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08. Oktober 2010  

Mobbing in der Schule

"Es kann jeden treffen"

Sylvia Hamacher ging gerne zur Schule und war ein glücklicher Mensch. Bis sie zum Mobbingopfer wurde. Ihre Erfahrungen hat die 17-Jährige in dem Buch "Tatort Schule" verarbeitet.
Mobbing

Sylvia Hamacher: "Tatort Schule" © tredition-Verlag

Sylvia, wie ging es damals mit dem Mobbing gegen dich los?

Sylvia: Ich wollte eine Halloween-Party für ein paar Freundinnen geben und hatte auch schon die ersten Einladungen verteilt. Alle haben freudig zugesagt. 

Und dann ist keiner gekommen?

Sylvia: Nein, die Party hat gar nicht erst stattgefunden. Zum Glück habe ich noch rechtzeitig erfahren, dass mir meine Freundinnen zugesagt haben, obwohl da bereits für sie feststand, dass sie an dem besagten Abend auf eine andere Party gehen würden.

Als Sylvia ihre Freundinnen zur Rede stellt, stößt sie auf demonstratives  Schweigen. Wochenlang wird sie ignoriert, dann kommt es immer häufiger zu Beschimpfungen, später werden Lügengeschichten über Sylvia verbreitet.

Hat dir denn gar keiner zur Seite gestanden?

Sylvia:  Meine Eltern und meine Schwester.

Und die Lehrer an deinem Gymnasium?

Sylvia: Mein Klassenlehrer hat mal im Unterricht nach den Ursachen für den Konflikt gefragt. Aber keiner hat eine wirkliche Antwort gegeben, vielmehr endete das Ganze damit, dass ich wieder übel beleidigt wurde.

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Wie hat dein Lehrer reagiert?

Sylvia: Gar nicht, er war leider unfähig, einzuschreiten. 

In der Folgezeit zieht sich Sylvia immer mehr zurück, grübelt und verlässt das Haus nur noch, wenn es unbedingt sein muss. In der Schule wird die Situation immer schlimmer für sie und eskaliert schließlich, als sie bei einem Basketballspiel im Sportunterricht  so heftig von einer Gegnerin attackiert wird, dass sie die nächsten drei Tage mit einem schweren Schleudertrauma im Krankenhaus verbringen muss. Während dieser Zeit wird ihr klar, dass ein Schulwechsel der einzige Ausweg für sie ist.

Wie ist es dir an der neuen Schule ergangen?

Sylvia: Ich fühle mich da super wohl, und das war von Anfang an so. Zum Glück habe ich damals diese Entscheidung getroffen. Ich habe schnell Freunde gefunden, und mein Leben hat sich wieder zum Guten gewendet. 

Wie denkst du heute über die Leidenszeit an deiner alten Schule?

Sylvia: Irgendwie hat dieser abgedroschene Spruch „Was dich nicht tötet, macht dich stark“ ja doch seine Berechtigung. Auf mich trifft es jedenfalls zu, ich bin heute viel selbstbewusster als früher.

Was rätst du Betroffenen, wie kann man sich gegen Mobbing wehren?

Sylvia: Erst mal sollte man sich klar darüber sein, dass jeder zum Mobbing-Opfer werden kann, sei es in der Schule, am Arbeitsplatz oder woanders. Man muss sich dann jemandem anvertrauen, es bringt nichts, das mit sich selbst auszumachen. Im besten Fall findet man dabei sogar Verbündete gegen die Täter, die dann schnell den Spaß am Mobben verlieren dürften. Viel schöner wäre es natürlich – und das ist mein großer Appell – wenn einem Mitschüler von sich aus zur Seite stehen und so Mobbing gar nicht mehr möglich wäre.

 

Sylvia Hamacher

"Tatort Schule – Gewalt an Schulen"

tredition-Verlag 

132 Seiten

12,99 Euro

Schlagworte:
 
SchuleMobbing

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