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05. Juli 2010  

Ausbildungsmessen

"Viel zu viele Dinge, die mich interessieren!"

Um sich für eine Ausbildung oder ein Studium zu entscheiden, muss man erst einmal wissen, was es alles gibt. Der Besuch einer Ausbildungsmesse ist hierfür perfekt. Wir haben zwei Schüler auf der EINSTIEG Abi Messe in Köln begleitet. Julia Kunze
Ausbildungsmesse

Ausbildungsmessen bieten Orientierung in einem Dschungel voller Berufe und Studiengänge. © Julia Kunze

Katharina grinst, wenn sie sich ihre perfekte Uni ausmalt. "Sie sollte um 10 Uhr aufmachen und um eins schließen und am liebsten noch ein eigenes Pferdegehöft haben." Diese oder eine ähnliche Hochschule will sie auf Deutschlands größter Abiturientenmesse finden und hat sich dafür perfekt vorbereitet: Auf dem Übersichtsplan der Halle hat sie mit ihrer Mutter die Hochschulen markiert, die für sie in Frage kommen.

 

Die 18-Jährige ist messeerprobt: Schon im vergangenen Jahr war sie hier, hat sich aber nach Ansicht ihrer Eltern zu viele Privatschulen ausgesucht. Deshalb ist dieses Mal ihre Mutter gleich mit dabei.

 

Katharina will Bauingenieurin werden – oder auf Lehramt studieren. "Irgendwas naturwissenschaftlich-technisches". Das war zumindest der Plan, und die Chancen stehen gut für sie, sind doch Lehrer in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) heiß begehrt. Doch kaum ist der Stand einer großen Modekette, die auf der Messe ihre Ausbildungsberufe vorstellt, in Sicht, juckt es sie dann doch: "Können wir nicht wenigstens mal gucken?" Doch es drängen sich dort schon viel zu viele Mädchen, die den gleichen Gedanken hatten.

Angst vorm Numerus Clausus

Lieber zur "Hochschule für Gesundheit". Die wirbt mit günstigen Mieten in Bochum und grünen Äpfeln mit Logo-Aufdruck. "Private Hochschulen kommen eigentlich nicht in Frage", sagt Katharinas Mutter. "Wir sind nicht privat!", mischt sich eine Mitarbeiterin der Hochschule ein. "Außerdem gibt es keinen NC bei uns."

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 Das liegt daran, dass die gerade erst gegründete Hochschule erst zum Wintersemester ihren Betrieb aufnimmt. Katherina und ihre Mutter sind begeistert, denn vor den Zulassungsbeschränkungen fürchtet sich Katharina trotz guter Noten in den Leistungskursen am meisten. "Am liebsten würde ich ja Psychologie studieren, aber ich habe Angst, nicht zugelassen zu werden."

 

Die RWTH Aachen ist der nächste Stopp von Katharina und ihrer Mutter, denn Katharina kann sich gut vorstellen, Bauingenieurin zu werden. "Mein Vater ist auch Bauingenieur", erklärt sie, "und mir ist es egal, wenn in dem Studiengang außer mir kaum Mädchen sitzen."

 

Hauptsache ins Ausland

 

André aus Münster will nach dem Abi erstmal weg. Ob Sprachreisen oder Work & Travel, ist ihm dabei egal. "Ein Jahr in Australien, Neuseeland oder England, das wäre mein Traum", sagt er und eilt in den Auslandsbereich der Messe. Dort präsentieren sich auch – komplett in orange – die Hochschulen der Niederlande. André ist kaum zu bremsen: "Ich würde gerne Psychologie und Wirtschaftsinformatik verbinden – geht das?" Clemens ist Deutscher und studiert seit drei Jahren in Holland. Heute informiert er am Stand seiner holländischen Uni über deren Studiengänge. "Die Leute sind viel offener als in Deutschland, und die Kultur ist völlig anders", schwärmt er. "Außerdem sitzt du mit nur 25 Leuten in einer Klasse, und du kriegst eine ordentliche Finanzspritze vom Staat." André ist begeistert – vor allem, weil Clemens in Enschede studiert – genau da, wo es seine Traumstudiengänge gibt. "Gibt’s denn da auch die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen?" – "Ja, man kann in Curaçao oder Südkorea studieren, das Netzwerk der Uni ist gut." André muss lachen: "Obwohl ja Holland für mich auch schon Ausland wäre."

 

Tütenweise Anregungen

 

Und weiter – André lässt sich einfach von der Menge treiben. Wo es lang geht, wissen seine Cousine und sein Freund Thomas, doch die beiden haben sich in Richtung Imbissbude abgesetzt. Welch Zufall, dass André über den Stand der Wirtschaftsinformatiker der RWTH Aachen stolpert. Mathe und Informatik sind seine Leistungskurse – und neben Sprachen seine Steckenpferde. Mareike Jansen informiert über das Programm MATSE, ein duales Studium, das einen zum "Mathematisch-technischen Softwareentwickler" ausbildet: "An zwei Tagen ist Unterricht an der Uni, an drei Tagen arbeitet der Student in einem Unternehmen." Der Vorteil: keine Studiengebühren, und außerdem sehen die Jobchancen später gut aus.

 

Zufrieden und voll bepackt mit Informationsbroschüren, Flyern und Werbegeschenken machen sich André und Katharina schließlich auf in Richtung Heimat. "Viel zu viele Dinge, die mich interessieren", stöhnt Katharina angesichts hunderter Möglichkeiten, ins Berufsleben zu starten. Wofür sie sich letztlich entscheiden wollen, wissen beide noch nicht. Aber sie haben tütenweise Anregungen, um sich die Möglichkeiten noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Katharina grinst: "Und wenn ich mich immer noch nicht entscheiden kann, dann komme ich halt nächstes Jahr wieder."

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