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25. März 2010  

Berufswelt Logistik

Herrscher der Verkehrswege

Unaufhörlich transportieren Frachtschiffe, Cargo-Jets, Lkw und Güterzüge Produkte aller Art von einem Winkel der Erde zum anderen. Strippenzieher des globalen Warenflusses sind die Logistiker. Ihr Wirtschaftszweig gehört zu den drei stärksten in Deutschland. Robert Piterek
Logistik

Logistiker ziehen die Strippen hinter dem Warenfluss. © Judith Strücker

Der Frankfurter Flughafen ist der wichtigste Frachtflughafen in Kontinentaleuropa. Neben über 50 Millionen Fluggästen fertigt das Personal 2,1 Millionen Tonnen Luftfracht pro Jahr ab. Das riesige Flughafenareal mit den zahlreichen Terminals und Rollfeldern ist der Arbeitsplatz der 21-Jährigen Isabelle Theobald aus Limburg. Hier verbringt sie die Praxisphasen ihres dreijährigen dualen Bachelor-Studiums in Luftverkehrsmanagement. Ihr Arbeitgeber ist der Flughafenbetreiber Fraport, ihre Hochschule die FH Frankfurt. "Ich wollte etwas im Bereich Wirtschaft machen, aber kein reines BWL-Studium. Als ich auf den Luftverkehr und die Fraport AG stieß, war ich direkt Feuer und Flamme", beschreibt Isabelle ihre Studienentscheidung.

Inzwischen ist sie im fünften Semester und steht kurz vor dem Abschluss. Ihre letzte zwölfwöchige Praxisphase wird sie bei einem Logistikunternehmen am Flughafen verbringen, dort einen Arbeitsprozess beobachten, ihn analysieren

und Vorschläge ausarbeiten. Dabei geht es um die Optimierung der Rampenbelegung oder die Einführung von Verbesserungsprozessen bei der Kooperation zwischen Warenhersteller und Logistikdienstleister.

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Ihre übrigen praktischen Studienabschnitte hat sie in der Personalentwicklung, im Controlling und bei den Bodenverkehrsdiensten verbracht, wo sie die Kollegen bei der Abfertigung von Frachtgut unterstützt hat – gekleidet natürlich im vorgeschriebenen Blaumann. Auch einen Auslandseinsatz hat sie hinter sich. Bei der Fraport-Tochter Twinstar Airport Mangement im bulgarischen Varna betreute sie ein Projekt im Terminalmanagement. "Weil in Bulgarien die Passkontrollen von EU-Bürgern bald abgeschafft werden, habe ich mir überlegt, wie die Terminals angepasst werden können. Dabei musste ich zum Beispiel darauf achten, dass die Wegeführung für die Passagiere stimmt", sagt Isabelle.


Sprachkenntnisse gefragt

Im Kern ist ihr Studium betriebswirtschaftlich aufgebaut. Mit ihrem Leistungskurs in Wirtschaft und den analytischen Fähigkeiten aus dem Matheunterricht ist Isabelle schon in der Schule gut darauf vorbereitet worden. "Wichtig ist auch gutes Deutsch, weil wir ja viel schreiben, und natürlich Fremdsprachen", ergänzt sie. Was Isabelle nach dem Studium bei Fraport machen will, weiß sie noch nicht. Angst vor der Krise im Luftverkehr hat sie aber nicht. "Nach Krisen ist die Luftfahrt immer gewachsen. Wir sind alle optimistisch." Berufschancen für Luftverkehrsmanager winken auch bei Fluggesellschaften oder der  Flugsicherung.

 

Jeden Tag etwas Neues

Man nennt sie die Architekten des Transportwesens: die Kaufleute für Speditionen und Logistikdienstleistungen. Sie organisieren den Versand, den Umschlag sowie die Lagerung von Gütern und verkaufen die-se Dienstleistung. Auch die Kölner Emons Spedition mischt mit beim grenzüberschreitenden Güterverkehr und ist mit 40 Niederlassungen in ganz Europa breit aufgestellt. 

