
Alexander Steffen ist jemand, der Ausbildung nicht als Prozess, sondern als Beziehung versteht. Er kommt aus der IT, ist inzwischen gefragter Ausbilder, Speaker, Buchautor – und vor allem jemand, der junge Menschen wirklich erreichen will. Mit viel Herz und einer klaren Meinung dazu, wie Berufsorientierung und Azubi-Marketing heute funktionieren sollten.
Im Gespräch mit Susanne Peters von Einstieg Concept erzählt er, warum echte Begegnungen wichtiger sind als perfekte Kampagnen, wie Unternehmen sich im Pre- und Onboarding besser aufstellen können und warum ein ehrlich gemeinter Handschlag manchmal mehr bewirkt als jedes Hochglanzvideo. Ein Interview, das inspiriert, zum Nachdenken anregt – und Mut macht, neue Wege zu gehen.
Inside the Mind: Wer ist Alexander Steffen?
Drei Worte genügen, um Alexander Steffen ein erstes, aber deutliches Profil zu geben: kreativ, unkonventionell, hands-on. Kein Jobtitel, kein Fachjargon – stattdessen ein Selbstbild, das Klarheit schafft. Steffen ist jemand, der lieber ausprobiert als abwartet, der querdenkt, ohne es zu inszenieren, und der Dinge anpackt, statt sie nur zu besprechen.
Dieser Dreiklang beschreibt nicht nur seine Persönlichkeit, sondern prägt auch seinen beruflichen Ansatz: mutig denken, pragmatisch handeln – und dabei nie den Menschen aus dem Blick verlieren.
Vom Käfer zum Karrierebegleiter
Einen Kindheitstraum im klassischen Sinne hatte Alexander Steffen nicht. „Ich war planlos als Kind“, sagt er offen. Weder Feuerwehrmann noch Pilot – nur der Wunsch, irgendwann mal einen Porsche zu fahren, war da. „Geworden ist es ein Käfer“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Was ihn heute begeistert, ist dafür umso konkreter: Menschen auf ihrem Weg zu begleiten – und zwar genau dort, wo Entwicklung spürbar wird. „Die kommen mit deutlich weniger Erfahrung, als sie gehen – das in kurzer Zeit mitzuerleben, ist unglaublich spannend.“ Es ist genau dieser Prozess zwischen Potenzial und Perspektive, der ihn antreibt.
Energie durch Familie, Fahrrad und Feinmechanik
Wenn Alexander Steffen abschalten will, braucht es keinen großen Plan – sondern Bewegung, Nähe und ein bisschen Neugier. Seine Familie ist der wichtigste Rückzugsort, dazu kommt das Fahrrad als Mittel zum Ausgleich und Perspektivwechsel.
Und dann ist da noch die spielerische Seite: „Ich bin ein Spielkind“, sagt er selbst. Besonders glücklich macht ihn das Tüfteln – zum Beispiel an alten Maschinen. „Ich nehme gern meine italienische Espressomaschine auseinander – einfach um zu verstehen, wie sie funktioniert. Auch wenn ich keine Ahnung habe – das gehört dazu.“ Es ist genau diese Mischung aus Pragmatismus und Neugier, die sich durch viele Lebensbereiche zieht.
Rückblick mit einem klaren „Mach es genauso“
Alexander Steffen hat keinen klassischen HR-Weg eingeschlagen und würde es auch heute nicht anders machen. „Ich bin über die IT in die Ausbildung gerutscht – und das war genau richtig.“ Seine technische Erfahrung gibt ihm heute in der Arbeit mit Menschen einen klaren Vorteil: Er versteht die Systeme, denkt vernetzt und kann digitale Entwicklungen praxisnah vermitteln.
Seinem jüngeren Ich würde er daher keinen neuen Weg vorschlagen, sondern es ermutigen, den eingeschlagenen Kurs zu halten – mit einem kleinen Extra: „Vielleicht würde ich noch ein Auslandsjahr einbauen.“ Ansonsten gilt für ihn: Manchmal entsteht der richtige Weg eben genau dort, wo man ihn nicht geplant hat.
Drei Dinge, die immer dazugehören
Eine Mischung aus Technik, Team und Tempo: „Drei Monitore – mindestens,“ sagt er augenzwinkernd. Denn für jemanden mit IT-Background ist der Überblick über viele Themen gleichzeitig nicht Luxus, sondern Notwendigkeit.
