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23. August 2010  

Karriere bei der Bundeswehr

Karriere verpflichtet

Wer bei der Bundeswehr Karriere machen möchte, setzt auf einen Job, der krisensicher, aber nicht ganz ungefährlich ist: Auslandseinsätze gehören dazu, wenn man sich langfristig verpflichtet.

Die Bundeswehr ist der größte Arbeitgeber in Deutschland - und unter Schülern einer der beliebtesten. Laut trendence-Schülerbefragung 2012 wünschen sich mehr als sieben Prozent der Jugendlichen eine Karriere bei der Bundeswehr. Einer davon ist David: In zwei Jahren hat er sein Abi in der Tasche, dann ist er 18. Es kann sein, dass David sich erst mit 35 wieder frei entscheiden kann, wo und für wen er arbeitet – bis dahin würde er nicht nur Medizinstudent und später Arzt sein, sondern immer auch Soldat: "17 Jahre sind schon ziemlich lang, aber ich hätte kein großes Problem damit, mich zu verpflichten, um beim Bund Medizin zu studieren." Wer bei der Bundeswehr Karriere machen will, muss sich darüber klar sein, dass die attraktive Ausbildung ihren Preis hat: sowohl in der langen Verpflichtungszeit als auch in den Gefahren, denen Bundeswehrsoldaten inzwischen durch Auslandseinsätze wie dem in Afghanistan ausgesetzt sind.

 

Bundeswehr ermöglicht Karriere und Studium

"Für Abiturienten ist die Offizierslaufbahn der klassische Einstieg in die Bundeswehr-Karriere, und da gehört eigentlich immer ein Studium dazu", sagt Wehrdienstberatungsoffizier Raphael Friedel. Doch nicht jeder muss sich so lange verpflichten, wie David es vorhat. Nur wer Pharmazie oder Medizin studieren möchte, muss für 17 Jahre unterschreiben, für alle anderen Studiengänge reichen 13 Jahre.

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 An den Bundeswehrhochschulen in München und Hamburg kann man technische Fächer wie Luft- und Raumfahrttechnik oder Maschinenbau studieren, aber auch Medizin oder Geistes- und  Wirtschaftswissenschaften. Das Studium bei der Bundeswehr hat gegenüber einer zivilen Hochschulausbildung einige Vorteile: Nach nur vier Jahren haben die Offiziersanwärter den Master in der Tasche – eine gute Betreuung und straffe Organisation machen es möglich. Jobben muss nebenher niemand, denn beim Bund steigt man mit 1.530 Euro Nettogehalt ein – unabhängig davon, ob man eine Ausbildung macht oder studiert. Die hohen Mieten in den beiden beliebten Großstädten sind auch kein Problem: Es gibt ausreichend Apartments auf dem Campus, in denen die künftigen Offiziere kostenlos wohnen können. Dieser Luxus hat seinen Preis: wenig Freizeit und einen vollgepackten Stundenplan, der neben Vorlesungen, Prüfungen und Praktika natürlich auch die militärische Ausbildung vorsieht. Und für die muss man sich fit halten: "In München gibt es mehr als 40 Sport-AGs, das reicht von American Football über Fußball und Tennis bis zur Golf Driving Ranch. Das sind fast schon amerikanische Verhältnisse!", erzählt Friedel aus seiner Studienzeit.

 

Ausbildung, Sport und Marschieren

Alternativ zum Studium schlagen viele (Fach-)Abiturienten die Feldwebellaufbahn ein und machen eine Ausbildung, für die sie sich neun Jahre verpflichten müssen. Auch hier ist die Auswahl groß: Vom Industriemechaniker über den Mediengestalter bis zum Physiotherapeuten werden mehr als 50 Ausbildungsberufe angeboten. Die Azubis sind hier ebenfalls schneller fertig als im zivilen Leben, in 21 Monaten haben sie ihren – von der Industrie- und Handels- bzw. Handwerkskammer abgenommenen – Abschluss in der Tasche.

Doch auch für die Techniker, Kaufleute und  Mediengestalter beim Bund gilt: Nach der Ausbildung arbeiten sie im militärischen Bereich, denn jede Ausbildung hat einen klaren Bezug zum späteren Job: Der Mechatroniker setzt Panzer in Stand und der Mediengestalter ist für die "operative Information" durch eigene Magazine oder Fernsehsendungen zuständig. Dabei sind 80 Prozent des Tages normaler Berufsalltag, der Rest ist mit Schießtraining, Sport und Märschen militärisch gefüllt – schließlich dürfen die Zeitsoldaten nichts verlernen und müssen auch körperlich fit bleiben.

