Wie gewinnt man die Generation Z und Alpha für eine Ausbildung? Welche Rolle spielen Praktika, Schulen und Eltern – und warum lohnt sich manchmal sogar ein Blick ins Dialekt-Wörterbuch? Antworten auf diese Fragen gibt Sascha Bohn im Gespräch mit Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept. Er spricht darüber, wie persönliche Erfahrungen, analytischer Blick und praxisnahe Ideen helfen, Jugendliche und Unternehmen erfolgreicher zueinander zu bringen.
Wer dem gebürtigen Dresdner zuhört, merkt schnell: Er kennt die Herausforderungen junger Menschen aus eigener Erfahrung, und bleibt dabei immer praxisnah und lösungsorientiert. Genau diese Mischung macht ihn zu einem spannenden Gesprächspartner – insbesondere für Unternehmen, die ihr Azubi-Recruiting neu denken wollen.

 

Inside the Mind: Wer ist Sascha Bohn?

Tiefgründig, reflektiert und bodenständig – so beschreibt sich Sascha Bohn selbst. Eine Mischung, die nicht nur Persönlichkeit zeigt, sondern auch viel über seinen Blick auf Menschen und Themen verrät. Ein Stück „Ostmentalität“, wie er es nennt, prägt ihn dabei bis heute.

Seine Wurzeln liegen fest in Dresden: Hier geboren, aufgewachsen, zwischenzeitlich mal woanders – aber immer wieder zurückgekehrt. Heute lebt und arbeitet er in seiner Heimatstadt.   

 

Vom Fußballplatz in die Politikwissenschaft

Schon früh spielte Sport eine zentrale Rolle im Leben von Sascha Bohn. Zehn Jahre lang stand er für Dynamo Dresden auf dem Platz – mit Leistungsanspruch, Sportgymnasium und dem Traum vom Profifußball. „Natürlich war da der Gedanke: Das könnte mein Beruf werden“, erzählt er.

Doch gesundheitliche Hürden und der hohe Konkurrenzdruck machten diesen Weg unmöglich. „Am Ende muss man ehrlich zu sich sein – es hat einfach nicht gereicht.“ Statt Frust über das Ende eines Traums überwog schließlich die Neugier auf neue Perspektiven. Besonders seine Begeisterung für Deutsch, Geschichte und Politik prägte schon damals seine Schulzeit. Der nächste Schritt war damit klar: ein Studium der Politikwissenschaften.   

 

Energie tanken zwischen Musik und Sport

Fußball spielt heute keine große Rolle mehr im Alltag von Sascha Bohn. Seine Akkus lädt er auf andere Weise: vor allem mit Musik. „Das kann ich sogar während der Arbeit gut nutzen, um in den Tunnel zu kommen“, erzählt er. Abends dagegen helfe Musik, den Tag zu reflektieren – mal sanfte Klavierstücke, aber auch Heavy Metal. „Die Bandbreite ist sehr, sehr groß – je nach Stimmung. Früher war es eher härter, heute darf es auch mal etwas weicher sein. Aber ab und zu braucht es eben den richtigen Druck auf die Ohren.“ sagt er lachend.    

Neben der Musik ist Sport für ihn nach wie vor ein wichtiger Ausgleich. Regelmäßiges Joggen gehört fest zu seinem Alltag – „am liebsten jeden zweiten Tag, einfach um den Kopf freizubekommen.“   

 

„Ich würde mehr ausprobieren“ – ein ehrlicher Blick zurück

Wenn Sascha Bohn heute auf seinen Karriereweg zurückblickt, würde er eine Sache anders machen. „Ich würde mehr ausprobieren“, sagt er nachdenklich. Ein klassisches Hochschulstudium stünde vermutlich nicht mehr ganz oben auf seiner Liste – eher ein duales Studium, das Theorie und Praxis verbindet.

Schon während seiner Studienzeit merkte er, dass die forschungsorientierte Ausrichtung der Politikwissenschaft nicht wirklich zu seinen Zielen passte. „So richtig in die Forschung wollte ich nie – aber die Themen an der Uni waren sehr, sehr forschungslastig und wenig praxisnah.“

Sein Fazit: Viele Jugendliche denken zunächst an das Studium, aber nicht an den entscheidenden Schritt danach. „Es geht nicht nur darum, was man studiert, sondern vor allem darum, was man später damit anfangen kann.“

 

Zwischen Schulen und Unternehmen – der Weg ins Ausbildungsmarketing

Der Einstieg ins Thema Berufsorientierung kam für Sascha Bohn direkt nach dem Studium – eher zufällig über eine Initiativbewerbung. „Das lief über die Arbeitgeberverbände hier in Sachsen, und über ein, zwei Ecken kam das Angebot: Mach doch das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT“, erinnert er sich.