Genauso wichtig sind ihm Menschen und echter Austausch – Gespräche, Impulse, Reibung inklusive. Und schließlich: Herausforderungen. „Unerwartete Situationen bringen mich in den Flow – das brauche ich.“ Struktur ja, aber bitte mit Spielraum für Überraschungen.
Digitalisierung durch Krise – und was davon bleibt
Trotz IT-Background war auch sein Ausbildungsalltag bis zur Corona-Pandemie stark auf Präsenz ausgerichtet. Doch Corona zwang zum Umdenken und eröffnete neue Möglichkeiten. „Wir mussten uns fragen: Wie können wir jetzt überhaupt noch ausbilden?“ Die Antwort lag in der Digitalisierung – und zwar schnell, kreativ und praxisnah.
Viele der damals entwickelten Formate haben für ihn auch heute noch Bestand. „Einige haben das Gute aus der Krise mitgenommen, andere haben’s wieder vergessen.“ Doch so hilfreich digitale Tools sind, warnt Steffen auch vor ihren Schattenseiten: „Diese Terminflut ohne Pausen, ein Call nach dem anderen – das war früher in Präsenz oft natürlicher und menschlicher getaktet.“
Aufeinander zugehen statt übereinander urteilen
Wenn es um die Generationen Z und Alpha geht, schlägt Alexander Steffen einen differenzierten Ton an. Statt mit dem Finger auf „die Jugend von heute“ zu zeigen, nimmt er beide Seiten in die Verantwortung: „Die größte Herausforderung ist nicht die junge Generation. Es ist, dass beide Seiten aufeinander zugehen müssen.“
Er plädiert für ein gegenseitiges Verständnis. Für veränderte Werte, neue Kommunikationsformen und die Bereitschaft, dazuzulernen. Denn nur wenn Unternehmen sich wirklich auf junge Menschen einlassen und diese gleichzeitig verstehen, dass Wandel auch im System Zeit braucht, kann ein fruchtbarer Dialog entstehen. Nicht über, sondern miteinander reden – das ist für Steffen der eigentliche Schlüssel.
Nachwuchsgewinnung im Wandel: Schneller, digitaler, pragmatischer
Alexander Steffen sieht klare Trends, die die Nachwuchsgewinnung in den kommenden fünf Jahren prägen werden. „Ich glaube, die Art, wie wir auswählen, wird sich stark verändern.“ Klassische Auswahlverfahren wie Assessment Center verlieren an Relevanz. Nicht zuletzt, weil Bewerberzahlen sinken und der Wettbewerb um junge Talente steigt.
„Unternehmen werden schneller entscheiden, weil sie schneller entscheiden müssen,“ so Steffen. Die Zeit, auf den „perfekten Kandidaten“ zu warten, werde es immer seltener geben. Stattdessen zählen Tempo, Pragmatismus und die Fähigkeit, Potenzial frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig wird der Auswahlprozess – wie fast alles – weiter digitalisiert. Für Steffen ist klar: Die Zukunft der Nachwuchsgewinnung ist nicht nur digitaler, sondern auch direkter.
Realistische Erwartungen brauchen ehrliche Kommunikation
Für Alexander Steffen liegt der Schlüssel nicht in neuen Versprechen, sondern im gegenseitigen Verstehen. „Junge Leute kommen mit der Erwartung, dass sich Arbeit und Leben integrieren lassen – dass Flexibilität selbstverständlich ist und sie sich nicht wie frühere Generationen‚‘tot arbeiten‘ müssen.“ Diese Haltung sei nicht naiv, sondern Ausdruck eines berechtigten Wunschs nach Selbstbestimmung.
Gleichzeitig sieht Steffen die Notwendigkeit, diese Erwartungen realistisch einzuordnen: „Es braucht eine Übersetzung, denn nicht alles lässt sich sofort so umsetzen. Und natürlich passt nicht jede Vorstellung mit jeder betrieblichen Realität zusammen.“ Wer sich zum Beispiel bewusst gegen das klassische Vollzeitmodell entscheidet, müsse auch verstehen, dass nicht automatisch alle Ansprüche erfüllt werden können, schon gar nicht in Form eines sechsstellig dotierten Jobs.
