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05.10.2015  
Wege in die Logistik

Die Warenverteiler

Die Zukunft der Logistik sieht rosig aus, entsprechend nachgefragt sind gut ausgebildete Mitarbeiter. Wir haben mit Kristin, Sebastian und Kai gesprochen, die sich für den Einstieg in die Logistikbranche entschieden haben.

Kristin Schultz (18)

Macht in Hannover eine Ausbildung als "Fachkraft für Lagerlogistik" bei der Continental Reifen Deutschland GmbH:

"Ich habe die Fachoberschule besucht und mein Jahrespraktikum bei Continental absolviert. Dort war ich erst in der Verwaltung tätig und bin dann ins Lager gewechselt. Das hat mir so viel Spaß gemacht und mein Chef war so zufrieden mit meiner Arbeit, dass ich direkt nach der elften Klasse einen Ausbildungsvertrag unterschreiben konnte. Jetzt bin ich am Ende meines ersten Lehrjahres.

Als angehende Fachkraft für Lagerlogistik lerne ich alles von der Warenannahme bis zum Warenausgang. Ich kontrolliere die Güter und prüfe, ob sie mit dem Lieferschein übereinstimmen. Ich bin aber auch für die Kommissionierung verantwortlich. Das bedeutet, dass ich Waren nach einem Versandauftrag zusammenstelle. Außerdem kümmere ich mich um das Verpacken und Versenden der Ware. Wie in fast allen Betrieben darf ich den Gabelstaplerführerschein machen, das erleichtert die Arbeit. Damit ich die Arbeitsabläufe kennenlerne, arbeite ich immer mehrere Wochen in einer Abteilung. Neben der Warenannahme gibt es zum Beispiel die Rampe, auf der die LKW entladen werden. Aber auch Abforderung und Logistik, also der firmeninterne und externe Versand, sind jeweils eine eigene Abteilung. Natürlich helfe ich auch im Büro aus und schreibe zum Beispiel Lageraufträge für die Kollegen. Den Wechsel von Büro- und Lagerarbeit mag ich besonders. Ein reiner Schreibtischjob wäre nichts für mich, ich muss mich zwischendurch einfach bewegen.

Zweimal die Woche habe ich Berufsschule. Neben klassischen Fächern wie Deutsch, Englisch und Politik gibt es auch fachbezogenen Unterricht. Hier beschäftigen wir uns zum Beispiel mit den verschiedenen Arten der Kommissionierung, Ladungssicherung und Lagertechnik. Wir machen auch Tourenpläne und lernen dabei viel über Deutschland und die angrenzenden Regionen. Wer Fachkraft für Lagerlogistik werden will, sollte zwei Dinge wissen: Der Beruf ist körperlich anstrengend, weil man trotz vieler Hilfsmittel immer wieder Waren von Hand ins Regal heben muss. Und auch Schichtarbeit gehört dazu. Nach der Ausbildung möchte ich die zwölfte Klasse nachholen, damit ich mich an einer Fachhochschule für einen Logistikstudiengang bewerben kann. Vielleicht mache ich auch noch den Meister, mein Unternehmen würde mir jedenfalls die Möglichkeit dazu geben."

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Sebastian Monat (26)

Studiert "Logistik und Supply Chain Management" an der bbw Hochschule in Berlin:

Mein Einstieg in das Studium war eher ungewöhnlich. Erst war ich sechs Jahre lang bei der Bundeswehr, habe dort einen IHK-Abschluss als Bürokaufmann gemacht und mich danach um die Logistik gekümmert. Dann habe ich mich für das Studium "Logistik und Supply Chain Management" an der bbw Hochschule entschieden. Mittlerweile bin ich im sechsten Semester und stehe kurz vor meinem Abschluss. Wer sich für den Studiengang interessiert, sollte unbedingt Interesse an Technik und Zahlen mitbringen. Denn beides spielt im Ingenieurwesen eine sehr große Rolle. Das merkt man auch während des Studiums sehr schnell. In den ersten beiden Semestern geht es vor allem um ingenieurwissenschaftliche Grundlagen.

