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28. Mai 2013  

Service Learning – Ehrenamtliches Engagement in Seminarform

Lernen für den guten Zweck

Gutes tun und dafür Punkte erhalten: Beim Service Learning engagieren sich Studenten ehrenamtlich. Sie wenden in gemeinnützigen Projekten ihr Fachwissen an und sammeln dabei nicht nur Praxiserfahrungen, sondern auch Credit Points. Mascha Dinter
Service Learning ehrenamtlich engagieren

Sich mit Hilfe der Uni ehrenamtlich engagieren und dafür Credt Points bekommen – Service Learning macht's möglich.

Eigentlich hatte Marie Rupprecht genug um die Ohren, als sie im Herbst 2012 an der Uni Mannheim ankam. Eine Woche bevor ihr Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften begann, war sie auf Wohnungssuche, musste sich auf dem Campus zurecht finden und ihren Stundenplan zusammenstellen. Schaffe ich noch ein freiwilliges Seminar zusätzlich? Das fragte sie sich zunächst, als sie von Service Learning erfuhr. Doch dann war die 20-Jährige schnell überzeugt: "Mir gefiel die Idee, im Rahmen des Studiums nicht nur theoretische Veranstaltungen zu besuchen, sondern auch eine praktische und dazu noch ehrenamtliche Arbeit machen zu können." Sie entschied sich für ein Seminar im Bereich Marketingkommunikation, das ihre Uni in Kooperation mit der Gemeindediakonie Mannheim anbietet. Ein Semester lang konzipierten Marie Rupprecht und die anderen Teilnehmer Marketingkampagnen für die soziale Einrichtung, um deren Angebote für ein Freiwilliges Soziales Jahr bekannter zu machen.

Unterstützt wurden die Studenten bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit von einer externen Dozentin, die eine Marketingagentur betreibt. In einer Einführungsveranstaltung erarbeiteten sie zunächst die Grundlagen des Marketings anhand entsprechender Arbeitsmaterialien. Anschließend setzten sich Marie und ihre Kommilitonen einmal pro Woche mit den Mitarbeitern der Gemeindediakonie zusammen. Die Aufgabenverteilung übernahmen die Studenten, jeder von ihnen war für einen anderen Bereich verantwortlich: "In unserer 'Kreativabteilung' haben wir unter anderem Flyer und Postkarten entworfen, von denen wir anschließend auch einige Exemplare gedruckt haben", erzählt Marie. Außerdem planten sie im Rahmen des Service Learning-Seminars einen Messeauftritt, frischten den Internetauftritt der Gemeindediakonie auf und erstellten eine Facebook-Seite.

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Eine Brücke zwischen Theorie und Praxis schlagen – das ist das Ziel von Service Learning. Ein Gewinn für beide Seiten: Die Studenten sammeln Erfahrungen außerhalb der Uni und die gemeinnützigen Einrichtungen profitieren vom Know-how der Studenten und ihrer fachkundigen, ehrenamtlichen Unterstützung, die für viele andernfalls nicht finanzierbar wäre. Das Lernkonzept stammt ursprünglich aus den USA, wo sich mehr als die Hälfte aller Studenten in ehrenamtlichen Projekten engagieren. Auch an deutschen Hochschulen wird Service Learning immer bekannter. Das Angebot reicht von kulturellen über soziale bis hin zu ökologischen ehrenamtlichen Projekten und richtet sich sowohl an Bachelor- als auch an Master-Studenten. Für die Teilnahme an einem Service-Learning-Projekt veranschlagen die meisten Hochschulen zwischen 60 und 90 Stunden pro Semester. Die Studenten programmieren zum Beispiel Navigationssysteme für Sehbehinderte, geben Sprachunterricht für Kinder aus Migrantenfamilien oder entwickeln PR-Konzepte für Kultureinrichtungen. An vielen Unis bekommen sie anschließend Credit Points für ihr Engagement. "Das allein ist jedoch nicht der Anreiz, dabei zu sein, der Zeitaufwand ist schließlich vergleichsweise hoch", sagt Marie Rupprecht. Sie freut sich, Gutes tun und dabei ihr Fachwissen jenseits des Hörsaals anwenden zu können.

Praxiserfahrung sammeln

Viele Studenten beklagen sich, dass ihr Studium zu theoretisch sei. Nicht jeder hat die Zeit, in den Semesterferien Praktika zu absolvieren. Hier bieten Service Learning-Seminare eine gute Alternative, während des Semesters ehrenamtlich Praxiserfahrungen zu sammeln, die die Studenten sich auch noch anrechnen lassen können. Wolfgang Stark, Professor für Organisationspsychologie und Organisationsentwicklung an der Universität Duisburg-Essen, stellt einen weiteren Vorteil gegenüber klassischen Vorlesungen und Seminaren heraus: "Studien zeigen, dass sich der Lernerfolg massiv erhöht, wenn das Gelernte direkt angewendet wird, weil es dadurch plastischer und greifbarer wird". Und ganz nebenbei erwerben die Studenten Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein, die auch im Arbeitsleben sehr gefragt sind.

Service Learning soll bekannter werden

Noch bieten nur wenige Hochschulen in Deutschland Service Learning-Seminare an, das soll sich jedoch ändern: Das Hochschulnetzwerk "Bildung durch Verantwortung" setzt sich dafür ein, Service Learning populärer zu machen. "Unser Anliegen ist es, an den Hochschulen mehr Sensibilität für gesellschaftliche Verantwortung zu schaffen. Schließlich sind es vor allem die Akademiker, die nach ihrer Ausbildung in der Arbeitswelt Führungsrollen übernehmen", sagt Mitbegründer Wolfgang Stark. Ein wichtiger Punkt beim Service Learning sei die Interdisziplinarität. "Man beschäftigt sich nicht nur mit der eigenen Fachdisziplin, sondern schaut auch über den Tellerrand." Ziel seiner Initiative ist es deshalb, die Hochschulen davon zu überzeugen, Service Learning wie in den USA fest in ihre Lehrpläne zu integrieren.

Ihr Seminar bot Marie Rupprecht und ihren Kommilitonen nicht nur Einblicke in die Welt des Marketings und der Öffentlichkeitsarbeit – nebenbei trainierten die Teilnehmer bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit auch Soft Skills wie Kommunikations- und Kritikfähigkeit. Am Ende stellten sie ihre Konzepte dem Vorstand der Gemeindediakonie vor. "Das Feedback war sehr positiv, so dass wir nun ganz gespannt darauf warten, welche unserer Ideen umgesetzt werden." Für sie steht in jedem Fall fest: Das war nicht ihr letztes Service Learning-Projekt.

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