig. Jede Situation ist individuell. Es ist gut, das eigene Gefühl ernst zu nehmen und das Thema anzusprechen. Auch, wenn das Konflikte auslöst.
Einstieg: Es ist also nicht die Bildschirmzeit entscheidend, sondern das, was im restlichen Leben passiert?
Felix Strobach: Genau. Kritisch wird es, wenn zentrale Lebensbereiche vernachlässigt werden. Dazu gehören Schlaf, Ernährung, Bewegung, Schule oder Ausbildung und soziale Kontakte. Gerade in der Pubertät sind Konflikte und Schwankungen normal. Deshalb ist die Einschätzung immer individuell und hängt von vielen Faktoren ab.
Einstieg: Apropos Pubertät - sind Jugendliche in dieser Phase besonders anfällig für problematischen Medienkonsum?
Felix Strobach: Ja, es ist eine sensible Zeit. Medien bieten genau das, was Jugendliche in dieser Phase suchen. Kontakt zu Gleichaltrigen, Abenteuer, Ablenkung, die Möglichkeit, sich auszuprobieren und Identität zu entwickeln. Gleichzeitig helfen Medien, schwierige Veränderungen im Körper und in der Psyche kurzfristig auszublenden.
Einstieg: Welche Auswirkungen kann übermäßiger Medienkonsum auf Schule, Ausbildung oder soziale Beziehungen haben?
Felix Strobach: Pflichten und Interessen werden vernachlässigt. Das kann zu schlechten Noten, Versetzungsgefährdung oder geringeren Chancen auf eine Ausbildungsstelle führen. Manche Jugendliche ziehen sich sozial zurück und vermeiden reale Begegnungen. Dadurch fehlen wichtige Lernerfahrungen im sozialen Miteinander. Und Konflikte können schnell eskalieren, es kann zu Gewalt in Auseinandersetzungen kommen.
Einstieg: Wie häufig entstehen Konflikte in Familien durch die Mediennutzung und warum eskalieren sie oft?
Felix Strobach: Diese Konflikte gehören häufig zu einem normalen Pubertätsprozess. Sowohl Eltern als auch Jugendliche sind durch körperliche und psychische Veränderungen stark gefordert. Gleichzeitig gibt es hohe Erwartungen durch Schule, Ausbildung und Umfeld. Das erzeugt Druck.
Oft fällt es schwer, diese Zeit als Entwicklungsphase zu sehen, in der Konflikte dazugehören. Stattdessen wird Harmonie oder Leistung angestrebt. Das macht Auseinandersetzungen eher schwieriger.
Konflikte sind kein Zeichen von Versagen, sondern Teil von Entwicklung.
Felix Strobach
Einstieg: Was raten Sie Eltern, die das Gefühl haben, ihr Kind nur noch online zu erleben?
Felix Strobach: Eltern sollten ihre Erziehungsverantwortung ernst nehmen und einen klaren Rahmen setzen. Es muss Dinge geben, die auf jeden Fall passieren müssen, und Dinge, die auf keinen Fall passieren dürfen. In dem Bereich dazwischen sollten Kinder in Verhandlungen einbezogen werden. Mediennutzungsregeln müssen immer wieder neu ausgehandelt werden.
Einstieg: Wie lassen sich Regeln aufstellen, ohne ständig in Machtkämpfe zu geraten?
Felix Strobach: Ganz ehrlich: Ganz ohne Machtkämpfe geht es nicht. Eltern müssen den Rahmen festlegen und durchsetzen. Gleichzeitig hilft es, die Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen, Interesse zu zeigen und wertschätzend zu bleiben. Verhandlungen innerhalb klarer Grenzen sind der Schlüssel.
Einstieg: Welche Rolle spielen Eltern selbst als Vorbilder?
Felix Strobach: Eine sehr große. Das gilt hier genauso wie in allen anderen Lebensbereichen. Wer den Medienkonsum des eigenen Kindes kritisiert, sollte den eigenen Umgang mit dem Smartphone ehrlich reflektieren.
Einstieg: Haben Sie Tipps für Gespräche ohne Vorwürfe?
Felix Strobach: Grenzen sollten klar benannt werden. Innerhalb dieser Grenzen helfen Fragen statt Vorwürfe. Keine Du Botschaften, sondern Ich Botschaften. Zum Beispiel: “Ich wünsche mir...”, “Ich brauche...”, “Ich als Mutter oder Vater muss...”. Hilfreich ist auch, sich auf externe Einschätzungen zu beziehen, etwa von Schule oder Beratungsstellen, und offen zu fragen, wie das Kind selbst die Situation sieht.
Einstieg: Was tun, wenn das Kind sehr abwehrend oder aggressiv reagiert?
Felix Strobach: Bei starken Gefühlen ist Klärung meist nicht möglich. Dann geht es zuerst um Deeskalation und klare Grenzen. Alle Beteiligten müssen erst emotional zur Ruhe kommen. Gespräche funktionieren besser, wenn die Situation entspannt ist.
Einstieg: Ab wann sollten Eltern professionelle Unterstützung suchen?
Felix Strobach: Wieder gilt das Bauchgefühl. Beratung kann auch genutzt werden, um sich erst einmal zu informieren. Es ist besser, den Schritt rechtzeitig zu gehen als zu spät.
Einstieg: Welche Hemmungen haben Eltern oft?
Felix Strobach: Viele haben Angst vor Stigmatisierung oder davor, dass der Prozess sehr belastend wird. Dabei geht es häufig erst einmal um Orientierung und Entlastung.
Nicht nur auf Bildschirmzeiten schauen, sondern auf das gesamte Leben
Dem eigenen Bauchgefühl vertrauen
Eltern müssen klare Regeln festlegen und regelmäßig neu verhandeln
Keine Angst vor Konflikten: Sie gehören zum Prozess dazu
Fragen stellen statt Vorwürfe machen
Eigene Mediennutzung reflektieren
Hilfe lieber früh als zu spät in Anspruch nehmen
Wer sich unsicher ist oder einfach einmal offen sprechen möchte, hat dazu Gelegenheit: Auf der Einstieg Köln bietet Felix Strobach in der Coaching Area eine kostenfreie und unverbindliche Beratung zum Thema Mediennutzung an. Ein Gespräch kann helfen, die eigene Situation besser einzuordnen und neue Wege zu finden.
Kontakt:
Jugendsuchtberatung | Drogenhilfe Köln gGmbH
Victoriastraße 12, 50668 Köln
Tel. 0221 912797 77, Fax 0221 912797 88
Felix Strobach ist Sozialpädagoge und Leiter der Jugendsuchtberatungsstelle Ansprechbar der Drogenhilfe Köln. Er und sein Team beraten junge Menschen sowie deren Eltern und Bezugspersonen bei Fragen und Problemen rund um Substanzkonsum und Mediennutzung.
Die Beratung richtet sich sowohl an Jugendliche mit riskantem Konsumverhalten als auch an Familien, die Orientierung suchen oder frühzeitig Unterstützung in Anspruch nehmen möchten. Gespräche sind vertraulich, freiwillig und können auch rein informativ genutzt werden.
Weitere Informationen zur Jugendsuchtberatung Ansprechbar finden sich auf der Website der Drogenhilfe Köln:
https://www.drogenhilfe.koeln/einrichtungen/jugendsuchtberatung/
Mehr Impulse rund um Berufsorientierung und Elternsein findest du auf Instagram bei @einstieg_ratgeber.
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