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24. August 2011  

Pilot werden

Ready for take off

Pilot werden – fast jeder träumt als Kind davon. Wer auch als Erwachsener noch vom Fliegen träumt, kann sich bei Schulen und Airlines für die Ausbildung zum Pilot bewerben.

Wer bei der Lufthansa Pilot werden will, muss in den Südwesten Arizonas. Hier, am Rande der Wüste, befindet sich der kleine Ort Goodyear, knapp dreißig Autominuten von der Hauptstadt Phoenix entfernt. Das Klima hier ist trocken und heiß, die Flugschüler des Airline Training Center Arizona (ATCA) der Lufthansa Flight Training können davon ein Lied singen. Bei bis zu 50 Grad Celsius im Cockpit kommt jeder Pilot ins Schwitzen. 

Doch das nimmt jeder gern in Kauf, der Pilot werden möchte und zum ersten Mal selbst hinter das Steuerhorn einer einmotorigen Piper PA 27 darf. Wer es bis hierhin geschafft hat, hat ohnehin schon ganz andere Prüfungen bestanden. Denn bevor ein Schulungsvertrag mit einem Bewerber unterschrieben wird, muss dieser die sogenannte Berufsgrunduntersuchung (BU) sowie die Firmenqualifikation (FQ) erfolgreich beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg absolvieren. Hieran scheitern über 90 Prozent der Bewerber für die Ausbildung zum Pilot, eine Wiederholung der Prüfung ist nicht möglich.

Wer diese Hürden zur Pilotenausbildung bei der Lufthansa aber erfolgreich hinter sich gebracht hat, den erwartet eine etwa zwei Jahre dauernde abwechslungsreiche Schulung an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa Flight Training GmbH. Angehende Piloten lernen hier nicht nur fliegen, sie werden auch gezielt auf die Ansprüche der Lufthansa-Konzernflugbetriebe vorbereitet. Dazu gehören nicht nur die Kenntnisse neuester Technologien und Entwicklungen, sondern auch der Umgang mit Menschen.

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Nach zunächst viermonatiger Theorie in Bremen beginnt für die Nachwuchs-Piloten der erste zehnwöchige praktische Teil ihrer Ausbildung in der Wüste Arizonas. Ideales Flugwetter, eine große Schulungsflotte, ein Campus voller Flieger: Die angehenden Piloten finden hier ausgezeichnete Bedingungen für die praktische Flugausbildung. Fast 80 Prozent des Praxistrainings finden hier statt. "Nicht, weil wir den jungen Leuten möglichst viel Abenteuer bieten möchten, sondern weil wir hier 365 Tage im Jahr fliegen können", betont Mathias Kippenberg, Flugkapitän und Leiter der ATCA in Goodyear. Denn hier steht den 180 Flugschülern buchstäblich der Himmel offen. Ihr Tagesablauf ist vom Fliegen bestimmt. Fast 50 Schulflugzeuge stehen zur Verfügung, über 70 erfahrene Fluglehrer vermitteln die auf "Demonstration and Practice" basierenden Ausbildungsinhalte. Jeder soll mindestens anderthalb bis zweieinhalb Stunden pro Tag fliegen.

Pilot werden heißt fliegen und büffeln

Pilot werden heißt aber auch Theorie büffeln: Zurück in Bremen stehen Allgemeine Technik, Luftrecht, Flugzeugsysteme sowie Radio- und Navigationsinstrumente, Navigation, Meteorologie, Sprechfunk oder Flugpsychologie und Führungs- und Verhaltenstraining auf dem Lehrplan. Letzterer Themenkomplex umfasst die kritische Beurteilung der eigenen Leistungs- und Kommunikationsfähigkeit, Stressbewältigung, Informationsverarbeitung und Entscheidungsstrategien. Fester Bestandteil der Ausbildung ist das Computer Based Training, wobei jeder Nachwuchs-Pilot die verschiedenen Systeme der Flugzeugtypen kennen lernt, die er in der Ausbildung fliegen wird.

Nach vier Monaten folgen fünf Monate intensives Flugtraining im ATCA. Dieser Ausbildungsabschnitt beinhaltet den Checkflug zur "Commercial Pilot License". Zurück in Bremen absolvieren die Flugschüler weitere sechs Wochen Flugtraining. Nach 16 Stunden auf der Piper Seneca kommt der zweistündige IFR-Checkflug zur Erlangung der Instrumentenflugberechtigung. 

 Noch einmal gut viereinhalb Monate Theorie, dann absolvieren die Nachwuchs-Piloten die Theorieprüfung für den ATPL und die Langstreckenberechtigung. Speziell auf Lufthansa zugeschnitten sind die letzten zwei Ausbildungsmonate: Mit Theorie, Crew Coordination Concept und praktischem Flugtraining im Simulator endet die Schulung mit dem Erwerb des Luftfahrtscheins (ATPL) und des Type Ratings - die Musterberechtigung für die Einstiegsmaschinen Airbus A320 oder Boeing 737. Dann heißt es: "Ready for take off."

Jetzt geht's ins Cockpit einer A320 oder Boeing 737. Die ersten 130 Flugstunden werden die Neu-Piloten noch von einem erfahrenen Trainingskapitän unterstützt, ein weiterer Copilot steht zusätzlich mit Rat und Tat zur Seite. Nach einem Checkflug zum First Officer ist dann das erste Ziel erreicht: Copilot bei der Deutschen Lufthansa. Als vollwertiges Cockpit-Mitglied sind Copiloten zusammen mit dem Kapitän verantwortlich für den sicheren, wirtschaftlichen und pünktlichen Flugablauf. Kapitän und Copilot sind Partner im Cockpit-Team. Sie tragen die Verantwortung für Passagiere und Maschine und müssen Entscheidungen treffen.

Der Copilot muss jederzeit in der Lage sein, den Flug allein fortzusetzen, er ist technischer Berater und Partner zugleich. Da Cockpit- und Kabinencrew ständig wechseln, erfordert der Beruf des Piloten auch ein hohes Maß an sozialer Kompetenz im Umgang mit Menschen sowie ausgeprägte Führungs- und Managementqualitäten. Einen kühlen Kopf behalten, auch in schwierigen Situationen, der Crew und den Passagieren das Gefühl von Sicherheit vermitteln, sich ständig an neue Situationen, Länder, Mentalitäten und Menschen anpassen und gleichzeitig komplexe Systeme und Technik beherrschen - diese Merkmale verdeutlichen das Außerordentliche des Berufsbildes. Piloten sind IT-Spezialisten mit umfassendem Systemverständnis, Entscheider und Manager an der Schnittstelle Mensch und Maschine.

Voraussetzungen für Bewerbungen bei der Deutschen Lufthansa:

  • Deutsch und Englisch fließend in Wort und Schrift
  • Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife (Fachhochschulreife reicht nicht aus)
  • Alter bei Ausbildungsbeginn: 18 bis max. 29 Jahre (+364 Tage)
  • Gute körperliche Konstitution
  • Körpergröße zwischen 1,65 m und 1,98 m
  • Gutes Sehvermögen (+/- 3 Dioptrien)
  • Staatsangehörigkeit eines EU-Landes, eine Aufenthaltsberechtigung oder eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis für die Bundesrepublik Deutschland; Besitz eines uneingeschränkten Reisepasses
  • Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit
  • überzeugende Darlegung der Berufsmotivation
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