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02. Dezember 2013  

Irrtümer bei der Studienwahl

Dichtung und Wahrheit

Sportstudenten trainieren den ganzen Tag in der Turnhalle. Und als Luft- und Raumfahrttechniker fliegt man nach dem Studium zum Mond. Oder? Falsche Vorstellungen über Studieninhalte, Anforderungen und spätere Jobs gibt es selbst bei bekannteren Fächern. Patrick Agis-Garcin
Studienwahl

Das Jura-Studium ist staubtrocken und bei Psychologie hat man ganz viel mit Menschen zu tun! Ist das wirklich so? Wir haben Dichtung und Wahrheit unter die Lupe genommen. © Anke Tillmann, Einstieg GmbH

Die Uni des Saarlandes hat mit ihren Erwartungschecks eine Möglichkeit geschaffen, die eigenen Vorstellungen und Erwartungen an ein Studium mit der Realität abzugleichen. Studenten, die vor Beginn des Studiums besser im Erwartungscheck abgeschnitten haben, dachten am Ende des ersten Semesters seltener über einen Studienabbruch nach, konnten sich besser motivieren und hatten in der ersten Klausur die besseren Noten.
Wir haben für euch deshalb vier große Fächer unter die Lupe genommen, über die viele Vorurteile kursieren.


Jura

Dichtung: Ein Jurastudium ist trocken wie die Sahara, und angehende Juristen sind reine Paragrafenreiter, die dicke Gesetzestexte auswendig lernen müssen.
Wahrheit: Jura ist ein sehr lernintensives Fach, auswendig lernen muss man aber prinzipiell nichts – es ist sogar erlaubt, die Gesetzbücher in Klausuren mitzunehmen und relevante Paragrafen darin nachzuschlagen. Schließlich ist die schwierigste Aufgabe für Juristen nicht etwa, Gesetze zu kennen, sondern diese richtig auszulegen. Trotz Paragrafenstrudel ist das Jurastudium nicht total theorielastig, immerhin üben Jura-Studenten an realen alltäglichen Fällen und simulieren in so genannten „Moot Courts“ bereits lange vor dem Examen Gerichtsverhandlungen.

Psychologie

Dichtung: Wer Psychologie studiert, hat viel mit Menschen zu tun und hilft ihnen bei der Problembewältigung. Psychologie-Studenten lernen, Therapiesitzungen durchzuführen, und eröffnen gleich nach dem Studium ihre eigene Praxis.

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Wahrheit: Tatsächlich besteht das Studium aus viel trockener naturwissenschaftlicher Theorie. Es geht nämlich nicht nur um Seelenkunde, sondern auch um Statistik. Die Methodenlehre nimmt im Studium viel Raum ein, denn Psychologen müssen wissen, wie sie Studien planen, durchführen und analysieren können. Und wer verstehen möchte, wie das menschliche Gehirn funktioniert, sollte auch mit Biologie nicht auf Kriegsfuß stehen. Achtung: Nicht alle Psychologen sind Psychotherapeuten! Nur etwa die Hälfte der Absolventen arbeitet in der Therapie, außerdem ist dafür nach dem Studium eine Zusatzausbildung nötig.

Informatik

Dichtung: Ist nur was für absolute Nerds, die C++, Java und Co. im Schlaf beherrschen. Im Studium geht es vor allem um Programmierung. Und Gott sei Dank nicht um Sprachen!
Wahrheit: Programmierung ist nur ein Bestandteil des Studiums. Daneben spielen zum Beispiel auch Bildverarbeitung, Datenbanksysteme oder künstliche Intelligenz eine Rolle. Ein ausgeprägtes Vorwissen in Sachen Programmierung ist weniger wichtig als gute Mathe-Kenntnisse, denn linearer Algebra, Stochastik und Co. begegnet man im Studium häufig. Auch vor Sprachen sollte man sich als Informatik-Student nicht scheuen: Manche Veranstaltungen finden komplett auf Englisch statt. Selbst die Sprachwissenschaft ist ein Thema, schließlich werden Programmiersprachen nach Prinzipien konstruiert, die der grammatikalischen Struktur natürlicher Sprachen ähneln.

Medizin

Dichtung: Mediziner kann nur werden, wer das Latinum in der Tasche hat – und den Ehrgeiz, seinen Doktor zu machen. Im Studium wird es nicht langweilig, denn man hat ständig intensiven Kontakt mit Patienten.
Wahrheit: Im ersten, vorklinischen Abschnitt des klassischen Medizinstudiums haben die Studenten zwei Jahre lang so gut wie gar keinen Umgang mit Patienten – hier gilt es erst mal, sich die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Medizin anzueignen. Das Latinum ist hingegen gar keine Voraussetzung für angehende Mediziner, und man kann auch als Arzt arbeiten, ohne vorher seine Doktorarbeit zu schreiben.

Im Interview erklärt die Psychologin Dr. Gundula Stoll, wie die "Erwartungschecks" funktionieren.

Schlagworte:
 
StudienwahlMedizinJuraPsychologie

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