Schnell wurde klar, wie komplex dieses Feld ist. „Das ist ein Dschungel. Ich habe bestimmt anderthalb Jahre gebraucht, um einigermaßen den Überblick zu bekommen.“ Gerade für Außenstehende, ob Jugendliche oder Eltern, sei diese Vielfalt an Strukturen und Möglichkeiten schwer zu durchschauen.

Fünf Jahre lang koordinierte er das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT in Sachsen, führte Audits für das Berufswahlsiegel durch und begleitete Wettbewerbe, bei denen Schulen ihre Konzepte zur Berufsorientierung präsentieren mussten. „Da bekommt man ein Gespür dafür, wie Schulen arbeiten – und wo die Grenzen liegen.“

Später wechselte er zur IHK Potsdam, wo der Fokus stärker auf Unternehmen lag – vor allem kleine und mittelständische Betriebe in ländlichen Regionen. „Da merkst du, was Unternehmen leisten können und wo sie Unterstützung brauchen.“ Diese Erfahrungen prägen seine Arbeit bis heute: mit Impulsen, Denkanstößen und dem Ziel, Unternehmen neue Perspektiven im Ausbildungsmarketing zu eröffnen.   

 

Generation Z & Alpha: Zwischen Vielfalt und Verunsicherung

Wenn es um die Ansprache junger Zielgruppen geht, sieht Sascha Bohn vor allem eines: wachsende Passungsprobleme. „Das Bildungsniveau sinkt, gleichzeitig steigen die Anforderungen in den Ausbildungsberufen – Stichwort Digitalisierung, KI, veränderte Arbeitswelten“, erklärt er. Diese Herausforderung sei für viele Unternehmen bereits heute spürbar.

Hinzu kommt ein Faktor, der die kommenden Jahre prägen wird: die Corona-Jahrgänge. „Die Kinder, die damals in der ersten oder zweiten Klasse waren, steigen jetzt in die Berufsorientierung ein. Dort fehlen oft Grundkompetenzen – lesen, schreiben, rechnen. Unternehmen sehen dann nur: Die Jugendlichen können weniger. Dass das mit Corona zusammenhängt, haben viele nicht mehr auf dem Schirm.“

Die Situation verschärft sich zusätzlich durch die Polarisierung unter den Jugendlichen: Während die einen Angst haben, sich im Dschungel der Möglichkeiten für den falschen Beruf zu entscheiden, fehlt anderen der Zugang zur Arbeitswelt komplett. „Dazwischen gibt es immer weniger Spielraum. Und wir sprechen hier nicht nur von den berühmten 70.000 Jugendlichen ohne Ausbildung – realistisch sind es deutlich mehr.“

Auch die Unternehmen selbst tragen zur Dynamik bei: Vor allem kleine und mittelständische Betriebe reduzieren ihr Ausbildungsangebot. „Wenn gerade dort Plätze wegfallen, trifft das die Jugendlichen mit Haupt- oder Realschulabschluss besonders hart. Der Druck steigt – und am Ende sind die jungen Menschen der Ball in einem Pingpong-Spiel zwischen Erwartungen und Realität“, fasst Bohn zusammen.

 

Praxis schlägt Broschüre

Wenn es um Berufsorientierung geht, hat für Sascha Bohn vor allem eines Gewicht: echte Einblicke statt bloßer Imagewerbung. „Bewährt hat sich natürlich das Praktikum – das zeigen auch Studien. Jugendliche können sich dadurch am besten vorstellen, wie es im Unternehmen aussieht und welche Tätigkeiten dazugehören.“

Doch er betont: Nicht jedes Praktikum ist automatisch wertvoll. „Es kommt auf die Qualität an. Brillenputzen beim Optiker oder Unkraut zupfen im Autohaus – das mag Zeit füllen, aber Orientierung bringt es kaum.“ Entscheidend sei, dass Jugendliche echte Ausbildungsinhalte erleben, ausprobieren und Erfolgserlebnisse sammeln.

„Darum geht es: kleine Aha-Momente, die zeigen, was ich kann – und wo meine Stärken liegen.“ Solche Erlebnisse helfen Jugendlichen nicht nur, passende Berufe zu entdecken, sondern auch, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Für Unternehmen wiederum entsteht so die Chance, Talente frühzeitig zu binden – mit Formaten, die mehr sind als bloße Pflichtübungen.

