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29. Dezember 2007  

Diplomat/in im Auswärtigen Dienst

Der internationale Beamte

Treffen sich zwei Beamte auf dem Flur. Fragt der eine den anderen: "Na, kannst du auch nicht schlafen?" Vorurteile über die Arbeit im öffentlichen Dienst gibt es zur Genüge. Dabei bietet Vater Staat sogar Jobs mit internationalem Flair. Daniel Schwitzer

Wenn Peter Benger in Rente geht, irgendwann um das Jahr 2045, wird er ein weltläufiger und weit gereister Mann sein. Er wird den Bürgerkrieg im Sudan gesehen und im sozialistischen Kuba gelebt, möglicherweise auch eine Zeit lang im Fernen Osten oder auf dem Fünften Kontinent verbracht haben. In Berlin wird er dem Bundeskanzler vorgestellt worden und in Washington vielleicht dem amerikanischen Präsidenten begegnet sein. Er wird interessante Menschen, fremde Sitten und Bräuche kennen gelernt haben und fünf Sprachen sprechen.

Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt ist Peter Benger erst mal 26 und seit fast drei Jahren Anwärter im gehobenen Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland. In ein paar Wochen muss er zur Laufbahnprüfung antreten. "Ganz schön viel zu lernen", klagt er, doch die Perspektive ist verlockend: Wenn er besteht, ist Peter Bengers Arbeitsplatz die Welt. Wie in jeder Behörde gibt es im Auswärtigen Amt unterschiedliche Karrierewege, die vom Bildungsstand des Bewerbers abhängen. Für eine Laufbahn im mittleren Dienst etwa reicht die Mittlere Reife aus. Beamte dieser Laufbahn erledigen vor allem Verwaltungsaufgaben, sind als Bürosachbearbeiter und in der Beschaffung von Arbeitsmaterialien tätig.

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 Am anderen Ende der Skala steht der höhere Dienst, in den man nur mit einem fertigen Hochschulstudium gelangt. Wer sich hier bewährt, kann es sogar bis zum Konsul oder Botschafter einer Auslandsvertretung bringen oder im Berliner Ministerium eine wichtige Rolle spielen. 

Für Abiturienten am interessantesten ist der gehobene Dienst, dessen Anwärter zu wahren Generalisten ausgebildet werden. Später fangen sie meist im Rechts- und Konsularbereich, beispielsweise in der Visastelle einer Botschaft, an und können sich dort bis zum Personal- und Verwaltungschef hocharbeiten. Weitere mögliche Arbeitsfelder sind wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Kultur, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Protokoll. "Wir suchen Bewerber, die weltoffen sind, sich für andere Länder und Kulturen interessieren und das politische Geschehen verfolgen", sagt Michael Cantzler, Ausbildungsleiter an der Berliner Diplomatenschule. "Außerdem müssen sie bereit sein, ein modernes Nomadenleben zu führen, denn alle drei bis vier Jahre wechseln sie den Einsatzort. Das ist schon eine weit reichende Entscheidung."

 

Die Sprachen müssen sitzen

 

Die dreijährige Ausbildung für die gehobene Laufbahn - der so genannte Vorbereitungsdienst - verläuft stark praxisorientiert. Neben einem fünfmonatigen Aufenthalt im Berliner Außenministerium lernen die Konsularsekretäranwärter auch acht Monate lang an einer der weltweit 223 Auslandsvertretungen. Das theoretische Rüstzeug erhalten sie zwischendurch an der Akademie Auswärtiger Dienst sowie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Hier werden in erster Linie juristische Inhalte gelehrt, aber auch Volks- und Betriebswirtschaft sowie Verwaltungswesen stehen auf dem Stundenplan. 

Wie ein roter Faden zieht sich der Sprachunterricht durch die gesamte Lehrzeit, Englisch und Französisch müssen nachher perfekt sitzen. "Allerdings setzen wir bei unseren Bewerbern erst einmal nur gute Grundkenntnisse beider Sprachen voraus. Der Feinschliff erfolgt dann bei uns", erklärt Ausbildungsleiter Cantzler. Bewerber, die in der Schule kein Französisch hatten, können dieses im Auswahlverfahren durch Arabisch, Russisch, Chinesisch oder Spanisch ersetzen. 

Da der Diplomatenjob anspruchsvoll ist, verlangt das Auswärtige Amt von seinen Bewerbern einiges. Vor der Einstellung wird jeder Kandidat in einem zweistufigen Auswahlverfahren auf Herz und Nieren getestet. Im ersten, schriftlichen Teil werden unter Zeitdruck insbesondere die intellektuellen Fähigkeiten und die Arbeitsgeschwindigkeit überprüft. Auch ein Allgemeinbildungstest mit Fragen zu Geschichte, Kultur, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Geographie gehört zum Programm. Wer hier zum Beispiel weiß, dass Wellington die Hauptstadt Neuseelands ist und Kofi Annan nicht etwa der EU-Kommission, sondern den Vereinten Nationen vorsitzt, hat - vorausgesetzt, er besteht auch die beiden Sprachtests - gute Karten, ein paar Wochen später zum mündlichen Verfahren eingeladen zu werden. Dort durchlaufen die verbliebenen Kandidaten unterschiedliche Gespräche und Gruppendiskussionen, in denen sich die Prüfungskommission ein Bild von ihrer Persönlichkeit machen will. Auch der Lebenslauf spielt eine Rolle: "Wer schon einmal einen nichttouristischen Auslandsaufenthalt absolviert hat, ist vielleicht im Vorteil. Allerdings setzen wir das gerade bei frischgebackenen Abiturienten nicht voraus", sagt Cantzler.

 

Linktipp:

Karriere beim Auswärtigen Amt.

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