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13. April 2013  

Online-Vorlesungen

Studium digitale

Zum Studieren geht man normalerweise in die Uni, aber viele Vorlesungen sind heute auch als Videos im Internet zu finden. Wir haben uns für euch durchs Netz geklickt, um herauszufinden, was Online-Vorlesungen für die Studienwahl hergeben. von Anna Wessel
Online-Vorlesungen

Walter Lewin im Selbstversuch während einer seiner Vorlesungen, die auch online zu finden sind. © MIT

Es ist Dienstagvormittag, 10:41 Uhr und meine Vorlesung "Think Again: How to Reason and Argue – Teil 3.1" bei Walter Sinnott-Armstrong und Ram Neta beginnt. Die beiden Dozenten halten ihre Vorlesung an der Duke University in North Carolina, aber ich folge ihnen daheim in Deutschland. Wie viele andere Universitäts-Dozenten, haben sie ihre Vorlesung online zur Verfügung gestellt. Solche Online-Vorlesungen werden von Studenten tausendfach angeklickt, denn sie stehen jederzeit bereit, können unterbrochen und fortgesetzt oder mehrfach angeschaut werden, wenn etwas nicht verstanden wurde. Darüber hinaus liefern sie aber auch eine Idee, wie Vorlesungen in einem bestimmten Fach aussehen und welche Inhalte einen dort erwarten können. Die meisten Online-Vorlesungen gibt es momentan noch auf Englisch, aber deutsche Unis ziehen nach.

Interaktives Entertainment

Meine Vorlesung der Duke University ist zwar auf Englisch, aber das Video ist mit vielen Beispielen und Zwischenclips gespickt, so dass ich gut mitkomme. Sinnott-Armstrong hat sich mit "Think Again" für eine spezielle Lernplattform namens Coursera entschieden, schließlich ist Youtube nicht der einzige Weg, eine Vorlesung ins Netz zu stellen. Seiten, die nur für Uni-Kurse im Web entwickelt wurden, haben einiges mehr zu bieten als eine Video-Plattform: Bei Coursera kann ich nach einem Abschnitt von fünf bis zwanzig Minuten jeweils ein paar Fragen zur Online-Vorlesung lösen und direkt überprüfen, ob ich alles verstanden habe. Eine weitere, auf Physik, Informatik und Statistik spezialisierte Plattform ist Udacity. Physik war nie mein Lieblingsfach, aber ich bin neugierig, wie gut ich in einem Uni-Kurs mithalten kann. Also geht es damit weiter. Der Dozent ist ein echter Entertainer, und die Antworten zu seinen Fragen lassen sich gleich interaktiv im Video anklicken. Das geht schnell und ich weiß direkt, ob ich richtig liege – auf einmal macht Physik einen Heidenspaß!

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Inzwischen gibt es bei Youtube richtige Stars unter den Online-Dozenten, wie Jörn Löviscach (FH Bielefeld, Mathe und Informatik), Oliver Vornberger (Uni Osnabrück, Informatik) und Walter Lewin (MIT Boston, Physik). Sie kritzeln ihre Graphen sympathisch ungelenk auf Folien, fahren Fahrrad mit Feuerlöscher-Antrieb und nehmen ihre Zuschauer mit auf eine begeisterte Reise durch ihr Fach. Das funktioniert vor allem in den Naturwissenschaften, wo es viele anschauliche Beispiele aus dem Alltag gibt. Doch Geisteswissenschaften werden ebenfalls spannend und witzig transportiert. Das beste Beispiel ist mein Coursera-Kurs: Begründen und Argumentieren sind nicht nur theoretische Begriffe, sondern werden mit Sketchen von Monty Python witzig erklärt und bleiben so im Kopf.

Hörsaalalltag an der Uni

Leider kommen längst nicht alle Videos im Netz im schicken Infotainment-Gewand daher. Viele Online-Vorlesungen wurden einfach im Hörsaal abgefilmt, sind wenig unterhaltsam und erfordern Durchhaltevermögen. Trotzdem sind sie nicht verkehrt, denn mit ihnen kann man realer einschätzen, was einen Studenten an der Uni erwartet. Auch der Apple-Dienst iTunes U und online-vorlesungen.de bieten eine Fülle an Vorlesungen der verschiedensten Unis. Wer noch nicht genau weiß, was er einmal studieren soll, aber vielleicht schon eine Ahnung hat, findet auf den verschiedenen Plattformen viele Anregungen. In den Online-Vorlesungen mit Übungsteil kann man zudem testen, wie gut man in einer Einführungsveranstaltung mitkommt. Die Videos – ob filmisch einfach oder interaktiv gestaltet – sind auf jeden Fall informativ, wenn es darum geht, sich einen Eindruck von den Inhalten eines Fachs und dem Uni-Alltag eines Studenten zu machen.

Link-Tipps

www.online-vorlesungen.de
Große Übersicht an Vorlesungen aus Deutschland und anderen Ländern, nach Fächern geordnet.
Sprache: Deutsch und Englisch
Videoqualität/Infotainment: verschieden, da die Seite auf die jeweiligen Uni-Seiten linkt.
Zugang: Keine Anmeldung erforderlich. Bis man sich zu einem Video durchgeklickt hat, kann es dauern. Manche Videos sind durch ein Passwort geschützt, das man nur als Student der entsprechenden Hochschule bekommt.

www.lecturio.de
Plattform mit einigen kostenlosen Online-Vorträgen und kostenpflichtigen Online-Kursen für Jura, Medizin, Wirtschaftswissenschaften.
Sprache: Deutsch
Videoqualität/Infotainment: gut
Zugang: Um die kostenlosen Vorträge anschauen zu können, muss man sich registrieren.

www.coursera.org
Plattform, die Vorlesungen und Kurse von Unis aus aller Welt kostenlos zur Verfügung stellt.
Sprache: Englisch
Videoqualität/Infotainment: Sehr gut – die Vorlesungen sind in Einheiten von 5 bis 20 Minuten unterteilt, zu denen es Hausaufgaben und Quizfragen gibt. Sie sind informativ und unterhaltsam.
Zugang: Man muss sich registrieren und einem Verhaltens-Kodex zustimmen. Am Ende des Kurses erhält man ein Zertifikat.

www.udacity.com
Plattform mit kostenlosen Kursen zu Physik, Statistik und Informatik. Es gibt Kurse für Einsteiger, Fortgeschrittene und Kenner.
Sprache: Englisch
Videoqualität/Infotainment: Sehr gut und interaktiv. Die Vorlesungen sind in Abschnitte untergliedert, zu denen im Video Fragen per Klick beantwortet werden. Sie sind informativ und unterhaltsam.
Zugang: Die Videos lassen sich auch ohne Registrierung anschauen. Man muss sich aber anmelden, um am Ende des Kurses eine Zertifikat zu erhalten.

iTunes U
Umfangreiche Datenbank von Apple mit Vorlesungen von Unis weltweit.
Sprache: International
Videoqualität/Infotainment: Verschieden, da die Videos von unterschiedlichen Unis bereitgestellt werden. Sie sind nicht interaktiv.
Zugang: Eine Registrierung über iTunes ist erforderlich.

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