 

Schulkooperationen: Nähe schaffen ohne großen Aufwand

Für kleine und mittelständische Unternehmen sind Kooperationen mit Schulen ein Schlüssel im Ausbildungsmarketing. „Wenn du eine Schule als Kooperationspartner hast, dann hast du die Jugendlichen quasi vor Ort – du musst sie nicht mehr über Social Media oder die Karriereseite suchen“, erklärt Sascha Bohn. Statt anonymer Ansprache entsteht so persönlicher Kontakt – ein Vorteil, den gerade KMU nutzen können.

Einfach sei das allerdings nicht. „Nicht jede Schule misst der Berufsorientierung eine hohe Priorität bei – und dazu kommen viele andere Unternehmen, die ebenfalls um die Aufmerksamkeit der Schulen buhlen.“ Deshalb brauche es Klarheit über Ziele und einen strukturierten Ansatz.

Gute Beispiele gibt es viele: Unternehmen, die mit ihren Partnerschulen festlegen, welche Aktivitäten in welcher Klassenstufe stattfinden – vom ersten Sensibilisieren in Klasse 5 bis hin zum konkreten Ausprobieren und Auswählen in den höheren Jahrgängen. „Einmal im Jahr setzen sich beide Seiten zusammen, werten aus: Was lief gut, was weniger? Müssen wir anpassen?“, beschreibt Bohn.   

So entstehen langfristige Partnerschaften, die nicht nur Jugendlichen Orientierung geben, sondern auch Unternehmen entlasten. „Ich kenne Betriebe, die decken 60 bis 70 Prozent ihres Ausbildungsbedarfs allein über Schulkooperationen ab – alles Weitere läuft dann über Ausbildungsmessen.“

 

Eltern als unterschätzte Zielgruppe

Im Berufswahlprozess sind Eltern für Jugendliche oft die wichtigsten Ratgeber – doch in der Ansprache von Unternehmen kommen sie häufig zu kurz. „Da ist noch viel Luft nach oben“, meint Sascha Bohn. Seine Empfehlung: Eltern klar und direkt adressieren. „Wenn Flyer oder Inhalte auf Karriereseiten ausschließlich Jugendliche ansprechen, fühlen sich Eltern schnell nicht gemeint. Ein eigener Flyer oder Infobereich für Eltern macht es wahrscheinlicher, dass sie die Informationen auch wirklich lesen.“

Daneben lohnt sich ein Blick ins eigene Unternehmen: Viele Mitarbeitende sind selbst Eltern. „Warum nicht sie einbeziehen, sensibilisieren, vielleicht sogar kleine Lernangebote schaffen? Dann erfährt man, welche Fragen Eltern tatsächlich haben – nicht nur zur Ausbildungsvergütung, sondern auch zu grundlegenden Themen.“

Auch Veranstaltungen lassen sich stärker auf diese Zielgruppe ausrichten. Ein Tag der offenen Tür müsse nicht allein den Jugendlichen gewidmet sein, sondern könne explizit die Eltern einladen. „Die Rolle der Eltern wird selten hinterfragt – dabei haben sie enormen Einfluss. Unternehmen sollten das viel stärker in den Vordergrund stellen“, betont Bohn.

 

Mit Sinus-Jugendmilieus näher an den Lebenswelten der Jugendlichen 

Wenn Unternehmen Jugendliche erreichen wollen, reicht es nicht, pauschal von „Generation Z“ oder „Generation Alpha“ zu sprechen. „Das sind letztlich nur Alterskohorten mit entsprechenden Labels. Aber Jugendliche sind viel unterschiedlicher – und die kann man nicht alle über einen Kamm scheren“, betont Sascha Bohn. Hier setzt er auf die Sinus-Jugendmilieus, von denen er vor ca. 12 Jahren zum ersten Mal gehört hat und mit denen er seit vier Jahren arbeitet.

Die Milieus unterscheiden nach Interessen, Bedürfnissen und Lebenswelten – ein Ansatz, der im Ausbildungsmarketing echten Mehrwert bietet. „Es gibt Jugendliche, die wollen sich sehr früh orientieren, andere leben komplett im Hier und Jetzt. Bei den einen lohnen sich langfristige Formate, bei den anderen eher kurzfristige Aktionen – vielleicht auch mal Guerilla-Marketing.“   

Besonders spannend findet Bohn die Möglichkeit, regionale Bindungen stärker zu nutzen. „Bei traditionell-bürgerlichen Jugendlichen spielt Heimat eine große Rolle. Da kann es viel wirksamer sein, in der Kommunikation Dialekt zu nutzen, statt auf Jugendsprache zu setzen“, erklärt er. Beispiele wie „Mia san mia“ beim FC Bayern oder die landesweite Kampagne „The Länd“ aus Baden-Württemberg zeigen, wie Marken damit Nähe und Identifikation schaffen.

