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30. Juli 2015  

Freiwilligendienst – mit weltwärts nach Äthiopien und Malawi

Auf nach Afrika

Valerie Hannich hat sich nach Ihrem dualen Studium "BWL- Messe-, Kongress- und Eventmanagement" für einen Freiwilligendienst entschieden. Uns hat die 24-Jährige verraten, wie sie sich für das weltwärts-Programm beworben und was sie in dem Jahr in Afrika erlebt hat.
Freiwilligendienst weltwärts

Valerie hat während ihres weltwärts-Freiwilligendienstes in Malawi auch gelernt, wie man Wasser am besten über lange Strecken transportiert.

Valerie, du bist vor fast einem Jahr mit "weltwärts" nach Afrika gereist. Wie bist du an die Stelle gekommen?
Ich habe mich Ende Juli 2014 für einen Freiwilligendienst ab November 2014 beworben. Eigentlich ist das viel zu spät, die übliche Bewerbungsphase läuft bei vielen Organisationen ein Jahr vor der Ausreise. Auf der weltwärts-Homepage findet man allerdings auch kurzfristiger noch einige vakante Stellen. Bei meiner Suche bin ich schnell auf die artefact gGmbH aufmerksam geworden. Das ist ein Umweltbildungswerk in Glücksburg, das seit 2008 Freiwilligen-Entsendungen nach Ostafrika organisiert. Die Bewerbungsverfahren sind von Organisation zu Organisation unterschiedlich. Meistens steht eine Art Auswahlwochenende mit allen Bewerbern an. Die Teilnahme an einem solchen Wochenende kann bei einigen Organisationen auch schon Voraussetzung dafür sein, sich überhaupt bewerben zu können. In meinem Fall war die Bewerbung per E-Mail möglich. Ich musste einen Motivationsfragebogen ausfüllen und diesen mit anderen Unterlagen abschicken. Weil ich mich so spät beworben hatte, gab es bei mir nur ein persönliches Gespräch. Danach musste ich der Organisation Bescheid geben, ob ich am Programm teilnehmen möchte. Erst dann hat artefact entschieden, dass sie mich aufnehmen wollen.

Wann stand fest, wohin es für dich gehen soll?
Mit der Zusage stand auch fest, dass ich nach Äthiopien gehe. Denn artefact hatte nur noch für bestimmte Einsatzstellen Freiwillige gesucht und mein Profil passte zum dortigen Projekt. Andere Freiwillige haben Ihre Einsatzstelle beim ersten Vorbereitungsseminar mitgeteilt bekommen.

Stichwort Vorbereitungsseminar – Wie wurdest du auf deinen Einsatz vorbereitet?
Während des weltwärts-Programms müssen insgesamt 20 Seminartage absolviert werden. Wie diese aufgeteilt werden, bleibt der Entsendeorganisation überlassen. Bei artefact gab es zwei Vorbereitungsseminare, zweieinhalb und einen Monat vor Abreise jeweils vier bis sechs Tage.

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Dabei ging es unter anderem um Informationen über die Einsatzländer, Kulturunterschiede, Rassismus, Visum, Tropenkrankheiten und Erfahrungsberichte zurückgekehrter Freiwilliger.
In Äthiopien angekommen, gab es noch eine Einführungswoche mit Sprachkurs und kleinem Kultur-Programm. Die Gestaltung der Einführungswoche hängt stark davon ab, mit wie vielen anderen Freiwilligen man in das Land reist und wie weit verteilt sie in dem Land sind.
Neben den Vorbereitungsseminaren gibt es außerdem noch Zwischenseminare und Rückkehrer-Seminare. Das Zwischenseminar findet im Einsatzland oder einem benachbarten Land statt. Hierbei geht es darum, etwa zur Hälfte des Freiwilligendienstes seine bisherigen Erlebnisse zu reflektieren und sich mit den anderen Freiwilligen über Probleme auszutauschen. Bei dem Rückkehrer-Seminar erfährt man, wie sich die Erfahrungen in das eigene Leben integrieren lassen, um vielleicht auch in Deutschland Veränderungen anzustoßen.

