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25. Dezember 2012  

Interview mit Stefanie Heinzmann

"Ich hatte Bock, Sachen zu verstehen"

Stefanie Heinzmann über ihre Karriere als Sängerin, ihre Schulzeit und die Unterschiede zwischen Schweizern und Deutschen. Stefan Moskopp
Stefanie Heinzmann

Stefanie Heinzmann: "Ich wollte Tierärztin werden, ich wollte Bestatterin werden – ich wollte alles werden!" © Anke Tillmann

Du gehst in drei Tagen auf Tour. Bist du schon aufgeregt?

Ja, auch wenn es mittlerweile schon die dritte Tour ist. Aber im Gegensatz zur ersten vor vier Jahren fühle ich mich jetzt pudelwohl. Damals war ich noch sehr unsicher und mit der ganzen Situation überfordert.

Was wäre wohl beruflich aus dir geworden, wenn du nicht bei Stefan Raabs Casting-Show gewonnen hättest?

Ich wusste nie, was ich sagen soll, wenn Lehrer gefragt haben: Was willst du später mal machen? Ich wollte Tierärztin werden, ich wollte Bestatterin werden – ich wollte alles werden! Vielleicht wäre ich Sekretärin geworden, weil ich ein guter Teamplayer und gerne für andere da bin. Oder Buchhalterin. Und nebenbei hätte ich Musik gemacht. Aber natürlich ist es viel schöner, Musik als Beruf zu haben.

Warum Buchhalterin – weil du ein Faible für Zahlen hast?


Tatsächlich hat mir Mathe in der Schule immer Spaß gemacht, obwohl ich nicht sehr gut darin war. Aber ich hatte Bock, Sachen zu verstehen. Wenn einem so das Licht aufging, das fand ich total super.

Als 2008 dieser große Erfolg über dich hereinbrach, warst du gerade mal 18 Jahre alt. Wie kann man das in dem Alter überhaupt verkraften?

Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass ich aus dem Kanton Wallis in der Schweiz komme. Da sind bestimmte Werte sehr wichtig: Familie, Freunde, Heimatverbundenheit. Hinzu kommt, dass die Sendung einfach perfekt geeignet war. Es war halt nicht so eine große Samstagabend-Show, die ganz Deutschland guckt. Das war Donnerstagabend und um 1 Uhr konnte man irgendwann mal abstimmen. Das war alles ganz easy. Aber nach meinem Sieg ist alles wirklich explodiert. Und ich war unfassbar überfordert. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich gewinne.

Apropos Wallis, du pendelst ja ständig zwischen zwei Ländern hin und her. Worin unterscheiden sich Schweizer und Deutsche am meisten?

Die Deutschen sind grundsätzlich direkter als die Schweizer. Und im Arbeitsalltag kann es unter Deutschen schon mal etwas lauter werden. Aber wenn die Situation geklärt wurde, ist alles wieder okay und keiner ist persönlich beleidigt. Das ist in der Schweiz doch etwas schwieriger. Die Schweizer sind immer sehr höflich und passen auf, was sie sagen. Und sind dann oft überrascht von der direkten Art der Deutschen.

Was magst du besonders an deinem Land?

Ich mag, dass es so facettenreich ist. Allein schon dadurch, dass man dort vier Sprachen spricht. Ich finde die Kultur und auch die Lebensqualität in der Schweiz toll. Das Land, die Leute, ich bin totaler Schweiz-Fan!

Die Frage nach den musikalischen Vorbildern darf natürlich nicht fehlen.


Da gibt es ganz viele, denn ich höre alles: von Rock über Soul bis Funk und manchmal auch Schweizer Musik. Und genau deshalb möchte ich auch vielfältige Musik machen. Bei einem Konzert möchte ich nicht 90 Minuten lang immer den gleichen Song in verschiedenen Variationen spielen. Die Frage nach Vorbildern oder Idolen ist nicht so einfach zu beantworten, aber Joss Stone ist für mich die Stimme schlechthin. Es ist einfach Wahnsinn, wie man so singen kann.

Und hast du Vorbilder im "normalen" Leben?

Ja, allen voran mein Bruder, der ja auch mein Manager ist. Aber überhaupt bin ich umgeben von tollen Leuten. In meiner Band sind so viele unterschiedliche Charaktere, aber jeder ist ein Vorbild für mich. Das ist schon der Hammer, wie viel ich lernen kann von den Leuten um mich herum.

Hast du einen Rat für unsere Leser hinsichtlich ihrer Berufswahl?


Das Wichtigste ist, erst mal herauszufinden, was einem wirklich Spaß macht. Und man sollte nicht so sehr auf andere, sondern auf sein Herz hören. Man selbst muss es ja schließlich auch später ausbaden, wenn es schiefgeht. Und man sollte niemals aufgeben, das gilt auch oder sogar besonders für den Musikbereich. Egal wie viele Demo-Bänder einem zurückgeschickt werden.

Stefanie Heinzmann, 23, hat 2008 einen Casting-Wettbewerb im Rahmen von Stefan Raabs Fernsehshow TV total gewonnen. Mittlerweile hat sie zahlreiche Preise wie "Echo" und "Comet" abgeräumt. Zudem wurde Stefanie Heinzmann 2009 "Brillenträgerin des Jahres". Aber nicht aus diesem Grund tritt sie bis heute nur mit Brille auf: "Für Kontaktlinsen bin ich einfach zu faul." Noch mehr Infos über Stefanie Heinzmann findet ihr unter www.stefanieheinzmann.de

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