Auch kleinere Aktionen funktionieren nach diesem Prinzip. „Die Hansestadt Hamburg hat für Verwaltungsberufe mit einem typischen Brautpaar vom Standesamt auf einer Postkarte geworben – das spricht genau die Werte von Jugendlichen an, denen Ehe und Familie als gesellschaftlicher Grundpfeiler sowie Kontinuität und Stabilität wichtig sind.“ Solche passgenauen Botschaften, so Bohn, holen junge Menschen in ihrer Lebenswelt ab – und machen Ausbildungsmarketing deutlich wirksamer.

 

Kritische Phase: Zwischen Vertragsunterschrift und Ausbildungsstart

Einer der heikelsten Punkte in der Candidate Journey liegt aus Sicht von Sascha Bohn zwischen der Vertragsunterschrift und dem ersten Ausbildungstag. „Das ist so ein Klassiker: Am Ende weiß man als Unternehmen nicht, ob der- oder diejenige wirklich kommt.“

Gerade in dieser Phase sei es wichtig, die Bindung aktiv zu gestalten. Manche Jugendliche sehen den unterschriebenen Vertrag nicht als Ende der Suche, sondern nutzen ihn als „Pokermöglichkeit“. „Sie haben die Basis sicher und schauen dann trotzdem noch, was sich vielleicht noch Besseres ergibt“, erklärt Bohn.

Deshalb rät er, den Kontakt lebendig zu halten – durch persönliche Kommunikation oder kleine Gesten. Einladungen zu Veranstaltungen, Glückwünsche zum Geburtstag oder kreative Preboarding-Formate können entscheidend sein. „Ich kenne ein Unternehmen, das veranstaltet mit neuen Azubis und ihren Eltern ein kleines Ritual: Alle dürfen an einer Glocke läuten – als Startsignal für den neuen Lebensabschnitt.“

Auch die Einbindung der Eltern könne hier den Ausschlag geben. „Wenn die Eltern überzeugt sind, geben sie den Jugendlichen oft die nötige Sicherheit, dabei zu bleiben.“ Für Unternehmen bedeutet das: Wer diese kritische Phase ernst nimmt, senkt die Gefahr von Absprüngen und stärkt die Bindung langfristig.   

 

„Einfach mal ausprobieren“ 

Zum Schluss hat Sascha Bohn einen klaren Rat. „Man merkt nur durch echte Erfahrungen, ob einem eine Tätigkeit Freude macht, ob das Arbeitsumfeld passt und ob man sich wohlfühlt.“   

Dabei gehe es Jugendlichen längst nicht nur um die Tätigkeit selbst, sondern auch um das Miteinander im Unternehmen. „Dieser Wohlfühlfaktor entsteht nur, wenn man wirklich reinschnuppert – sei es im Ferienjob, bei Probearbeitstagen oder im Praktikum.“   

Für Bohn ist genau das der entscheidende Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft im Berufsleben: „Einfach mal ausprobieren.“   

 

Zum Schluss – ein Wort von Susanne Peters, Einstieg Concept:

Herzlichen Dank an Sascha Bohn für dieses inspirierende Gespräch! Besonders beeindruckt haben mich seine Offenheit und die vielen praxisnahen Einblicke – von den Chancen guter Schulkooperationen über die Rolle der Eltern bis hin zu seiner klaren Botschaft: „Einfach mal ausprobieren.“ Ein Gespräch voller Denkanstöße, das zeigt, wie wichtig Authentizität und Nähe im Azubi-Recruiting sind. 

Bis bald
Susanne Peters – Einstieg Concept

 

Wie gewinnt man die Generation Z und Alpha für eine Ausbildung? Welche Rolle spielen Praktika, Schulen und Eltern – und warum lohnt sich manchmal sogar ein Blick ins Dialekt-Wörterbuch? Antworten auf diese Fragen gibt Sascha Bohn im Gespräch mit Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept. Er spricht darüber, wie persönliche Erfahrungen, analytischer Blick und praxisnahe Ideen helfen, Jugendliche und Unternehmen erfolgreicher zueinander zu bringen.
Wer dem gebürtigen Dresdner zuhört, merkt schnell: Er kennt die Herausforderungen junger Menschen aus eigener Erfahrung, und bleibt dabei immer praxisnah und lösungsorientiert. Genau diese Mischung macht ihn zu einem spannenden Gesprächspartner – insbesondere für Unternehmen, die ihr Azubi-Recruiting neu denken wollen.

 

Inside the Mind: Wer ist Sascha Bohn?

Tiefgründig, reflektiert und bodenständig – so beschreibt sich Sascha Bohn selbst. Eine Mischung, die nicht nur Persönlichkeit zeigt, sondern auch viel über seinen Blick auf Menschen und Themen verrät. Ein Stück „Ostmentalität“, wie er es nennt, prägt ihn dabei bis heute.