Dazu gehören auch viele technische Fächer. Im Kurs "Konstruktion/CAD" zum Beispiel mussten wir ein Produkt an der Maschine planen und umsetzen. Und im Seminar "Fertigungs- und Montagetechnik" haben wir uns mit Produktionsverfahren wie Tiefziehen und Drehfräsen beschäftigt. Neben Physik und Mathe wird aber auch ganz klassisch Betriebswirtschaft unterrichtet. Im dritten und vierten Semester geht es dann um die Spezialisierung "Logistik und Supply Chain Management". Dabei stehen die kompletten logistischen Prozesse vom Rohmaterial über die Fertigungsstufen bis zum Endkunden im Vordergrund. Man betrachtet also den Lebensweg eines Produkts vom Anfang bis zum Ende. Was passiert mit dem Produkt, bevor es in mein Unternehmen kommt? Wo geht es danach hin? Weil ich während meiner Studienzeit ein Jahr lang Werkstudent bei einem deutschen Automobilhersteller war, konnte ich viel aus der Theorie in die Praxis umsetzen. Überhaupt habe ich dort viel gelernt – zum Beispiel, dass ein Kleintransporter aus bis zu 3.000 Teilen besteht, die oft erst einmal um die halbe Welt gehen, bevor sie im Auto verarbeitet werden.

In den letzten beiden Semestern, im sogenannten Anwendungsstudium, beschäftigt man sich unter anderem mit Business-Strategien, Projekt- und Qualitätsmanagement. Diese Kurse sollen auf Positionen in der Führungsebene vorbereiten. Das Gute an meinem Studium ist, dass die Professoren aus der Praxis kommen und den Studenten immer gleich anschauliche Beispiele aus ihrer Berufserfahrung mitgeben. Wir durften auch verschiedene Werke besichtigen, unter anderem das von BMW in Spandau. Nach meinem Abschluss würde ich am liebsten in der Automobil- oder Pharmaindustrie arbeiten und mich um den strategischen und technischen Projekteinkauf kümmern. Eine Alternative wäre der Job des Disponenten, der dafür sorgt, dass die Bauteile für die Produktion rechtzeitig ans Band kommen. Und natürlich ist auch das Masterstudium eine Option.

Kai Kleeßen (20)

Studiert den dualen Studiengang "Logistikmanagement" an der EUFH in Brühl:

Ich bin im zweiten Semester und stecke gerade mitten in der Klausurphase. In meinem Studium wechseln sich Theorie- und Praxisphasen alle drei Monate ab. Weil ich neben dem Unterricht an der Hochschule eine Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen absolviere, bin ich in der Theoriephase drei Tage pro Woche an der Uni und zwei Tage in der Berufsschule.

Als Logistikmanager versucht man, aus einzelnen Prozessen eine fließende Prozess- oder Transportkette zu erschaffen. Diese einzelnen Prozesse können ein einfacher Transport von Waren, Geldern oder Informationen sein, aber auch der Umschlag von Waren oder deren Lagerung. Interessant ist, dass zwischen diesen Prozessen Lücken entstehen, die geschlossen werden müssen. Das ist eine große Herausforderung. Im Job und auch im Studium spielt Betriebswirtschaft eine große Rolle. Deswegen geht es im Studiengang "Logistikmanagement" um viele betriebswirtschaftliche Fragen. Wir haben im ersten Semester zum Beispiel gelernt, was Wirtschaften überhaupt heißt, wie ein Unternehmen aufgebaut ist und welche Ziele es verfolgt. Aber auch die Grundlagen des Logistikmanagements waren schon Thema, speziell die Transport- und Verkehrslogistik. Neben den Vorlesungen zur Wirtschaftsinformatik waren vor allem die zum Wirtschaftsrecht ganz neu für mich. Vor dem Studium habe ich mich jedenfalls noch nie mit dem Handelsgesetzbuch beschäftigt.

Was ich besonders mag, sind die Kurse, in denen uns Soft Skills beigebracht werden. Hier erfahren wir, wie wir am besten lernen und uns oder ein Thema bestmöglich präsentieren. Es wird uns aber auch erklärt, worauf es zum Beispiel beim Projektmanagement ankommt. Auf welche Wahlvertiefung ich mich ab dem vierten Semester festlege, steht noch nicht fest. Zur Auswahl stehen "Human Resources Management", "Marketing", "Internationales Management", "Quantitative Methoden" und "Fachübergreifende Managementkompetenz". Meine Praxisphasen verbringe ich bei den Abfallwirtschaftsbetrieben in Köln. Das ist zwar kein klassisches Logistikunternehmen, aber ich lerne dort viel über die verschiedenen Arbeitsprozesse. Ich durfte zum Beispiel schon Einsatzpläne schreiben und festlegen, welcher Fahrer auf welchem Fahrzeug eingesetzt wird. Alle sechs bis acht Wochen wechsle ich die Abteilung. Bislang durfte ich die Arbeit im Containerservice kennenlernen. Die Arbeitsatmosphäre ist locker und alle Kollegen sind total nett. Nach dem Studium werde ich erst einmal eine Zeit lang bei den AWB arbeiten. In Absprache mit meinem Unternehmen würde ich aber gerne noch den Master dranhängen.

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