Im Vertriebsbüro der Speditionskauffrau Jennifer Ross klingeln die Telefone rund um die Uhr, doch das bringt die 23-Jährige nicht aus der Ruhe. Sie bleibt freundlich, egal wie ruppig der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung auftritt. Vor dem Fenster ihres Büros herrscht hektisches Treiben: Lkw rangieren vor einer großen Lagerhalle, dazwischen bahnen sich Gabelstapler ihren Weg, beladen mit Paletten unterschiedlichster Waren.

Jennifer sorgt dafür, dass den Kollegen nicht die Arbeit ausgeht. Tag für Tag nimmt sie Anfragen entgegen, erstellt Angebote und errechnet Tagespreise für Gütertransporte. Mal geht es nur um eine Palette von Köln nach München, mal um eine größere Ladung in die Ukraine. "Es gibt hier jeden Tag etwas Neues. Der Gedanke, etwas von hier nach dort zu transportieren und alles selbst ausgerechnet zu haben, fasziniert mich. Außerdem ist die Arbeit hektisch, das gefällt mir", sagt die junge Kölnerin.

Nach ihrer einjährigen Ausbildung hat Jennifer im vergangenen September ein Studium an der Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM) in Köln gestartet. Sie strebt den Bachelor of Business Administration an und will sich im Hauptstudium auf Logistikmanagement spezialisieren. Zurzeit büffelt sie die Grundzüge des Managements und besucht Seminare zu Personalplanung und internationalem Recht. Da sie berufsbegleitend studiert, ist die Zeit für Freunde und Familie knapp geworden: "Ich arbeite täglich bis 17 Uhr und gehe anschließend zwei Mal wöchentlich in die Uni, alle zwei Wochen auch am Samstag." In ihrer Berufsausbildung hat sie alle Abteilungen einer Spedition kennen gelernt. Sie war in der Serviceabteilung, die über den Standort der Sendung informiert und falsch verladene Lieferungen ans Ziel bringt, in der Disposition, wo Material und Waren auf Lkw und andere Verkehrsmittel verteilt werden und im Export. 

Obwohl Jennifer und Isabelle an zwei verschiedenen Enden der Logistik arbeiten, ähneln sich ihre schulischen Voraussetzungen. "Ich habe Wirtschaftsabitur gemacht. In der Berufsschule hat mir das bei Kalkulationen sehr  geholfen, ebenso wie der Mathe- und Englischunterricht", sagt sie. Die Krise im Speditionswesen macht auch ihr keine Sorgen: "Es gibt immer etwas zu transportieren.“ Ihren Wunschberuf hat Jennifer jedenfalls gefunden. Sie möchte im Vertrieb bleiben – entweder weiter in der Logistik oder in der Industrie.

 

Globalisierte Warenwelt

Spielsachen aus Taiwan, Jeans aus China, Möbel aus Schweden: Die Warenwelt im Jahr 2010 ist globalisiert. Damit sich die Regale unserer Geschäfte weiter füllen und Supermärkte uns auch im Winter Erdbeeren und Mangos bieten, ist ständig ein Heer von Transportfahrzeugen zu Wasser, zu Lande und in der Luft unterwegs. Rund 3.000 Frachtschiffe durchkreuzen täglich die Weltmeere, beladen jeweils mit vielen tausend Containern. Nach der Ankunft im Hafen übernehmen Güterzüge, Lkw oder Binnenschiffe die Ladung und liefern sie aus.

Diese ständige Verfügbarkeit jeder beliebigen Ware ist nur durch das Zusammenspiel vieler verschiedener Berufsgruppen möglich. Insgesamt 2,7 Millionen Menschen sorgen in Deutschland dafür, dass die Lieferkette nicht abreißt, unter ihnen Schiffkapitäne, spezialisierte Kaufleute, Lagerarbeiter, Piloten, Wirtschaftsingenieure sowie Kraftfahrer, Luftverkehrsmanager und viele andere.

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