„Am Ende kommt es auf Kommunikation an – auf beiden Seiten. Die jungen Leute dürfen ihre Ansprüche haben. Und die Unternehmen sollten ihnen ehrlich erklären, was davon realisierbar ist.“ Nur so entsteht ein gegenseitiges Verständnis, das eine moderne und faire Arbeitswelt möglich macht.
Beziehung statt Maßnahme: Was Berufsorientierung wirklich braucht
Für Alexander Steffen ist klar: Gute Berufsorientierung ist keine einmalige Aktion – sondern Beziehung. Und genau das verändert auch den Blick auf Recruiting und Azubimarketing. „Es bringt nichts, sich auf TikTok zu stürzen, wenn die Jugendlichen dann auf der Karriereseite landen und dort ein unzeitgemäßes Formular ausfüllen müssen.“
Sein Appell an Unternehmen: Erst die Basics, dann die Buzzwords. Bevor man über Trendplattformen und neue Formate nachdenkt, müsse das Fundament stimmen – vom Bewerbungsprozess über die Kommunikation bis zur Ansprache auf der Website. „Erstmal die Bodenplatte gießen – modern, benutzerfreundlich, authentisch. Wenn das steht, kann man Ressourcen in Social Media und neue Wege stecken.“
Berufsorientierung ernst zunehmen heißt für Steffen also: in echten Kontakt treten, konsequent vom Nutzer her denken und langfristig dranbleiben, statt kurzfristig zu blenden.
Social Media im Azubi-Marketing: Hochkant denken, quer umsetzen
Social Media ist aus dem Azubi-Marketing kaum mehr wegzudenken, doch Alexander Steffen warnt davor, sich von Hype und Hashtags treiben zu lassen. „Ich hab meine Azubis gefragt und die Antwort war eindeutig.“ Für die erste Orientierung sei Content im Hochkantformat – etwa auf Instagram oder TikTok – perfekt. „Aber wenn’s ernst wird, setzen sie sich an den Rechner und wollen Querformat. Dann schreiben sie ihre Bewerbung ganz klassisch.“
Sein Fazit: Social Media ist Türöffner, nicht Hauptsache. Plattformen wie TikTok können kurzfristig hohe Reichweiten erzeugen, „wenn man den Trend erkennt und schnell reagiert.“ Aber genau hier liegt die Herausforderung: Ohne kontinuierliche Pflege bringt auch der beste Kanal nichts. „Ein TikTok-Account, der dann verwaist, weil niemand sich wirklich kümmert – das ist schlimmer als gar keiner.“
Deshalb rät Steffen: Zuerst die Basics, dann die Bühne. Nur wer bereit ist, dauerhaft Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren, sollte sich auf Social Media stürzen. Alles andere wirkt schnell bemüht und schreckt die Zielgruppe eher ab, als sie zu gewinnen.
Pre- und Onboarding: Beziehung vor Prozess
Für Alexander Steffen ist klar: Erfolgreiches Pre- und Onboarding ist vor allem eines – Beziehungspflege. „Verträge und Unterlagen sind wichtig, aber entscheidend ist das Gefühl, das Azubis mitnehmen: Werde ich als Mensch wahrgenommen?“ Genau deshalb hat er ein Buch geschrieben, das weniger Theorie liefert, sondern eine konkrete Toolbox für die Praxis.