Wo warst du überall und was genau hast du dort gemacht?
Ich bin zuerst in einer Umweltschutzorganisation in der Hauptstadt Äthiopiens, Addis Ababa, eingesetzt worden. Dort habe ich die Projektmanager unterstützt und zum Beispiel Projektanträge und Abschlussberichte Korrektur gelesen sowie an der Ausarbeitung eines Handbuchs zum korrekten Einsatz von Pestiziden mitgewirkt. Nach einigen Monaten habe ich auch ein eigenes kleines Projekt zum Thema Kompost entwickelt.
Weil sich die Visabestimmungen kurz vor meiner Einreise nach Äthiopien geändert haben, musste ich schon nach sechs statt nach zwölf Monaten ausreisen. Zum Glück hat meine Entsendeorganisation ein Projekt in Malawi gefunden, für das ich die restlichen Monate meines Freiwilligendienstes arbeiteten konnte. Es gab zwar keine weitere Einführungswoche, aber durch die Erfahrungen in Äthiopien und die Mithilfe anderer Freiwilliger aus Malawi konnte ich mich schnell zurechtfinden. Ich habe in einem Permakultur-Projekt gearbeitet. Das ist ein Anbaukonzept zur Schaffung nachhaltiger menschlicher Lebensräume. Nach einer vierwöchigen Mitarbeit in einem Demonstrationsgarten bin ich zu einem Projektstandort in den Süden Malawis gezogen, um dort bei der Schulung von Dorfbewohnern und Bauern zu helfen.

Was waren die größten Herausforderungen?
Das Arbeiten in einem äthiopischen Büro. Aus Deutschland war ich Gleitzeit und ein hohes Maß an eigenständigem Arbeiten gewohnt. In Äthiopien gab es dagegen feste Arbeitszeiten und ein stark hierarchisches System. Es hat mich viel Geduld gekostet, bis ich mich an diese Umstellung gewöhnt hatte.

Worauf musstest du verzichten?
Ich esse gerne Schokolade. Doch weder in Äthiopien noch in Malawi gab es gute, einheimische Schokolade. Dementsprechend teuer war die importierte Ware. Ich habe schnell gelernt, sie in kleinen Stücken zu genießen.

Was hast du durch deinen Freiwilligendienst gelernt?
Der weltwärts-Freiwilligendienst wird auch Lerndienst genannt und ich kann sagen, ich habe eine Menge gelernt. Zum einen, wie ich mit neuen, unbekannten Situationen umgehe und weit entfernt von Freunden und Familie Probleme alleine löse. Zum anderen, Meinungen und Herangehensweisen anderer zu akzeptieren. Ein weltwärts-Dienst ist keine Entwicklungshilfe, bei der es darum geht, Menschen in anderen Ländern seine Meinung aufzudrängen und ihnen damit zu "helfen". Es geht mehr um einen beidseitigen kulturellen Austausch. Und: Ich bin viel gelassener geworden. Probleme und Unsicherheiten können mich nicht mehr so leicht aus der Fassung bringen, denn irgendwie wird schon alles gut gehen.

Was wirst du vermissen, wenn du wieder zu Hause bist?
Die Märkte! Sowohl in Malawi als auch in Äthiopien gibt es große Märkte, auf denen man unter freiem Himmel von Kleidung über Haushalts- und Elektronik-Artikel bis hin zu Nahrungsmitteln alles bekommt, was das Herz begehrt. Es hat Spaß gemacht, in dieses Gewusel von Händlern, Waren und Marktständen einzutauchen. Im Vergleich dazu kommt mir die Kaufhausatmosphäre in Deutschland langweilig und bedrückend vor.


Wer weitere Geschichten aus Äthiopien und Malawi lesen möchte, kann sich auf Valeries Blog umschauen. Dort hat sie regelmäßig über Ihre Erfahrungen mit Land und Leuten berichtet.

 

Mehr Infos zum weltwärts-Programm

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst "weltwärts" wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Gefördert werden junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, die für eine Partnerorganisation sechs bis zwölf Monate in ein sogenanntes Entwicklungs- oder Schwellenland reisen und dort einen Freiwilligendienst leisten. Rund 75 Prozent der Kosten werden durch öffentliche Mittel finanziert. Umgesetzt wird das Ganze durch derzeit 160 aktive deutsche Nichtregierungsorganisationen (NRO) – sie entwickeln die Einsatzpläne, wählen geeignete Bewerber aus und bereiten diese auf ihren Einsatz vor.

 

Schlagworte:
 
AuslandFreiwilligendienstFSJ

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