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08. Januar 2013  

Freiwilliges Ökologisches Jahr

Öko drin, wo Öko draufsteht!

Sich für die Umwelt stark machen und nebenbei noch die eigenen Fähigkeiten unter die Lupe nehmen − das Freiwillige Ökologische Jahr bietet Naturbegeisterten eine Reihe von Möglichkeiten zur Berufs- und Studienfindung. Judith Schulte
Freiwilliges Ökologisches Jahr

In einem Freiwilligen Ökologisches Jahr kann man sich für die Umwelt stark machen. © NZ Kleve

Umweltschutz geht alle an! Wer allerdings ein besonderes Interesse am Erhalt von Mutter Erde hat und sowieso noch nicht weiß, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll, ist mit einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) gut beraten. Bis zu zwölf Monate arbeitet man dabei als Praktikant in einem umweltrelevanten Beruf. Das kann zum Beispiel im Landschaftsbau oder in der Tierpflege sein. Wer sich eher kommunikative Aufgaben wünscht, kann genauso gut in der Umweltbildung, der Öffentlichkeitsarbeit oder im Verwaltungsbereich tätig werden. Ein FÖJ ist also nicht nur für denjenigen interessant, der danach eine Gärtnerausbildung anstrebt. Auch künftige PR-Fachleute, Bürokaufleute oder sogar Betriebwirte mit Interesse an Umwelt und Ökologie können hier praktische Erfahrungen sammeln und dabei noch zwei Wartesemester fürs spätere Studium einheimsen.

WG im Grünen gesucht

Elena Roßmann entschied sich für ein Praktikum beim "Naturschutzzentrum im Kreis Kleve e.V.". Das ist eine von 40 biologischen Stationen in NRW, die die ansässigen Naturschutzgebiete betreuen. Seit zehn Monaten erledigt die 20-Jährige dort unterschiedlichste Aufgaben wie Gewässerproben nehmen oder Kiesflächen naturieren, also Flüsse mit genügend Kies zu versorgen, damit sich dort bestimmte Tier- und Pflanzenarten wieder ansiedeln können. Aber auch im Garten des Naturschutzzentrums Unkraut jäten und Bäume beschneiden gehört zum Job. Seit Anfang Mai ist Elena auch verantwortlich für den Erhalt eines selten gewordenen Vogels. Die Brutpflanze der Trauerseeschwalbe ist hierzulande sehr selten geworden, daher bastelt Elena künstliche Brutflöße, auf denen die Vögel dann brüten können.

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Untergebracht ist Elena zusammen mit ihrer Kollegin Laura in einer Wohnung im Gebäude des Naturschutzzentrums – eine WG umgeben von Wald und Wiesen: "Vorher habe ich bei meinen Eltern in Duisburg gewohnt. Hier ist irgendwie alles ganz anders. Ich finde vor allem die Umgebung toll − aber auch, endlich mal auf eigenen Beinen zu stehen."

Die FÖJler arbeiten übrigens 40 Stunden die Woche freiwillig, aber keineswegs für lau. Es wird ein monatliches Taschengeld gezahlt. Da das FÖJ von den Bundesländern und verschiedenen anderen Trägern angeboten wird, fällt die Bezahlung unterschiedlich hoch aus. Auch abhängig davon, ob eine Unterkunft gestellt wird, kann die Differenz schon mal 200 Euro ausmachen.

Wer also ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ins Auge fasst, sollte sich vorher im Internet darüber schlau machen, welche Unterschiede von Bundesland zu Bundesland gemacht werden. Und wenn man schon einmal dabei ist, entdeckt man dort auch direkt die Webseiten der verschiedenen Träger und ihrer Einsatzstellen. Wer eine passende Stelle gefunden hat, bewirbt sich beim Träger oder direkt bei der Einsatzstelle und wird im besten Fall zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Seminare? Oh ne, dann doch nicht.

Alle paar Wochen muss Elena fünf Tage zum Seminar. "Muss" ist in dem Fall allerdings irreführend. In der Regel freuen sich alle FÖJler nach dem ersten Mal auf die Seminare. Scarlett Werner vom Landschaftsverband Rheinland, einer der beiden Träger des FÖJ in Nordrhein-Westfalen, weiß auch warum: "Man darf sich das nicht als ein gewöhnliches Seminar vorstellen und schon gar nicht wie Schulunterricht. Die FÖJler lernen dort etwas über Themen, die sie auch betreffen." Im Seminar besuchen die Freiwilligen beispielsweise Bäche und Flüsse und schauen sich vor Ort die Umweltbelastung an. Auf der anderen Seite wird aber auch Theorie gelehrt: Wie sind die Produktionsbedingungen verschiedener Landschaftsprodukte oder welche Berufsgruppen gibt es für Biologen?

Jutta Klevesahl aus Münster hat ihr FÖJ bereits vor zwei Jahren beendet, aber sie kann sich noch gut daran erinnern, wie viel Spaß ihr die Seminare gemacht haben: "Damals in meiner Schulklasse hat sich außer mir eigentlich niemand so richtig für Umweltfragen interessiert. Als ich dann das erste Mal auf einem der Seminare war, konnte ich mich mit supervielen Leuten über mein Thema austauschen. Außerdem hat man ja abends auch Freizeit. Da wird dann zusammen gekocht oder man sitzt zusammen am Lagerfeuer." Insgesamt verbringen die Teilnehmer 25 Tage, also fünf Wochen, des Jahres im Seminar.

