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06. April 2013  

Interview mit Comedian Malte Pieper

"Ich habe nie einem Lehrer die Tasche hinterher getragen"

Malte Pieper ist 21 und steht seit fünf Jahren als Comedian auf der Bühne. Im Sommer ist sein erstes Buch "Wenn der Keks redet, haben die Krümel Pause. Höhepunkte eines Schülerlebens" erschienen. Annette Kamps
Malte Pieper ist Comedian

Malte Pieper ist Comedian und studiert Medienkulturwissenschaft und Medienrecht in Köln.

Ein Kapitel deines Buches heißt "Bulimie-Lernen". Was hältst du von G8?

Gar nichts. Wenn man sich schon andere Länder zum Vorbild nimmt, dann muss man das auch konsequent machen und zum Beispiel kleinere Lerngruppen einrichten wie in Finnland. Oder man bietet einen vernünftig organisierten Ganztagsunterricht an wie in Frankreich. Als ich zum Schüleraustausch dort war, hatten wir vormittags Schule, und dann gab es eine dreistündige Pause, in der wir in der Schule alles machen konnten − vom Klavierunterricht bis zum Fußball spielen. Hier ist das eher so: Wir haben keine Mensa, wir haben keine Lehrer, keine Räume und kein Unterrichtsmaterial, aber wir machen einfach mal.

Du hast einen Abi-Schnitt von 1,0. Warst du ein Streber?

Nein! Ich war nie jemand, der dem Lehrer die Tasche hinterher trägt. Im Gegenteil, ich habe mich eher mal aufgelehnt und war bei manchen Lehrern bis zum Ende auch relativ unbeliebt. Ich habe einfach das Glück, dass ich ein gutes Gedächtnis habe.

Wie bist du darauf gekommen, Comedian zu werden? Mit 16 macht man ja normalerweise andere Sachen.

Mich hat das Thema Comedy schon immer interessiert. Ich hab mir viel angesehen, im Fernsehen, aber auch live, und mit 14 oder 15 habe ich angefangen, selbst Sachen aufzuschreiben – einfach Dinge, die mir aufgefallen sind im Alltag. Dann habe ich in Köln eine offene Bühne gefunden und es dort einfach mal als Comedian probiert. Die Leute haben gelacht, und ich habe weitergemacht. Einen Monat später folgte dann die Talentschmiede vom Quatsch Comedy Club.

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Du studierst Medienkulturwissenschaft und Medienrecht an der Uni Köln. Was macht dir am meisten Spaß?

Schwer zu sagen. Es ist wohl die Kombination aus Geisteswissenschaften und eher harten Fakten im Medienrecht – ich hätte nie gedacht, dass mir dieses Fach so gut gefällt. Ich kann mir inzwischen sogar vorstellen, ein Jurastudium dranzuhängen. Und in den Medienwissenschaften geht man theoretisch und auch philosophisch an den Umgang mit Medien heran. Es ist schon spannend, einfach mal zu gucken, was Medien mit den Menschen machen. Dabei geht es ja auch um sehr aktuelle Fragestellungen, beispielsweise das Urheberrecht im Internet oder Filesharing.

Ist das Leben als Student genauso absurd wie das Leben als Schüler, das du in deinem Buch beschreibst?

Definitiv ja! Allein schon die Sprachkurse, die man im Studium Integrale belegen kann, damit man nicht als Fachidiot da steht. Nette Idee, schlecht umgesetzt: Ein Italienisch-Sprachkurs eine Stunde die Woche mit 300 Leuten bringt herzlich wenig. Wie soll man da eine Sprache lernen? Immerhin musste ich noch nie auf der Treppe sitzen oder bin nicht in den Hörsaal reingekommen. Woran man die Überfüllung am meisten merkt, ist der Wohnungsmarkt. Ich hatte einige Kommilitonen, die haben bis Weihnachten in der Jugendherberge gewohnt, weil sie nichts gefunden haben!



Malte Pieper studiert im 3. Semester Medienkulturwissenschaften und Medienrecht in Köln und ist nebenbei als Comedian mit seinem Programm "Geboren um zu reden" unterwegs. Sein Buch ist gerade als Hörbuch erschienen.

Schlagworte:
 
InterviewMedienRecht

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