Seine Wurzeln liegen fest in Dresden: Hier geboren, aufgewachsen, zwischenzeitlich mal woanders – aber immer wieder zurückgekehrt. Heute lebt und arbeitet er in seiner Heimatstadt.   

 

Vom Fußballplatz in die Politikwissenschaft

Schon früh spielte Sport eine zentrale Rolle im Leben von Sascha Bohn. Zehn Jahre lang stand er für Dynamo Dresden auf dem Platz – mit Leistungsanspruch, Sportgymnasium und dem Traum vom Profifußball. „Natürlich war da der Gedanke: Das könnte mein Beruf werden“, erzählt er.

Doch gesundheitliche Hürden und der hohe Konkurrenzdruck machten diesen Weg unmöglich. „Am Ende muss man ehrlich zu sich sein – es hat einfach nicht gereicht.“ Statt Frust über das Ende eines Traums überwog schließlich die Neugier auf neue Perspektiven. Besonders seine Begeisterung für Deutsch, Geschichte und Politik prägte schon damals seine Schulzeit. Der nächste Schritt war damit klar: ein Studium der Politikwissenschaften.   

 

Energie tanken zwischen Musik und Sport

Fußball spielt heute keine große Rolle mehr im Alltag von Sascha Bohn. Seine Akkus lädt er auf andere Weise: vor allem mit Musik. „Das kann ich sogar während der Arbeit gut nutzen, um in den Tunnel zu kommen“, erzählt er. Abends dagegen helfe Musik, den Tag zu reflektieren – mal sanfte Klavierstücke, aber auch Heavy Metal. „Die Bandbreite ist sehr, sehr groß – je nach Stimmung. Früher war es eher härter, heute darf es auch mal etwas weicher sein. Aber ab und zu braucht es eben den richtigen Druck auf die Ohren.“ sagt er lachend.    

Neben der Musik ist Sport für ihn nach wie vor ein wichtiger Ausgleich. Regelmäßiges Joggen gehört fest zu seinem Alltag – „am liebsten jeden zweiten Tag, einfach um den Kopf freizubekommen.“   

 

„Ich würde mehr ausprobieren“ – ein ehrlicher Blick zurück

Wenn Sascha Bohn heute auf seinen Karriereweg zurückblickt, würde er eine Sache anders machen. „Ich würde mehr ausprobieren“, sagt er nachdenklich. Ein klassisches Hochschulstudium stünde vermutlich nicht mehr ganz oben auf seiner Liste – eher ein duales Studium, das Theorie und Praxis verbindet.

Schon während seiner Studienzeit merkte er, dass die forschungsorientierte Ausrichtung der Politikwissenschaft nicht wirklich zu seinen Zielen passte. „So richtig in die Forschung wollte ich nie – aber die Themen an der Uni waren sehr, sehr forschungslastig und wenig praxisnah.“

Sein Fazit: Viele Jugendliche denken zunächst an das Studium, aber nicht an den entscheidenden Schritt danach. „Es geht nicht nur darum, was man studiert, sondern vor allem darum, was man später damit anfangen kann.“

 

Zwischen Schulen und Unternehmen – der Weg ins Ausbildungsmarketing

Der Einstieg ins Thema Berufsorientierung kam für Sascha Bohn direkt nach dem Studium – eher zufällig über eine Initiativbewerbung. „Das lief über die Arbeitgeberverbände hier in Sachsen, und über ein, zwei Ecken kam das Angebot: Mach doch das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT“, erinnert er sich.

Schnell wurde klar, wie komplex dieses Feld ist. „Das ist ein Dschungel. Ich habe bestimmt anderthalb Jahre gebraucht, um einigermaßen den Überblick zu bekommen.“ Gerade für Außenstehende, ob Jugendliche oder Eltern, sei diese Vielfalt an Strukturen und Möglichkeiten schwer zu durchschauen.

Fünf Jahre lang koordinierte er das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT in Sachsen, führte Audits für das Berufswahlsiegel durch und begleitete Wettbewerbe, bei denen Schulen ihre Konzepte zur Berufsorientierung präsentieren mussten. „Da bekommt man ein Gespür dafür, wie Schulen arbeiten – und wo die Grenzen liegen.“

Später wechselte er zur IHK Potsdam, wo der Fokus stärker auf Unternehmen lag – vor allem kleine und mittelständische Betriebe in ländlichen Regionen. „Da merkst du, was Unternehmen leisten können und wo sie Unterstützung brauchen.“ Diese Erfahrungen prägen seine Arbeit bis heute: mit Impulsen, Denkanstößen und dem Ziel, Unternehmen neue Perspektiven im Ausbildungsmarketing zu eröffnen.   