Die Idee dazu entstand aus einem Mangel: „Ich habe selbst nach Inspiration gesucht und nichts gefunden. Also habe ich angefangen zu schreiben.“ Herausgekommen ist ein Buch voller anwendbarer Ideen – von persönlich geschriebenen Postkarten über kleine Willkommensboxen bis hin zu emotionalen Ankern vor dem ersten Arbeitstag. „Nicht alles passt zu jedem Unternehmen, aber jeder kann etwas mitnehmen.“
Sein wichtigster Tipp für Unternehmen, die beim Pre- und Onboarding noch nicht gut aufgestellt sind: Menschlichkeit vor Methode. „Da, wo ein echter Mensch sagt: ‚Schön, dass du da bist, Wir gehen das gemeinsam an‘, entsteht Bindung.“ Denn Ausbildungsinhalte und Gehalt sind oft austauschbar. Aber das Gefühl, wirklich gesehen zu werden, macht den Unterschied. Besonders wirkungsvoll: Wenn Azubis selbst Teil des Prozesses werden und ihre Perspektive einbringen. „Das schafft Authentizität und zeigt: Ihr seid bei uns nicht nur angekommen, ihr gehört jetzt dazu.“
Praktikum statt Panik
Wenn Alexander Steffen nur einen Tipp für eine erfolgreiche berufliche Zukunft geben dürfte, wäre es dieser: „Macht Praktika!“ Für ihn ist klar: Nicht der geradlinige Weg zählt, sondern die Erfahrung. „Nur weil man mehrere Praktika macht, ist man nicht sprunghaft – sondern reflektiert. Man weiß dann, was eben nicht passt. Und das ist ein echter Gewinn.“
Der Druck, direkt nach der Schule in eine Ausbildung zu starten, ist aus seiner Sicht überholt. Stattdessen plädiert er für Mut zur Erkundungsschleife: „Ein Gap Year, freiwillige Erfahrungen, Beratungsgespräche – all das hilft, fundierter zu entscheiden.“ Dabei rät er auch: Die Angebote der Arbeitsagentur nicht unterschätzen. „Die haben einen super Überblick und bieten echte Orientierung. Man muss sie nur nutzen.“
Zum Schluss – ein Wort von Susanne Peters, Einstieg Concept:
Das Gespräch mit Alexander Steffen war für mich nicht nur fachlich inspirierend, sondern auch persönlich bereichernd. Seine klare Haltung zur Ausbildung als Beziehungsarbeit und sein Blick auf junge Zielgruppen haben mich beeindruckt. Besonders schön: Unsere gemeinsame Leidenschaft fürs Radfahren – Alexander hat gerade eine Alpenüberquerung hinter sich. Dieses gemeinsame Interesse hat das Gespräch noch nahbarer gemacht. Vielen Dank, lieber Alexander, für den offenen, ehrlichen und inspirierenden Austausch!
Bis bald
Susanne Peters – Einstieg Concept

Alexander Steffen ist jemand, der Ausbildung nicht als Prozess, sondern als Beziehung versteht. Er kommt aus der IT, ist inzwischen gefragter Ausbilder, Speaker, Buchautor – und vor allem jemand, der junge Menschen wirklich erreichen will. Mit viel Herz und einer klaren Meinung dazu, wie Berufsorientierung und Azubi-Marketing heute funktionieren sollten.
Im Gespräch mit Susanne Peters von Einstieg Concept erzählt er, warum echte Begegnungen wichtiger sind als perfekte Kampagnen, wie Unternehmen sich im Pre- und Onboarding besser aufstellen können und warum ein ehrlich gemeinter Handschlag manchmal mehr bewirkt als jedes Hochglanzvideo. Ein Interview, das inspiriert, zum Nachdenken anregt – und Mut macht, neue Wege zu gehen.
Inside the Mind: Wer ist Alexander Steffen?
Drei Worte genügen, um Alexander Steffen ein erstes, aber deutliches Profil zu geben: kreativ, unkonventionell, hands-on. Kein Jobtitel, kein Fachjargon – stattdessen ein Selbstbild, das Klarheit schafft. Steffen ist jemand, der lieber ausprobiert als abwartet, der querdenkt, ohne es zu inszenieren, und der Dinge anpackt, statt sie nur zu besprechen.
Dieser Dreiklang beschreibt nicht nur seine Persönlichkeit, sondern prägt auch seinen beruflichen Ansatz: mutig denken, pragmatisch handeln – und dabei nie den Menschen aus dem Blick verlieren.
Vom Käfer zum Karrierebegleiter
Einen Kindheitstraum im klassischen Sinne hatte Alexander Steffen nicht. „Ich war planlos als Kind“, sagt er offen. Weder Feuerwehrmann noch Pilot – nur der Wunsch, irgendwann mal einen Porsche zu fahren, war da. „Geworden ist es ein Käfer“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Was ihn heute begeistert, ist dafür umso konkreter: Menschen auf ihrem Weg zu begleiten – und zwar genau dort, wo Entwicklung spürbar wird. „Die kommen mit deutlich weniger Erfahrung, als sie gehen – das in kurzer Zeit mitzuerleben, ist unglaublich spannend.“ Es ist genau dieser Prozess zwischen Potenzial und Perspektive, der ihn antreibt.
Energie durch Familie, Fahrrad und Feinmechanik
Wenn Alexander Steffen abschalten will, braucht es keinen großen Plan – sondern Bewegung, Nähe und ein bisschen Neugier. Seine Familie ist der wichtigste Rückzugsort, dazu kommt das Fahrrad als Mittel zum Ausgleich und Perspektivwechsel.
