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06. März 2012  

Ehrenamtliches Engagement

Für eine bessere Welt (und den Lebenslauf)

Teamfähigkeit, Organisationstalent, Einsatzbereitschaft: So genannte Soft Skills sind für eine Bewerbung fast genauso wichtig wie gute Noten. Wer neben Schule oder Studium seine Talente mit freiwilligem Engagement unter Beweis stellt, hat dadurch einen Vorteil gegenüber vielen Mitbewerbern. Stefan Holzbrecher

Der Name passt perfekt: "Mach die Welt ein bisschen besser" heißt ein Stuttgarter Schülerwettbewerb, mit dem soziales Engagement unter Jugendlichen gefördert werden soll. Der Slogan klingt beim ersten Hören ein wenig übertrieben – aber eigentlich trifft er den Nagel auf den Kopf. "Wir möchten Schüler dazu bewegen, aktiv zu werden und ihnen dabei helfen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für andere einzusetzen", erläutert der 21-jährige Yannick Pengl, einer der Gründer des Projekts, die Idee und den Anspruch. 

Den Grundgedanken lebt Yannick mit der Gründung der Initiative selbst vor: Nach dem Abitur hat er sich entschieden, nicht gleich mit dem Studium zu beginnen, sondern erstmal ein "gemeinnütziges Bildungsjahr" (GBJ) in der Stuttgarter Stadtverwaltung zu leisten. Gemeinsam mit anderen GBJlern nahm er damals Kontakt zu einer Organisation auf, die soziales Unternehmertum unterstützt, und etablierte mit "Mach die Welt ein bisschen besser" deren Modell eines Schülerwettbewerbs in Stuttgart.

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Die Idee: In Workshops an Schulen vermitteln Yannick und seine Kollegen das Know-how, das man braucht, um Projektpläne zu entwerfen, Kooperationspartner zu finden und vielleicht sogar Sponsorengelder zu sammeln. Mit diesem Wissen arbeiten die Jugendlichen in Gruppen ihre Ideen aus und erstellen einfache Businesspläne. Die besten Konzepte werden schließlich mit Geld und Fachwissen unterstützt. Yannick mag an dem Projekt vor allem die Idee der Nachhaltigkeit: "Wir hoffen, dass die Schüler erkennen, wie viel sie durch Kreativität und Eigeninitiative erreichen können – und dass sie sich auch nach dem Ende des Wettbewerbs weiter engagieren."

Yannicks Arbeit könnte also tatsächlich dazu beigetragen haben, dass die Welt hier und da ein bisschen besser wird. Und auch er selbst konnte von seinem GBJ schon profitieren: In Auswahlgesprächen für einen Studienplatz hat er mit den Erfahrungen, die er bei der Umsetzung von "Mach die Welt ein bisschen besser" gesammelt hat, bereits gepunktet – schließlich gibt es nicht viele 21-Jährige, die schon einmal ein Projekt dieser Größenordnung eigenverantwortlich betreut haben. "Wer sich außerhalb von Schule oder Studium bereits erfolgreich engagiert hat, zum Beispiel mit ehrenamtlicher Arbeit, beweist damit wichtige Kompetenzen", sagt EINSTIEG-Bewerbungsexpertin Anke Tillmann. Und das kann in einem Bewerbungsverfahren entscheidend sein: "Jeder kann im Anschreiben auf Fähigkeiten hinweisen, über die er angeblich verfügt – aber nur die wenigsten sind in der Lage, konkrete Gelegenheiten zu nennen, bei denen sie diese Talente schon erfolgreich eingesetzt haben."

Geheimtipp Ehrenamt also? 

"Nicht in jedem Fall", meint Ilona Mirtsin von der Bundesagentur für Arbeit. "Es bringt nichts, im Lebenslauf möglichst viele Ehrenämter aneinander zu reihen. Wichtiger ist, dass es die richtigen sind – nämlich die, die auch wirklich zum Profil des angestrebten Jobs oder Studiengangs passen. So sieht ein möglicher Arbeitgeber auf einen Blick, wenn ein Bewerber

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genau die richtigen Qualifikationen mitbringt." Dass Klasse mehr zählt als Masse, bestätigt auch Tim Göbel, Mitglied des Präsidiums der privaten Zeppelin University in Friedrichhafen: "In unseren Bewerbungsverfahren achten wir darauf, Kandidaten einzuladen, in deren Lebensläufen wir etwas Spannendes entdeckt haben. Ob der Eintrag nur dazu diente, den Lebenslauf künstlich zu verbessern oder ob wirklich etwas dahinter steckt, merken wir in den persönlichen Gesprächen dann sehr schnell." Wer schummelt, fliegt also auf. Wer sich aber ernsthaft mit sozialen Themen beschäftigt, hat gute Karten: "Wir stellen immer wieder fest, dass solche Bewerber ein viel besseres Gespür für die Vielfalt der Welt und auch für die eigenen Stärken entwickelt haben als andere – und genau diese Leute suchen wir", erklärt Göbel. Zum Missbrauch für Karrierezwecke eignet sich ein Ehrenamt also nicht. Aber wer sich aus Überzeugung engagiert, hat gute Chancen, auch selbst davon zu profitieren.

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