 

Generation Z & Alpha: Zwischen Vielfalt und Verunsicherung

Wenn es um die Ansprache junger Zielgruppen geht, sieht Sascha Bohn vor allem eines: wachsende Passungsprobleme. „Das Bildungsniveau sinkt, gleichzeitig steigen die Anforderungen in den Ausbildungsberufen – Stichwort Digitalisierung, KI, veränderte Arbeitswelten“, erklärt er. Diese Herausforderung sei für viele Unternehmen bereits heute spürbar.

Hinzu kommt ein Faktor, der die kommenden Jahre prägen wird: die Corona-Jahrgänge. „Die Kinder, die damals in der ersten oder zweiten Klasse waren, steigen jetzt in die Berufsorientierung ein. Dort fehlen oft Grundkompetenzen – lesen, schreiben, rechnen. Unternehmen sehen dann nur: Die Jugendlichen können weniger. Dass das mit Corona zusammenhängt, haben viele nicht mehr auf dem Schirm.“

Die Situation verschärft sich zusätzlich durch die Polarisierung unter den Jugendlichen: Während die einen Angst haben, sich im Dschungel der Möglichkeiten für den falschen Beruf zu entscheiden, fehlt anderen der Zugang zur Arbeitswelt komplett. „Dazwischen gibt es immer weniger Spielraum. Und wir sprechen hier nicht nur von den berühmten 70.000 Jugendlichen ohne Ausbildung – realistisch sind es deutlich mehr.“

Auch die Unternehmen selbst tragen zur Dynamik bei: Vor allem kleine und mittelständische Betriebe reduzieren ihr Ausbildungsangebot. „Wenn gerade dort Plätze wegfallen, trifft das die Jugendlichen mit Haupt- oder Realschulabschluss besonders hart. Der Druck steigt – und am Ende sind die jungen Menschen der Ball in einem Pingpong-Spiel zwischen Erwartungen und Realität“, fasst Bohn zusammen.

 

Praxis schlägt Broschüre

Wenn es um Berufsorientierung geht, hat für Sascha Bohn vor allem eines Gewicht: echte Einblicke statt bloßer Imagewerbung. „Bewährt hat sich natürlich das Praktikum – das zeigen auch Studien. Jugendliche können sich dadurch am besten vorstellen, wie es im Unternehmen aussieht und welche Tätigkeiten dazugehören.“

Doch er betont: Nicht jedes Praktikum ist automatisch wertvoll. „Es kommt auf die Qualität an. Brillenputzen beim Optiker oder Unkraut zupfen im Autohaus – das mag Zeit füllen, aber Orientierung bringt es kaum.“ Entscheidend sei, dass Jugendliche echte Ausbildungsinhalte erleben, ausprobieren und Erfolgserlebnisse sammeln.

„Darum geht es: kleine Aha-Momente, die zeigen, was ich kann – und wo meine Stärken liegen.“ Solche Erlebnisse helfen Jugendlichen nicht nur, passende Berufe zu entdecken, sondern auch, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Für Unternehmen wiederum entsteht so die Chance, Talente frühzeitig zu binden – mit Formaten, die mehr sind als bloße Pflichtübungen.

 

Schulkooperationen: Nähe schaffen ohne großen Aufwand

Für kleine und mittelständische Unternehmen sind Kooperationen mit Schulen ein Schlüssel im Ausbildungsmarketing. „Wenn du eine Schule als Kooperationspartner hast, dann hast du die Jugendlichen quasi vor Ort – du musst sie nicht mehr über Social Media oder die Karriereseite suchen“, erklärt Sascha Bohn. Statt anonymer Ansprache entsteht so persönlicher Kontakt – ein Vorteil, den gerade KMU nutzen können.

Einfach sei das allerdings nicht. „Nicht jede Schule misst der Berufsorientierung eine hohe Priorität bei – und dazu kommen viele andere Unternehmen, die ebenfalls um die Aufmerksamkeit der Schulen buhlen.“ Deshalb brauche es Klarheit über Ziele und einen strukturierten Ansatz.

Gute Beispiele gibt es viele: Unternehmen, die mit ihren Partnerschulen festlegen, welche Aktivitäten in welcher Klassenstufe stattfinden – vom ersten Sensibilisieren in Klasse 5 bis hin zum konkreten Ausprobieren und Auswählen in den höheren Jahrgängen. „Einmal im Jahr setzen sich beide Seiten zusammen, werten aus: Was lief gut, was weniger? Müssen wir anpassen?“, beschreibt Bohn.   