Und dann ist da noch die spielerische Seite: „Ich bin ein Spielkind“, sagt er selbst. Besonders glücklich macht ihn das Tüfteln – zum Beispiel an alten Maschinen. „Ich nehme gern meine italienische Espressomaschine auseinander – einfach um zu verstehen, wie sie funktioniert. Auch wenn ich keine Ahnung habe – das gehört dazu.“ Es ist genau diese Mischung aus Pragmatismus und Neugier, die sich durch viele Lebensbereiche zieht.
Rückblick mit einem klaren „Mach es genauso“
Alexander Steffen hat keinen klassischen HR-Weg eingeschlagen und würde es auch heute nicht anders machen. „Ich bin über die IT in die Ausbildung gerutscht – und das war genau richtig.“ Seine technische Erfahrung gibt ihm heute in der Arbeit mit Menschen einen klaren Vorteil: Er versteht die Systeme, denkt vernetzt und kann digitale Entwicklungen praxisnah vermitteln.
Seinem jüngeren Ich würde er daher keinen neuen Weg vorschlagen, sondern es ermutigen, den eingeschlagenen Kurs zu halten – mit einem kleinen Extra: „Vielleicht würde ich noch ein Auslandsjahr einbauen.“ Ansonsten gilt für ihn: Manchmal entsteht der richtige Weg eben genau dort, wo man ihn nicht geplant hat.
Drei Dinge, die immer dazugehören
Eine Mischung aus Technik, Team und Tempo: „Drei Monitore – mindestens,“ sagt er augenzwinkernd. Denn für jemanden mit IT-Background ist der Überblick über viele Themen gleichzeitig nicht Luxus, sondern Notwendigkeit.
Genauso wichtig sind ihm Menschen und echter Austausch – Gespräche, Impulse, Reibung inklusive. Und schließlich: Herausforderungen. „Unerwartete Situationen bringen mich in den Flow – das brauche ich.“ Struktur ja, aber bitte mit Spielraum für Überraschungen.
Digitalisierung durch Krise – und was davon bleibt
Trotz IT-Background war auch sein Ausbildungsalltag bis zur Corona-Pandemie stark auf Präsenz ausgerichtet. Doch Corona zwang zum Umdenken und eröffnete neue Möglichkeiten. „Wir mussten uns fragen: Wie können wir jetzt überhaupt noch ausbilden?“ Die Antwort lag in der Digitalisierung – und zwar schnell, kreativ und praxisnah.
Viele der damals entwickelten Formate haben für ihn auch heute noch Bestand. „Einige haben das Gute aus der Krise mitgenommen, andere haben’s wieder vergessen.“ Doch so hilfreich digitale Tools sind, warnt Steffen auch vor ihren Schattenseiten: „Diese Terminflut ohne Pausen, ein Call nach dem anderen – das war früher in Präsenz oft natürlicher und menschlicher getaktet.“
Aufeinander zugehen statt übereinander urteilen
Wenn es um die Generationen Z und Alpha geht, schlägt Alexander Steffen einen differenzierten Ton an. Statt mit dem Finger auf „die Jugend von heute“ zu zeigen, nimmt er beide Seiten in die Verantwortung: „Die größte Herausforderung ist nicht die junge Generation. Es ist, dass beide Seiten aufeinander zugehen müssen.“
Er plädiert für ein gegenseitiges Verständnis. Für veränderte Werte, neue Kommunikationsformen und die Bereitschaft, dazuzulernen. Denn nur wenn Unternehmen sich wirklich auf junge Menschen einlassen und diese gleichzeitig verstehen, dass Wandel auch im System Zeit braucht, kann ein fruchtbarer Dialog entstehen. Nicht über, sondern miteinander reden – das ist für Steffen der eigentliche Schlüssel.
Nachwuchsgewinnung im Wandel: Schneller, digitaler, pragmatischer
Alexander Steffen sieht klare Trends, die die Nachwuchsgewinnung in den kommenden fünf Jahren prägen werden. „Ich glaube, die Art, wie wir auswählen, wird sich stark verändern.“ Klassische Auswahlverfahren wie Assessment Center verlieren an Relevanz. Nicht zuletzt, weil Bewerberzahlen sinken und der Wettbewerb um junge Talente steigt.