Schon vorbei?

Jutta hat ihr FÖJ bei "Pro Regenwald" in München verbracht. Dort war sie hauptsächlich für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, also Infostände betreuen, an Radiosendungen teilnehmen oder Schulvorträge halten. Angesichts der vielen Berufsgruppen, die Jutta während des FÖJ kennen gelernt hat, und durch das hinzugewonnene Wissen über Naturschutz und ökologisches Denken, ist ihr in dem Jahr klar geworden, dass sie in diesem Bereich genau richtig ist. Heute studiert sie im vierten Semester Landschaftsökologie an der Uni Münster. Elena hat noch zwei Monate Zeit, um sich über ihre berufliche Zukunft klar zu werden: "Ich bin leider naturwissenschaftlich nicht besonders begabt, sonst würde ich vielleicht Biologie studieren. Ich interessiere mich aber auch für Psychologie und Erziehungswissenschaften. Toll wäre es, wenn ich später beispielsweise ökologische Projekte an Schulen leiten könnte."





FAQ zum FÖJ


Was bringt mir das FÖJ?


Das FÖJ dient der Berufsorientierung und soll Schulabgänger bei der Berufs- und Studienwahl unterstützen. Du schnupperst in "grüne" Berufe hinein, erprobst deine Fähigkeiten in einem neuen Umfeld und sammelst praktische Erfahrungen. Damit erhöhst du auch die Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Außerdem erfährst du viel über Umwelt- und Naturschutz und lernst, dich aktiv am Schutz der Umwelt zu beteiligen. Zudem nutzt du die Zeit zwischen der Schule und einer Ausbildung sinnvoll. Wer nachher ein Studium beginnen will, sammelt während des FÖJ zwei Wartesemester und erhöht die Chancen auf den gewünschten Studienplatz. Eine Studienplatzzulassung, die du schon vor dem FÖJ bekommen hast, bleibt übrigens für die Zeit eines FÖJs gültig.


Welche Einsatzstellen gibt es?


Die Möglichkeiten für ein FÖJ sind weit gestreut. Einige Beispiele sind die Arbeit mit Tieren, praktischer Naturschutz, Wald- und Forstarbeit, Umweltbildung, technischer Umweltschutz, ökologischer Landbau und die Arbeit im wissenschaftlichen Bereich.

Wovon lebe ich in der Zeit?

Je nach Bundesland bekommen FÖJler während der 12 Monate zwischen 154 und 350 Euro gezahlt, die sich aus Taschengeld, Geld für Arbeitsbekleidung sowie Unterkunft und Verpflegung zusammensetzen. Einige Stellen bieten ihren Teilnehmern eine Unterkunft, so dass weniger Geld gezahlt wird. Außerdem bleibt der Kindergeldanspruch deiner Eltern bestehen.


Wie lange dauert das FÖJ?


In der Regel solltest du ein ganzes Jahr Zeit haben, um dich zu engagieren. Einige Träger bieten auch kürzere Laufzeiten an, die Mindestdauer beträgt jedoch sechs Monate. 

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Kann ich FÖJler werden?

Du kannst ein FÖJ machen, wenn du die Schulpflicht erfüllt hast und nicht älter als 26 bist.


Träger? Wer sind die denn?

FÖJ-Träger sind meist gemeinnützige Jugendorganisationen von Kirchen oder Umweltschutzverbänden. Sie verwalten die Einsatzstellen sowie die staatlichen Fördergelder und betreuen dich während des FÖJs. Außerdem organisieren sie die 25 Seminartage.

Trägeradressen und weitere Informationen:

Baden-Württemberg

 

www.foej-bw.de

www.bdkj.info

 

Bayern

www.foej-bayern.de

www.bdkj-bayern.de

www.jbn.de

 

Berlin

www.foej-jao.de

www.stiftung-naturschutz.de

www.vjf.de

www.jao-berlin.de

 

Brandenburg

www.foej-brandenburg.de

www.ljr-brandenburg.de

www.ijgd.de

 

Bremen

www.foej-bremen.de

www.econtur.de

 

Hamburg

www.foej.hamburg.de

 


Hessen

www.foej-hessen.de

www.ekkw.de/foej

 

Mecklenburg-Vorpommern

www.mecklenburg-vorpommern.eu

www.internationaler-bund.de

 

Niedersachsen

www.foej.nibis.de

 

Nordrhein-Westfalen

www.foej.lvr.de

www.lwl.org

 

Rheinland-Pfalz

www.lja.de

www.wald-rlp.de

 

Saarland

www.umwelt.saarland.de

 

Sachsen

www.das-foej.de

 

Sachsen-Anhalt

www.foej-lsa.de

www.ijgd.de

 


Schleswig-Holstein

www.oeko-jahr.de

www.umweltjahr.de

 

Thüringen

www.landesjugendring-thueringen.de

www.internationaler-bund.de

www.naturpark-thueringerwald.de

www.vhsbw.de

www.ejth.de

 

FÖJ im Ausland

www.foej.de/ausland.html

www.freiwilligenarbeit.de

Schlagworte:
 
Freiwilliges ökologisches JahrFÖJFreiwilligendienst

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