So entstehen langfristige Partnerschaften, die nicht nur Jugendlichen Orientierung geben, sondern auch Unternehmen entlasten. „Ich kenne Betriebe, die decken 60 bis 70 Prozent ihres Ausbildungsbedarfs allein über Schulkooperationen ab – alles Weitere läuft dann über Ausbildungsmessen.“

 

Eltern als unterschätzte Zielgruppe

Im Berufswahlprozess sind Eltern für Jugendliche oft die wichtigsten Ratgeber – doch in der Ansprache von Unternehmen kommen sie häufig zu kurz. „Da ist noch viel Luft nach oben“, meint Sascha Bohn. Seine Empfehlung: Eltern klar und direkt adressieren. „Wenn Flyer oder Inhalte auf Karriereseiten ausschließlich Jugendliche ansprechen, fühlen sich Eltern schnell nicht gemeint. Ein eigener Flyer oder Infobereich für Eltern macht es wahrscheinlicher, dass sie die Informationen auch wirklich lesen.“

Daneben lohnt sich ein Blick ins eigene Unternehmen: Viele Mitarbeitende sind selbst Eltern. „Warum nicht sie einbeziehen, sensibilisieren, vielleicht sogar kleine Lernangebote schaffen? Dann erfährt man, welche Fragen Eltern tatsächlich haben – nicht nur zur Ausbildungsvergütung, sondern auch zu grundlegenden Themen.“

Auch Veranstaltungen lassen sich stärker auf diese Zielgruppe ausrichten. Ein Tag der offenen Tür müsse nicht allein den Jugendlichen gewidmet sein, sondern könne explizit die Eltern einladen. „Die Rolle der Eltern wird selten hinterfragt – dabei haben sie enormen Einfluss. Unternehmen sollten das viel stärker in den Vordergrund stellen“, betont Bohn.

 

Mit Sinus-Jugendmilieus näher an den Lebenswelten der Jugendlichen 

Wenn Unternehmen Jugendliche erreichen wollen, reicht es nicht, pauschal von „Generation Z“ oder „Generation Alpha“ zu sprechen. „Das sind letztlich nur Alterskohorten mit entsprechenden Labels. Aber Jugendliche sind viel unterschiedlicher – und die kann man nicht alle über einen Kamm scheren“, betont Sascha Bohn. Hier setzt er auf die Sinus-Jugendmilieus, von denen er vor ca. 12 Jahren zum ersten Mal gehört hat und mit denen er seit vier Jahren arbeitet.

Die Milieus unterscheiden nach Interessen, Bedürfnissen und Lebenswelten – ein Ansatz, der im Ausbildungsmarketing echten Mehrwert bietet. „Es gibt Jugendliche, die wollen sich sehr früh orientieren, andere leben komplett im Hier und Jetzt. Bei den einen lohnen sich langfristige Formate, bei den anderen eher kurzfristige Aktionen – vielleicht auch mal Guerilla-Marketing.“   

Besonders spannend findet Bohn die Möglichkeit, regionale Bindungen stärker zu nutzen. „Bei traditionell-bürgerlichen Jugendlichen spielt Heimat eine große Rolle. Da kann es viel wirksamer sein, in der Kommunikation Dialekt zu nutzen, statt auf Jugendsprache zu setzen“, erklärt er. Beispiele wie „Mia san mia“ beim FC Bayern oder die landesweite Kampagne „The Länd“ aus Baden-Württemberg zeigen, wie Marken damit Nähe und Identifikation schaffen.

Auch kleinere Aktionen funktionieren nach diesem Prinzip. „Die Hansestadt Hamburg hat für Verwaltungsberufe mit einem typischen Brautpaar vom Standesamt auf einer Postkarte geworben – das spricht genau die Werte von Jugendlichen an, denen Ehe und Familie als gesellschaftlicher Grundpfeiler sowie Kontinuität und Stabilität wichtig sind.“ Solche passgenauen Botschaften, so Bohn, holen junge Menschen in ihrer Lebenswelt ab – und machen Ausbildungsmarketing deutlich wirksamer.

 

Kritische Phase: Zwischen Vertragsunterschrift und Ausbildungsstart

Einer der heikelsten Punkte in der Candidate Journey liegt aus Sicht von Sascha Bohn zwischen der Vertragsunterschrift und dem ersten Ausbildungstag. „Das ist so ein Klassiker: Am Ende weiß man als Unternehmen nicht, ob der- oder diejenige wirklich kommt.“

Gerade in dieser Phase sei es wichtig, die Bindung aktiv zu gestalten. Manche Jugendliche sehen den unterschriebenen Vertrag nicht als Ende der Suche, sondern nutzen ihn als „Pokermöglichkeit“. „Sie haben die Basis sicher und schauen dann trotzdem noch, was sich vielleicht noch Besseres ergibt“, erklärt Bohn.