„Unternehmen werden schneller entscheiden, weil sie schneller entscheiden müssen,“ so Steffen. Die Zeit, auf den „perfekten Kandidaten“ zu warten, werde es immer seltener geben. Stattdessen zählen Tempo, Pragmatismus und die Fähigkeit, Potenzial frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig wird der Auswahlprozess – wie fast alles – weiter digitalisiert. Für Steffen ist klar: Die Zukunft der Nachwuchsgewinnung ist nicht nur digitaler, sondern auch direkter.
Realistische Erwartungen brauchen ehrliche Kommunikation
Für Alexander Steffen liegt der Schlüssel nicht in neuen Versprechen, sondern im gegenseitigen Verstehen. „Junge Leute kommen mit der Erwartung, dass sich Arbeit und Leben integrieren lassen – dass Flexibilität selbstverständlich ist und sie sich nicht wie frühere Generationen‚‘tot arbeiten‘ müssen.“ Diese Haltung sei nicht naiv, sondern Ausdruck eines berechtigten Wunschs nach Selbstbestimmung.
Gleichzeitig sieht Steffen die Notwendigkeit, diese Erwartungen realistisch einzuordnen: „Es braucht eine Übersetzung, denn nicht alles lässt sich sofort so umsetzen. Und natürlich passt nicht jede Vorstellung mit jeder betrieblichen Realität zusammen.“ Wer sich zum Beispiel bewusst gegen das klassische Vollzeitmodell entscheidet, müsse auch verstehen, dass nicht automatisch alle Ansprüche erfüllt werden können, schon gar nicht in Form eines sechsstellig dotierten Jobs.
„Am Ende kommt es auf Kommunikation an – auf beiden Seiten. Die jungen Leute dürfen ihre Ansprüche haben. Und die Unternehmen sollten ihnen ehrlich erklären, was davon realisierbar ist.“ Nur so entsteht ein gegenseitiges Verständnis, das eine moderne und faire Arbeitswelt möglich macht.
Beziehung statt Maßnahme: Was Berufsorientierung wirklich braucht
Für Alexander Steffen ist klar: Gute Berufsorientierung ist keine einmalige Aktion – sondern Beziehung. Und genau das verändert auch den Blick auf Recruiting und Azubimarketing. „Es bringt nichts, sich auf TikTok zu stürzen, wenn die Jugendlichen dann auf der Karriereseite landen und dort ein unzeitgemäßes Formular ausfüllen müssen.“
Sein Appell an Unternehmen: Erst die Basics, dann die Buzzwords. Bevor man über Trendplattformen und neue Formate nachdenkt, müsse das Fundament stimmen – vom Bewerbungsprozess über die Kommunikation bis zur Ansprache auf der Website. „Erstmal die Bodenplatte gießen – modern, benutzerfreundlich, authentisch. Wenn das steht, kann man Ressourcen in Social Media und neue Wege stecken.“
Berufsorientierung ernst zunehmen heißt für Steffen also: in echten Kontakt treten, konsequent vom Nutzer her denken und langfristig dranbleiben, statt kurzfristig zu blenden.
Social Media im Azubi-Marketing: Hochkant denken, quer umsetzen
Social Media ist aus dem Azubi-Marketing kaum mehr wegzudenken, doch Alexander Steffen warnt davor, sich von Hype und Hashtags treiben zu lassen. „Ich hab meine Azubis gefragt und die Antwort war eindeutig.“ Für die erste Orientierung sei Content im Hochkantformat – etwa auf Instagram oder TikTok – perfekt. „Aber wenn’s ernst wird, setzen sie sich an den Rechner und wollen Querformat. Dann schreiben sie ihre Bewerbung ganz klassisch.“
Sein Fazit: Social Media ist Türöffner, nicht Hauptsache. Plattformen wie TikTok können kurzfristig hohe Reichweiten erzeugen, „wenn man den Trend erkennt und schnell reagiert.“ Aber genau hier liegt die Herausforderung: Ohne kontinuierliche Pflege bringt auch der beste Kanal nichts. „Ein TikTok-Account, der dann verwaist, weil niemand sich wirklich kümmert – das ist schlimmer als gar keiner.“
Deshalb rät Steffen: Zuerst die Basics, dann die Bühne. Nur wer bereit ist, dauerhaft Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren, sollte sich auf Social Media stürzen. Alles andere wirkt schnell bemüht und schreckt die Zielgruppe eher ab, als sie zu gewinnen.
