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29. Juni 2010  

Animateur

Der Gute-Laune-Profi

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen - für viele ist das ein Traum. Animateure haben aber nicht nur das ganze Jahr Sonne und Strand, sondern auch einen Knochenjob. Wer sich bewährt, hat allerdings gute Karrierechancen in der Tourismusindustrie.

Mit 28 Jahren warf Maik Vöhringer noch mal alles über den Haufen: Eine Bankausbildung hatte er absolviert und nebenbei BWL studiert. "Den Wunsch, mal im Ausland zu leben, hatte ich schon immer", sagt er. Also bewarb er sich als Animateur. Es klappte: Vöhringer wurde "Scubi Guide" bei TUI und ließ sich ein halbes Jahr lang von seinem Job beurlauben.

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen; der Bankkaufmann a.D. reist noch immer durch die Weltgeschichte und war schon in Bulgarien, Spanien, Ägypten und der Türkei. "Ich bin halt immer da, wo es warm ist."

Arbeitstag mit 14 Stunden

Animateure arbeiten in allen Bereichen: Die einen geben Tennis-Unterricht oder organisieren Fußballturniere, andere kümmern sich um Kinder oder planen Spiele für den Nachmittag am Pool. Abends machen alle beim Show-Programm mit, plauschen danach noch mit den Gästen an der Theke - und müssen immer gute Laune haben. Ein Vorurteil ist as nicht – und das, obwohl der Arbeitstag eines Animateurs gut und gerne mal 14 Stunden dauern kann.

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 Mit dieser Erfahrung und einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem Studium im Rücken ist man gut vorbereitet auf die Arbeit bei einem Reisekonzern wie TUI oder Thomas Cook. "Generell ist so eine Praxiserfahrung sinnvoll, wenn man später bei einem Reiseveranstalter arbeiten will", sagt Professor Bernd Eisenstein, Tourismusexperte von der FH Westküste. Es schadet also nicht, für einige Monate den Sitz im Hörsaal gegen die Badematte am Pool zu tauschen.

Unterschiedliche Anforderungen an Bewerber

Maik Vöhringer ist bei seinem nächsten Trip nach Griechenland bereits Koordinator für die Animation in fünf Clubs. Seine Hoffnung, die Karriereleiter bei der TUI in den nächsten Jahren weiter nach oben zu klettern, ist nicht unberechtigt: "Diese Mitarbeiter sind beispielsweise sehr willkommene Einsteiger im Produktmanagement, da sie über praktische Erfahrung verfügen", sagt Olaf Schürmann von der TUI Service AG in der Schweiz.

Reiseveranstalter haben unterschiedlich hohe Anforderungen an ihre Animateure. Einigen kleinen Gesellschaften reicht schon ein Schulabschluss und ein Mindestalter von 18 Jahren. Bei den Branchenriesen sieht das anders aus: 21 Jahre, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein begonnenes Studium und mindestens eine Fremdsprache sollten es bei vielen schon sein. "Ein Bewerber muss ein freundliches und aufgeschlossenes Wesen haben und darf sich nicht verstecken", sagt Andreas Franke von der Thomas Cook Service AG. "Dazu sollte er sportlich und weltweit flexibel einsetzbar sein."

Enormer Bedarf

Rund 2.000 freie Animations-Jobs gibt es pro Jahr. "Der Bedarf ist enorm", sagt Andrea Barg, Arbeitsvermittlerin im Bereich Animation bei der Bundesagentur für Arbeit. Wer eine Stelle findet, bleibt mindestens eine Saison bei dem Reiseveranstalter. Bevor es losgeht, müssen die Frischlinge aber erst mehrwöchige Kurse besuchen, in denen sie das Einmaleins für Animateure lernen. Eine andere Möglichkeit: Zuerst in Eigeninitiative einen Kurs bei einem privaten Anbieter wie der BSA-Akademie machen und danach auf eine Stelle hoffen. Für einen dreimonatigen Grundkurs müssen künftige Animateure allerdings gut 760 Euro hinlegen.

Am Urlaubsort angekommen, beginnt ein neues Leben. Morgens geht es früh aus dem Bett und abends erst spät wieder zurück – und das sechs Tage in der Woche. "Es ist wirklich ein harter Arbeitstag", sagt Lothar Böken, Managing Direktor Tourismus bei der BSA-Akademie und ehemaliger Animateur. Natürlich gehöre es auch zu diesem 14-Stunden-Tag dazu, mal drei Stunden mit einem Gast zu plaudern. "Für jemanden, der das als Arbeitszeit ansieht, ist der Beruf nichts." Auf der anderen Seite gebe es in keinem anderen Job so viel Schulterklopfer, sagt Böken. Der Verdienst ist allerdings bescheiden: Ein Anfänger bekommt im Schnitt 600 Euro netto; Essen, Wohnung, Klamotten und Flüge sind aber frei. Wer sich hocharbeitet, dem winken laut Böken aber bis zu 3000 Euro im Monat.

 

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