Deshalb rät er, den Kontakt lebendig zu halten – durch persönliche Kommunikation oder kleine Gesten. Einladungen zu Veranstaltungen, Glückwünsche zum Geburtstag oder kreative Preboarding-Formate können entscheidend sein. „Ich kenne ein Unternehmen, das veranstaltet mit neuen Azubis und ihren Eltern ein kleines Ritual: Alle dürfen an einer Glocke läuten – als Startsignal für den neuen Lebensabschnitt.“

Auch die Einbindung der Eltern könne hier den Ausschlag geben. „Wenn die Eltern überzeugt sind, geben sie den Jugendlichen oft die nötige Sicherheit, dabei zu bleiben.“ Für Unternehmen bedeutet das: Wer diese kritische Phase ernst nimmt, senkt die Gefahr von Absprüngen und stärkt die Bindung langfristig.   

 

„Einfach mal ausprobieren“ 

Zum Schluss hat Sascha Bohn einen klaren Rat. „Man merkt nur durch echte Erfahrungen, ob einem eine Tätigkeit Freude macht, ob das Arbeitsumfeld passt und ob man sich wohlfühlt.“   

Dabei gehe es Jugendlichen längst nicht nur um die Tätigkeit selbst, sondern auch um das Miteinander im Unternehmen. „Dieser Wohlfühlfaktor entsteht nur, wenn man wirklich reinschnuppert – sei es im Ferienjob, bei Probearbeitstagen oder im Praktikum.“   

Für Bohn ist genau das der entscheidende Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft im Berufsleben: „Einfach mal ausprobieren.“   

 

Zum Schluss – ein Wort von Susanne Peters, Einstieg Concept:

Herzlichen Dank an Sascha Bohn für dieses inspirierende Gespräch! Besonders beeindruckt haben mich seine Offenheit und die vielen praxisnahen Einblicke – von den Chancen guter Schulkooperationen über die Rolle der Eltern bis hin zu seiner klaren Botschaft: „Einfach mal ausprobieren.“ Ein Gespräch voller Denkanstöße, das zeigt, wie wichtig Authentizität und Nähe im Azubi-Recruiting sind. 

Bis bald
Susanne Peters – Einstieg Concept

 

  • Wie finden junge Menschen heute ihren Weg zwischen Schule, Ausbildung, Studium und all den Möglichkeiten dazwischen? Was hilft ihnen wirklich bei der Orientierung? Und was können Unternehmen daraus lernen?

    Wie finden junge Menschen heute ihren Weg zwischen Schule, Ausbildung, Studium und all den Möglichkeiten dazwischen? Was hilft ihnen wirklich bei der Orientierung? Und was können Unternehmen daraus lernen?

  • Wie gewinnt das Handwerk heute junge Menschen und vor allem junge Frauen? Und was braucht es, damit sie nicht nur einsteigen, sondern auch bleiben? Kaum jemand sieht diese Fragen so klar wie Maja Liebisch von der Handwerkskammer Hamburg. Mit einer Mischung aus Leidenschaft, Pragmatismus und echtem Verständnis für die junge Generation begleitet sie Betriebe und Auszubildende seit vielen Jahren.

    Wie gewinnt das Handwerk heute junge Menschen und vor allem junge Frauen? Und was braucht es, damit sie nicht nur einsteigen, sondern auch bleiben? Kaum jemand sieht diese Fragen so klar wie Maja Liebisch von der Handwerkskammer Hamburg. Mit einer Mischung aus Leidenschaft, Pragmatismus und echtem Verständnis für die junge Generation begleitet sie Betriebe und Auszubildende seit vielen Jahren.

  • Wie gewinnt das Handwerk heute junge Menschen und vor allem junge Frauen? Und was braucht es, damit sie nicht nur einsteigen, sondern auch bleiben? Kaum jemand sieht diese Fragen so klar wie Maja Liebisch von der Handwerkskammer Hamburg. Mit einer Mischung aus Leidenschaft, Pragmatismus und echtem Verständnis für die junge Generation begleitet sie Betriebe und Auszubildende seit vielen Jahren.

    Wie gewinnt das Handwerk heute junge Menschen und vor allem junge Frauen? Und was braucht es, damit sie nicht nur einsteigen, sondern auch bleiben? Kaum jemand sieht diese Fragen so klar wie Maja Liebisch von der Handwerkskammer Hamburg. Mit einer Mischung aus Leidenschaft, Pragmatismus und echtem Verständnis für die junge Generation begleitet sie Betriebe und Auszubildende seit vielen Jahren.