Pre- und Onboarding: Beziehung vor Prozess
Für Alexander Steffen ist klar: Erfolgreiches Pre- und Onboarding ist vor allem eines – Beziehungspflege. „Verträge und Unterlagen sind wichtig, aber entscheidend ist das Gefühl, das Azubis mitnehmen: Werde ich als Mensch wahrgenommen?“ Genau deshalb hat er ein Buch geschrieben, das weniger Theorie liefert, sondern eine konkrete Toolbox für die Praxis.
Die Idee dazu entstand aus einem Mangel: „Ich habe selbst nach Inspiration gesucht und nichts gefunden. Also habe ich angefangen zu schreiben.“ Herausgekommen ist ein Buch voller anwendbarer Ideen – von persönlich geschriebenen Postkarten über kleine Willkommensboxen bis hin zu emotionalen Ankern vor dem ersten Arbeitstag. „Nicht alles passt zu jedem Unternehmen, aber jeder kann etwas mitnehmen.“
Sein wichtigster Tipp für Unternehmen, die beim Pre- und Onboarding noch nicht gut aufgestellt sind: Menschlichkeit vor Methode. „Da, wo ein echter Mensch sagt: ‚Schön, dass du da bist, Wir gehen das gemeinsam an‘, entsteht Bindung.“ Denn Ausbildungsinhalte und Gehalt sind oft austauschbar. Aber das Gefühl, wirklich gesehen zu werden, macht den Unterschied. Besonders wirkungsvoll: Wenn Azubis selbst Teil des Prozesses werden und ihre Perspektive einbringen. „Das schafft Authentizität und zeigt: Ihr seid bei uns nicht nur angekommen, ihr gehört jetzt dazu.“
Praktikum statt Panik
Wenn Alexander Steffen nur einen Tipp für eine erfolgreiche berufliche Zukunft geben dürfte, wäre es dieser: „Macht Praktika!“ Für ihn ist klar: Nicht der geradlinige Weg zählt, sondern die Erfahrung. „Nur weil man mehrere Praktika macht, ist man nicht sprunghaft – sondern reflektiert. Man weiß dann, was eben nicht passt. Und das ist ein echter Gewinn.“
Der Druck, direkt nach der Schule in eine Ausbildung zu starten, ist aus seiner Sicht überholt. Stattdessen plädiert er für Mut zur Erkundungsschleife: „Ein Gap Year, freiwillige Erfahrungen, Beratungsgespräche – all das hilft, fundierter zu entscheiden.“ Dabei rät er auch: Die Angebote der Arbeitsagentur nicht unterschätzen. „Die haben einen super Überblick und bieten echte Orientierung. Man muss sie nur nutzen.“
Zum Schluss – ein Wort von Susanne Peters, Einstieg Concept:
Das Gespräch mit Alexander Steffen war für mich nicht nur fachlich inspirierend, sondern auch persönlich bereichernd. Seine klare Haltung zur Ausbildung als Beziehungsarbeit und sein Blick auf junge Zielgruppen haben mich beeindruckt. Besonders schön: Unsere gemeinsame Leidenschaft fürs Radfahren – Alexander hat gerade eine Alpenüberquerung hinter sich. Dieses gemeinsame Interesse hat das Gespräch noch nahbarer gemacht. Vielen Dank, lieber Alexander, für den offenen, ehrlichen und inspirierenden Austausch!
Bis bald
Susanne Peters – Einstieg Concept
Wie ticken Azubis heute wirklich? Was brauchen sie, um anzukommen, dranzubleiben und über sich hinauszuwachsen? Und was können eigentlich Unternehmen konkret dafür tun? Genau darüber haben Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept mit Lisa Kühn, Gründerin von AZUBeasy, gesprochen.
Lisa kennt beide Seiten: Sie arbeitet nicht nur eng mit Betrieben, sondern tagtäglich auch mit der jungen Zielgruppe selbst. Ihre Einblicke sind ehrlich, praxisnah und manchmal auch überraschend anders. Genau das macht dieses Gespräch so lesenswert. Ein kurzweiliger Austausch über Generationen, Erwartungen, echte Kommunikation und die Frage, wie Ausbildung wieder zu dem wird, was sie sein sollte: ein gemeinsamer Weg, der Perspektiven schafft.