 

Auslandseinsatz auch für Mediengestalter

Auslandseinsätze gehören mit zum Job, man erklärt sich für die gesamte Verpflichtungszeit bereit, auch im Ausland zu arbeiten. "Natürlich läuft man als Mediengestalter nicht Patrouille, aber man kann durchaus im Lager  Schreibtischarbeiten erledigen", erklärt Friedel das Prinzip. Man sei immer Soldat: "Es ist realistisch, dass jeder Soldat, der 13 Jahre dabei ist, einmal ins Ausland muss. Militärpolizisten, die in Afghanistan die Sicherheitskräfte ausbilden, gehen meist mehrfach."

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Und das ist nicht ungefährlich: Seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan sind mehr als 40 Bundeswehrsoldaten gefallen – da muss man gründlich überlegen, ob man dieses Risiko für einen gut bezahlten und krisensicheren Job aufnehmen möchte. "Als zum ersten Mal etwas passiert ist, sind weniger Interessenten zu den Beratungen gekommen. Inzwischen merkt man davon nichts mehr", sagt Beratungsoffizier Friedel. Bedingt durch die Wirtschaftskrise steigen die Bewerberzahlen wieder, weil viele an einem sicheren Arbeitsplatz interessiert sind, so gibt es für die Offizierslaufbahn rund 10.000 Bewerber auf knapp 2.000 Stellen.

 

Frauen dürfen bei der Bundeswehr fast alles

Unter den Bewerben sind auch immer mehr Frauen: 16.000 arbeiten bereits bei der Bundeswehr – und es sollen noch mehr werden. Es gibt inzwischen Frauen, die Tornados fliegen, aber auch Kompaniechefinnen, die für 150 Männer verantwortlich sind. Friedel hat den Eroberungszug der Soldatinnen miterlebt: "Anfangs gab es schon Vorurteile, ob sich eine Frau da durchsetzen kann, aber viele sind echt ehrgeizig und starten inzwischen richtig durch. Da müssen sich die Männer karrieremäßig warm anziehen!"

Wie im zivilen Berufsleben auch studieren die weiblichen Offiziere eher Geistes- oder Wirtschaftswissenschaften und halten sich von den technischen Fächern fern, doch grundsätzlich stehen ihnen seit 2001 alle Laufbahnen offen. Nur bei den Spezialkräften, wo die körperlichen Anforderungen so hoch sind, dass auch schon so mancher Mann am Einstellungstest gescheitert ist, hat sich bislang noch keine Frau beworben. Auch der künftige Medizinstudent David weiß, was da verlangt wird: "KSK (Kommando Spezialkräfte) würde mich schon interessieren, aber ich glaube nicht, dass ich das schaffe. Ausprobieren will ich es auf jeden Fall!"

Doch was müssen Bewerber – egal ob männlich oder weiblich – mitbringen, um beim Militär Karriere zu machen? Auf jeden Fall sollten sie teamfähig sein, schließlich arbeiten sie die ganze Zeit mit Menschen zusammen. Außerdem müssen vor allem die Offiziersanwärter bereit sein, früh Verantwortung zu übernehmen, denn sie sind schon nach einem halben Jahr für die Grundausbildung ihrer Kollegen mitverantwortlich. Und wer die Doppelbelastung von fachlicher und militärischer Ausbildung hinbekommen will, muss zudem leistungsfähig sein, auch körperlich.

Wer all das mitbringt, kann sich für die Offiziers- oder Feldwebellaufbahn bewerben, je nachdem, ob er studieren oder eine Ausbildung machen möchte. Für beide Laufbahnen müssen die Bewerber erst einmal einen Einstellungstest bestehen, der neben körperlichen Tests auch eine Art Assessment-Center vorsieht. Nach Gruppenübungen, Eignungstests und einem Intelligenztest, kommen sie auch noch auf die Couch: Das einstündige Gespräch mit einem Psychologen stellt laut Wehrdienstberater Friedel die größte Hürde dar: "Da zählt die Persönlichkeit, und man muss ganz offen sagen, dass nicht jeder für eine Karriere bei der Bundeswehr geeignet ist!" von Annette Kamps

 

Arbeitgeber Bundeswehr in Zahlen

• mehr als 50 Ausbildungsberufe

• 25 Studiengänge an zwei Bundeswehrhochschulen; zusätzlich Pharmazie und Medizin an zivilen Hochschulen

• Berufs- und Zeitsoldaten insgesamt: 200.000

• Frauenanteil: derzeit 16.000, das entspricht 9 Prozent; Zielvorgabe sind mindestens 15 Prozent


Link-Tipps

www.bundeswehr.de
Universität der Bundeswehr München
Universität der Bundeswehr Hamburg

 

 

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