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05. Mai 2008  

Luftverkehrskaufmann und Fluggerätemechaniker

Mittendrin statt nur dabei

Flughäfen und -gesellschaften bilden eine Vielzahl von Berufen aus, die mit Flugzeugen gar nicht viel zu tun haben – vom Bürokaufmann über den Radio- und Fernsehtechniker bis zum Gärtner. Es gibt aber auch einige Ausbildungen, die einen ganz nah rankommen lassen ans aufregende Airport-Geschehen.

Gerade ist der Airbus aus Paris auf dem Frankfurter Flughafen gelandet. In anderthalb Stunden soll der stählerne Vogel wieder abheben und zurück nach Frankreich fliegen. Die Maschine ist kaum auf dem Boden und am Gate angekommen, da macht sich Patric Hippmann an ihr zu schaffen, überprüft die elektronischen Geräte. Er hat nicht viel Zeit, aber die Handgriffe sind tausendmal geübt und sitzen. Noch bevor die letzten Passagiere für den Rückflug ihr Gepäck aufgeben, übergibt Patric dem Kapitän die Checkliste. Kurze Zeit später trifft Benjamin Köppel den Piloten. Er übergibt ihm die Flugdaten, die er gerade in seinem Büro mit Blick auf die Landebahn berechnet hat.

Die Szene ist natürlich erfunden. Wahrscheinlich werden Benjamin und Patric nie innerhalb von einer halben Stunde mit demselben Piloten zusammentreffen, wahrscheinlich werden sie nicht einmal am gleichen Flughafen arbeiten. Jeder für sich könnte diese Situationen aber bald erleben. Denn Patric und Benjamin machen eine Ausbildung, mit der sie das Ticket zu ihrem Traum-Arbeitsplatz, dem Flughafen, so gut wie gebucht haben. Patric lernt Fluggeräteelektroniker, Benjamin macht eine Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann.

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Kaufleute und Techniker

Es gibt technische und kaufmännische Ausbildungen, die speziell auf den Luftverkehr zugeschnitten sind. Bei den Kaufleuten ist das neben dem Luftverkehrskaufmann noch der Servicekaufmann im Luftverkehr. Der Unterschied: Die Servicekaufleute arbeiten, wie der Name schon sagt, vor allem im Service - am Check-In, im VIP-Bereich und in der Fluggast-Betreuung. Bei den Luftverkehrskaufleuten liegt der Schwerpunkt mehr auf dem Kaufmännischen. Die Einsatzmöglichkeiten für die Luftverkehrskaufleute sind weit gestreut. Sie kontrollieren die Frachtpapiere beim Im- und Export, fertigen die Papiere für Flugzeuge ab, können in der Finanzabteilung einer Fluggesellschaft arbeiten oder im Marketing. Benjamin Köppel hat zuletzt in der Bauvergabe gearbeitet, war auch schon in einer Abteilung, in der er die mögliche Gepäckmenge und andere wichtige Daten für den Piloten berechnet und zusammengestellt hat. Am Frankfurter Flughafen, wo er sich im zweiten Lehrjahr zum Luftverkehrskaufmann befindet, stehen ihm grundsächlich alle kaufmännischen Abteilungen offen. Das bedeutet nicht, dass er keinen Kontakt zu den Kunden hat: "Wir können durchaus an die Front geschickt werden, in der Ausbildung und auch danach", sagt der 21-jährige. Er selber hat beispielsweise in der Passagierabfertigung mitgearbeitet.

Während der direkte Kontakt mit den Fluggästen bei den Luftverkehrskaufleuten zum Job dazugehört, ist er für die Servicekaufleute das Hauptmerkmal. Sie verkaufen, beraten, betreuen und lösen die kleinen und großen Probleme der Fluggäste. Wer den Umgang mit Menschen nicht liebt, sollte sich einen anderen Job suchen. "Die Servicekaufleute müssen sich im klaren sein, dass ein Teil ihrer Aufgaben auch von angelernten Kräften erledigt wird", sagt Benedikt Peppinghaus vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Wen der Beruf dennoch reize, der könne durchaus sein Glück darin finden: "Die Azubis, mit denen ich gesprochen habe, waren immer hoch zufrieden", erzählt er.

 

Faszination Internationalität

Die Faszination Flughafen liegt für viele in der Internationalität. Auf der einen Seite steht die Chance, später im Ausland zu arbeiten. "Viele Fluggesellschaften haben Kooperationen überall auf der Welt, da stehen einem viele Türen offen", erklärt Benedikt Peppinghaus. Benjamin Köppel beispielsweise geht demnächst für ein Praktikum nach Wien, andere Frankfurter Auszubildende waren in Hongkong oder Manila. Aber auch die Arbeit an einem deutschen Flughafen ist international. Ohne Englisch läuft gar nichts, eine zweite Fremdsprache ist sehr willkommen - das gilt für beide kaufmännische Ausbildungen. Ansonsten unterscheiden sich die Anforderungen ein wenig: Während bei den Luftverkehrskaufleuten die schulischen Leistungen mehr im Vordergrund stehen - am Frankfurter Flughafen zum Beispiel müssen die Bewerber eine glatte drei in Mathe, Deutsch und Englisch vorweisen können - kommt es bei den Servicekaufleuten noch stärker auf die menschlichen Fähigkeiten an. "Sie müssen auf Leute zugehen und spontan Probleme lösen können", erklärt Birgit Höfling vom Frankfurter Flughafen. "Stille Stubenhocker können wir nicht gebrauchen." 

 

Als Techniker am nächsten dran

Für Patric Hippmann wäre keine der kaufmännischen Ausbildungen das Richtige: "Mich fasziniert die Technik, ich will direkt ans Flugzeug ran", sagt er. Im Moment sitzt Patric aber noch die meiste Zeit in einer Werkhalle oder der Berufsschule in München. Er ist im dritten Lehrjahr zum Fluggerätelektroniker. Nach der Ausbildung kann er sowohl im Flugzeugbau mitarbeiten als auch in der Instandhaltung direkt am Flughafen. Fluggerätelektroniker kommen auch zum Einsatz, wenn eine Maschine zwischen Landung und Start durchgecheckt wird.

Bei den Fluggerätmechanikern, einem zweiten technischen Ausbildungsberuf im Luftverkehr, ist das etwas anders. Sie müssen sich schon vor der Ausbildung entscheiden, für welchen der Bereiche Triebwerktechnik, Instandhaltungstechnik oder Fertigungstechnik sie sich entscheiden. Damit treffen sie auch eine erste Entscheidung über ihren späteren Arbeitsplatz. Am Flughafen können alle drei arbeiten. Während Triebwerktechniker und Fertigungstechniker vor allem in Hangars und Werkhallen zum Einsatz kommen, müssen die Instandhaltungstechniker auch direkt auf dem Flugfeld ran. Sie haben auch die besten Chancen, später im Ausland zu arbeiten. Die Lufthansa beispielsweise braucht Fluggerätelektroniker auf ihren Stützpunkten überall auf der Welt.

 

Ausbildungsdauer und Voraussetzungen

Luftverkehrskaufmann und Servicekaufmann im Luftverkehr: 

Dauer jeweils drei Jahre; Englischkenntnisse; meist Hochschulreife

Fluggerätemechaniker + Fluggerätelektroniker

Dauer jeweils 3,5 Jahre; Englischkenntnisse; Realschule und Abitur, teilweise gute Hauptschulabschlüsse

Schlagworte:
 
LuftverkehrskaufmannFluggerätemechanikerFlughafenLuftfahrt

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