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12. September 2013  

Per Speed Dating zum neuen Job

Auf zum Casting

Die richtigen Fragen stellen, einen kompetenten Eindruck machen – manchmal braucht es keine umfangreiche Bewerbungsmappe, um zu überzeugen. Beim Speed Dating kann man in nur wenigen Minuten die Weichen in Richtung Job stellen. Annette Kamps
Per Speed Dating zum neuen Job

Beim Speed Dating für den Job können wenige Minuten über die berufliche Zukunft entscheiden. © Einstieg GmbH

Der Mann, dem Saskia gegenüber sitzt, wirkt seriös. Er ist circa 10 Jahre älter als sie, groß, hat blonde kurze Haare. Die Studentin traut sich nicht, ihm die Fragen zu stellen, die sie wirklich interessieren. Wie viel er verdient, zum Beispiel. Er hingegen ist entspannt – und weiß bereits nach drei Minuten, dass es passen könnte mit ihnen.

Trotzdem steht er auf und geht. So schnell kann es gehen, denn Saskia macht bei einem Speed Dating mit – und sitzt schon dem nächsten Kandidaten gegenüber, diesmal ist es eine Frau. Für Saskia ist das kein Problem, schließlich sucht die angehende Wirtschaftsjuristin keinen neuen Partner, sondern einen Job.

Um den zu finden, nimmt sie am Job Speed Dating der niedersächsischen Landesbank Nord/LB teil. Als eine von 54 Teilnehmern und Teilnehmerinnen hat Saskia exakt drei Minuten, um ihre Fragen an einen der Bankangestellten loszuwerden, dann ertönt eine Glocke und es wird gewechselt. "Die Zeit ist ziemlich knapp, das hat aber den Vorteil, dass man sich vorher genau überlegen muss, welche Fragen man stellt, und die dann knackig formulieren muss", sagt Saskia.

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Drei mal drei Minuten mit je einem Mitarbeiter aus einer bestimmten Abteilung – so lautet das Konzept des gegenseitigen Kennenlernens im Speed Dating auf dem Kölner Absolventenkongress. Der Bewerber spricht so nicht nur mit den Personalern, sondern trifft auf die Kollegen, mit denen er später zusammenarbeiten würde. Und die kann er dann auch direkt fragen, wie sie zur Finanzkrise stehen oder ob sie wirklich so dicke Boni bekommen, wie es in der Zeitung steht.

Wer die Karte bekommt, ist weiter

Maria Puentes Puertas, Leiterin der Personalgewinnung der Nord/LB, erklärt die Grundidee: "Die Bewerber sollen uns einfach mal kennen lernen, ohne große Vorbereitung, ohne Drehbuch. Da können dann auch mal Fragen kommen, die man sich sonst nicht unbedingt zu stellen traut."

Natürlich geht es für die Teilnehmer nicht nur darum, ihre potenziellen Kollegen kennen zu lernen, sondern auch darum, einen möglichst guten Eindruck zu hinterlassen. Für Gustavo, der seinen MBA gerade frisch in der Tasche hat und nun nach Einstiegsmöglichkeiten sucht, war das der Hauptgrund, am Speed Dating teilzunehmen: "An die meisten Infos kann ich auch auf der Unternehmenswebsite kommen, aber durch das Speed Dating habe ich direkt den Kontakt hergestellt und weiß, bei wem ich mich anschließend bewerben kann." Gustavo hat von einem seiner drei Gesprächspartner eine Visitenkarte bekommen, mit der Aufforderung, sich für den Private-Banking-Bereich direkt bei ihm zu bewerben. "Ich hoffe, dass ich so nicht in den großen Topf der Bewerber komme, sondern dass er sich an mich erinnern wird."

BWL-Student Matthes, der sich für Unternehmensfusionen und Übernahmen interessiert, kommt ebenfalls strahlend mit einer kleinen Karte in der Hand aus dem Treffen: "Herrn Sablowsky kann ich jetzt wirklich direkt ansprechen und auf unser Gespräch Bezug nehmen."

Der erste Eindruck zählt

Während Heidi Klum und Co. ihren künftigen Top-Models mit einem Foto signalisieren, dass sie es in die nächste Runde geschafft haben, vergeben die Banker Visitenkarten und die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch. Natürlich entscheiden sie nicht nach drei Minuten, ob sie jemanden einstellen oder nicht, aber sie merken meistens schnell, ob es sich lohnt, einen Kandidaten näher unter die Lupe zu nehmen. Auch Bernd Sablowsky, Leiter des "Merger & Acquisitions"-Bereichs, für den sich Matthes interessiert, hat Karten verteilt – und ist begeistert von dem neuen Bewerbungsformat. Er hat mit 30 Kandidaten gesprochen, darunter drei, mit denen er sich noch näher beschäftigen will: "Wenn die jetzt alle zu einem einstündigen Interview nach Hannover gekommen wären, hätte das ja zeitlich gar nicht hingehauen. So ist es für beide Seiten gut, denn ein paar Minuten reichen meist schon, um zu sehen, ob es passt oder nicht."

Mit denjenigen, bei denen es passte, wird Sablowsky sich noch ausführlicher unterhalten und anschließend entscheiden, ob er ihnen ein Jobangebot macht, oder ob ihn der erste Eindruck nicht doch getäuscht hat. Und auch Saskia wird ihren ersten Eindruck noch einmal überprüfen, bevor sie sich bewirbt. Sie hält die Visitenkarte von Personalchefin Maria Puentes Puertas in der Hand und möchte mit ihr in Ruhe klären, ob der Recruiting-Bereich wirklich das hält, was sie von ihrem Berufseinstieg erwartet.

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BewerbungSpeed DatingVorstellungsgespräch

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