Wie ticken Azubis heute wirklich? Was brauchen sie, um anzukommen, dranzubleiben und über sich hinauszuwachsen? Und was können eigentlich Unternehmen konkret dafür tun? Genau darüber haben Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept mit Lisa Kühn, Gründerin von AZUBeasy, gesprochen.
Lisa kennt beide Seiten: Sie arbeitet nicht nur eng mit Betrieben, sondern tagtäglich auch mit der jungen Zielgruppe selbst. Ihre Einblicke sind ehrlich, praxisnah und manchmal auch überraschend anders. Genau das macht dieses Gespräch so lesenswert. Ein kurzweiliger Austausch über Generationen, Erwartungen, echte Kommunikation und die Frage, wie Ausbildung wieder zu dem wird, was sie sein sollte: ein gemeinsamer Weg, der Perspektiven schafft.
Wie gewinnt man die Generation Z und Alpha für eine Ausbildung? Welche Rolle spielen Praktika, Schulen und Eltern – und warum lohnt sich manchmal sogar ein Blick ins Dialekt-Wörterbuch? Antworten auf diese Fragen gibt Sascha Bohn im Gespräch mit Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept. Er spricht darüber, wie persönliche Erfahrungen, analytischer Blick und praxisnahe Ideen helfen, Jugendliche und Unternehmen erfolgreicher zueinander zu bringen.
Wer dem gebürtigen Dresdner zuhört, merkt schnell: Er kennt die Herausforderungen junger Menschen aus eigener Erfahrung, und bleibt dabei immer praxisnah und lösungsorientiert. Genau diese Mischung macht ihn zu einem spannenden Gesprächspartner - insbesondere für Unternehmen, die ihr Azubi-Recruiting neu denken wollen.
Wie gewinnt man die Generation Z und Alpha für eine Ausbildung? Welche Rolle spielen Praktika, Schulen und Eltern – und warum lohnt sich manchmal sogar ein Blick ins Dialekt-Wörterbuch? Antworten auf diese Fragen gibt Sascha Bohn im Gespräch mit Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept. Er spricht darüber, wie persönliche Erfahrungen, analytischer Blick und praxisnahe Ideen helfen, Jugendliche und Unternehmen erfolgreicher zueinander zu bringen.
Wer dem gebürtigen Dresdner zuhört, merkt schnell: Er kennt die Herausforderungen junger Menschen aus eigener Erfahrung, und bleibt dabei immer praxisnah und lösungsorientiert. Genau diese Mischung macht ihn zu einem spannenden Gesprächspartner - insbesondere für Unternehmen, die ihr Azubi-Recruiting neu denken wollen.
Was für ein Gespräch! Brigitte Teschner sprüht nicht nur vor Erfahrung, sondern auch vor Begeisterung für das, was sie tut – und genau das hat dieses Interview mit Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept so besonders gemacht: inspirierend, klug, persönlich und immer wieder überraschend leicht und humorvoll. Wer wissen will, wie moderne Ausbildung heute funktioniert, wo die größten Hebel für echte Veränderung liegen und warum Struktur und Menschlichkeit dabei kein Widerspruch sind, findet in diesem Artikel jede Menge praxisnahe Impulse und Denkanstöße. Ein Interview, das nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Schmunzeln einlädt. Und das zeigt: Ausbildungsarbeit ist alles andere als verstaubt, wenn Menschen wie Brigitte Teschner sie gestalten.
Was für ein Gespräch! Brigitte Teschner sprüht nicht nur vor Erfahrung, sondern auch vor Begeisterung für das, was sie tut – und genau das hat dieses Interview mit Susanne Peters und Julia Klingen von Einstieg Concept so besonders gemacht: inspirierend, klug, persönlich und immer wieder überraschend leicht und humorvoll. Wer wissen will, wie moderne Ausbildung heute funktioniert, wo die größten Hebel für echte Veränderung liegen und warum Struktur und Menschlichkeit dabei kein Widerspruch sind, findet in diesem Artikel jede Menge praxisnahe Impulse und Denkanstöße. Ein Interview, das nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Schmunzeln einlädt. Und das zeigt: Ausbildungsarbeit ist alles andere als verstaubt, wenn Menschen wie Brigitte Teschner sie gestalten.
