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06. August 2012  

Berufswahl - Alternativen zum Traumberuf

Es gibt immer einen Plan B

Der NC fürs Wunsch-Studium war zu hoch oder der Lieblings-Ausbildungsplatz ist weg und noch länger warten willst du nicht? Bei der Berufswahl sollte man immer Alternativen im Hinterkopf haben. Steffen Meyer

Dennis wollte immer Pilot werden, doch er wusste schon früh, dass sein Traumberuf nur sehr schwer zu erreichen sein würde. Denn Dennis ist Brillenträger, ein starkes Handicap für Piloten-Anwärter. Er machte verschiedene Tests, flog sogar extra für eine Untersuchung nach Zürich. Er schöpfte alle Möglichkeiten aus, doch dann musste er erkennen: Er brauchte einen Plan B. 

So wie viele andere Berufsanfänger auch. "Es gibt Abiturienten, die extrem motiviert sind und so genau wissen, wo sie hin wollen, dass sie dabei einen Plan B vernachlässigen", sagt Ullrich Löser, akademischer Berater der Bundesagentur für Arbeit in Dortmund.

Doch gerade bei begehrten Studiengängen oder Ausbildungsplätzen läuft man Gefahr, dass es mit den Plänen nichts wird. Das populärste Beispiel ist das Medizinstudium: Jahr für Jahr scheitern viele Schulabgänger am hohen Numerus Clausus. Einige sammeln Wartesemester, andere versuchen ihr Glück im Ausland. Doch was, wenn man nicht warten oder seine Heimat verlassen möchte? "Man sollte sich immer überlegen: Warum will ich unbedingt dieses Studium oder diese Ausbildung?", sagt Löser. Dann böten sich einem auch verschiedene Alternativen.

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Beispiel Medizin: Wenn man das Fach selbst interessant findet, könnte man sich danach umsehen, was in etwa in die gleiche Richtung geht. Es gibt diverse Fachhochschulen in dem Bereich, etwa die Hochschule für Gesundheit in Bochum, oder duale Studiengänge wie zum Beispiel "Angewandte Gesundheitswissenschaften" an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Außerdem könnte man überlegen, ob man nicht eine Ausbildung zum medizinischen Fachangestellten oder pharmazeutisch kaufmännischen Angestellten in einer Apotheke beginnt.

Zur Not vom Traumberuf trennen

Auch wer Lehrer werden wollte, aber keinen Studienplatz bekommen hat, muss sich fragen, welche Aspekte ihm an dem Beruf gefallen. Arbeitet man gerne mit Menschen oder Kindern zusammen, könnte man auch auf den Studiengang Soziale Arbeit umschwenken oder die Berufslaufbahn eines Erziehers einschlagen. Liegen die Interessen eher im Fachwissen gibt es eine andere Alternative: "Man könnte es als Quereinsteiger versuchen", sagt Berater Löser. "Denn gerade in naturwissenschaftlichen Fächern herrscht Lehrermangel." Wenn man zum Beispiel ein Ingenieur-Studium mit einer guten Note abgeschlossen hat, kann man sich bei einer Schulverwaltung um einen Job als Physik-Lehrer bewerben. Wird man angenommen, startet man ins Referendariat und lernt berufsbegleitend ein weiteres Fach.

Auch wer seine Wunsch-Ausbildung nicht bekommen hat, sollte sich nach Alternativen umsehen. Manchmal ergeben sich sogar solche, auf die man zuerst gar nicht gekommen wäre: Anstatt Augenoptiker könnte man auch eine Ausbildung zum Goldschmied, Metallbildner, Uhrmacher, Feinwerkmechaniker oder Glasveredler beginnen. Denn auch in diesen Berufen wird mit sehr feinen Werkzeugen gearbeitet; Konzentration und Geschick sind gefragt. "Manchmal wird auch übersehen, dass sich viele Berufe angenähert haben“, sagt Alfred Koller von der Handwerkskammer Köln. "Die Verarbeitung von Metall und Holz ist mittlerweile oft computergesteuert und unterscheidet sich nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren." Allerdings hat die Berufswahl manchmal mehr mit dem Image als mit dem Handwerk zu tun. "Ein zukünftiger Kfz-Mechaniker will vor allem mit schnellen Autos arbeiten und nicht mit Land- und Baumaschinen“" so Koller. Ein Schritt für einen Plan B wäre es vielleicht auch, sich von diesen Vorstellungen zu trennen.

Alternativen entwickeln

Dennis hat ebenfalls erkannt: Vor allem seine Leidenschaft für die Luftfahrt ließ in ihm den Wunsch reifen, Pilot zu werden. Als sein Traumjob aber in weite Ferne rückte, begann er ein Studium als Ingenieur mit Schwerpunkt Luftverkehr. "Ich habe meinen Traum nicht aufgegeben, sondern einfach die Chancen realistisch eingeschätzt", sagt Dennis heute.

Das Wichtigste für einen Plan B aber ist es, den Kopf nicht hängen zu lassen. "Viele sehen eine Absage als persönliches Scheitern an. Doch das ist es nicht!"

Dennis kennt dieses Gefühl: "Es war schon sehr hart, sich damit anfreunden zu müssen, dass es mit dem Traum nichts wird“, sagt der mittlerweile 33-Jährige. "Doch man muss das Beste daraus machen." Schon während seines Studiums arbeitete er für ein Unternehmen auf einem Flughafen und schrieb schließlich seine Diplomarbeit bei einer Fluggesellschaft. Nach seinem Abschluss wurde er übernommen, und heute ist Dennis für die weltweite Flugzeugabfertigung seines Arbeitgebers zuständig. Dafür muss er viel reisen, hebt also immer wieder ab. Er ist zwar kein Pilot, aber dennoch vollkommen zufrieden: Dank seines Plan B ist Dennis seinem Traum sehr nahe gekommen.

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