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19. Mai 2015  

Polizist werden

Auch Nicht-Schießen will gelernt sein

Wer Polizist werden will, muss fit, gesund und helle sein. Und bereit dazu, Verantwortung zu übernehmen. Dann wartet ein krisensicherer, gut bezahlter Beruf auf dich, in dem du eine Menge mit Menschen zu tun hast – wenn auch häufiger bei Verkehrskontrollen als bei Verfolgungsjagden.
Polizei

Kommissaranwärter lernen innerhalb von Praxisübungen bereits früh den Beruf kennen.

Der Wind bläst, es regnet in Strömen – aber Boris Jakob muss auf dem Posten sein. Der Polizist steht neben seinem Streifenwagen am Straßenrand, mit einer Winkerkelle in der Hand und einer leuchtenden Schutzweste über der grünen Polizeijacke. Als ein Auto im Regen näher kommt, hebt er energisch die Kelle. Der Fahrer wirkt irritiert, zögert, hält zu früh, dann erst versteht er die Handzeichen und fährt in die Parkbucht. Er steigt aus und wird blitzschnell von Polizisten eingekreist. Aber sie nehmen ihn nicht fest, sondern fangen an mit ihm zu diskutieren – darüber, was Boris Jakob hätte besser machen können: "Ich wusste nicht genau, was ich tun soll. Ich hätte mir etwas mehr Erkennbarkeit gewünscht", sagt der Fahrer. "Und Sie müssen so stehen, dass Sie jederzeit zur Seite springen können, falls das Auto nicht anhält."

Die Szene ist eine Übung, der Fahrer ein Polizeilehrer und Boris Jakob und die anderen Polizisten sind derzeit Kommissaranwärter, also angehende Polizisten – wie 500 andere in Nordrhein-Westfalen, die jährlich aus etwa 8.000 Bewerbern ausgewählt werden. Schon diese Zahlen zeigen, wie begehrt der Job ist. Und das hat gute Gründe.

 

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Als Polizeibeamter ist man unkündbar, verdient gut und hat einen abwechslungsreichen Job. Das klingt verlockend – es bedeutet aber auch, dass man als Polizist nicht menschenscheu sein sollte, bereit dazu, im Team zu arbeiten und Verantwortung für andere zu übernehmen. Um herauszufinden, ob der Job wirklich zu einem passt, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am einfachsten ist es, im Internet einen Selbst-Check zu machen, wie er auf den Seiten der Polizei NRW angeboten wird.

Wer ganz sichergehen will mit seiner Bewerbung, der kann sich das Buch "Die Bewerbung zur Ausbildung bei Polizei und Zoll“, erschienen im Ausbildungspark Verlag, zu Gemüte führen – ein Exemplar verlosen wir sogar im Zeitraum vom 20. bis 25. Mai auf unserer Facebook-Seite.

Darüber hinaus kann man die Polizeiarbeit durch ein Praktikum kennenlernen – wie Polizeianwärterin Agata Bordewicz, die für ein paar Wochen bei der Polizei in Essen hospitierte. "Ich wusste nach dem Abi erst nicht, was ich machen soll. Im Praktikum war ich bei der Hundestaffel, im Verkehrskommissariat und bei der Bereitschaftspolizei. Danach war mir klar: Ich will zur Polizei."

Am Anfang steht die Verkehrskontrolle

Im Institut für Aus- und Fortbildung in Selm, einem großen Komplex mit Turnhalle, Schwimmbad und Wohnheimen, wimmelt es nur so von Polizisten. Hier lernen Kommissaranwärter wie Agata und Boris zahlreiche Dinge über Recht, Taktik und Psychologie. Außerdem wird ihnen gezeigt, wie sie mithilfe ihrer Waffe sowie mit verschiedenen Abwehr- und Zugriffstechniken in brenzligen Situationen die Oberhand gewinnen können – also quasi alles, was später im Beruf verlangt wird.
 
Agatas und Boris Uniformen sind noch niegelnagelneu und die grünen Schulterklappen noch leer. Den ersten Stern auf der Schulter bekommen sie erst nach dem Abschluss der dreijährigen Ausbildung – und wenn sie richtig gut sind, können sie irgendwann mal fünf Sterne auf der Schulter tragen.

Wilde Verfolgungsjagden, Schießereien und Einsätze, wie man sie aus „Tatort“ kennt, haben mit dem Alltag der meisten Polizisten allerdings wenig zu tun. Das merkt man schon in der Ausbildung: Ganz am Anfang steht die Verkehrskontrolle. Die ist deswegen so wichtig, weil sie jeden Tag hundertfach auf Deutschlands Straßen stattfindet – und damit viel öfter als Geiselnahmen oder Morde.

Seminarinhalt: Spuren sichern 

Wer sich für den mittleren Polizeidienst interessiert, muss entweder einen Realschulabschluss mitbringen oder aber nach dem Hauptschulabschluss eine Berufsausbildung absolviert haben. Natürlich sind auch (Fach-)Abiturienten bei der Polizei willkommen. Ausbildungsplätze im einfachen Dienst sind hingegen rar gesät und außerhalb der Justiz kaum noch anzutreffen. Alle Bewerber müssen ein Auswahlverfahren durchlaufen, in dem sie neben ihrem Allgemeinwissen, ihren geistigen und sprachlichen Fähigkeiten auch ihre Sportlichkeit unter Beweis stellen müssen – Liegestütze und Langstreckenlauf inklusive.

Zu den ersten praktischen Einheiten, die meistens Rollenspiele beinhalten, gehört auch ein Polizeitechnikseminar, in dem man lernt, Spuren zu sichern – zum Beispiel die Bremsspur eines Unfallautos.

Während der dreijährigen Ausbildung zum Polizisten wechseln sich die praktischen Phasen mit Studien-Abschnitten ab, die für Agata und Boris den Kurs "C3" an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gelsenkirchen stattfinden haben. Hier lernen die Kommissaranwärter, welche rechtlichen Bestimmungen für sie wichtig sind – zum Beispiel der Paragraf 36 Absatz 5 der Straßenverkehrsordnung. Er erlaubt den Polizisten, jederzeit und ohne besonderen Grund Autos anzuhalten und die Fahrer zu kontrollieren. Das müssen sie wissen, bevor sie das Warndreieck aufstellen und den „Anhaltestab“ schwenken. 

Im gehobenen Dienst ist das Studium inklusive

Nach der dreijährigen Ausbildung gibt es eine Stelle im Wach-, Einsatz- und Streifendienst. Hier arbeiten die Polizisten erst einmal ein paar Jahre in Früh-, Spät-, und Nachtschichten – manchmal sogar ein ganzes Berufsleben lang. Erst danach können sie sich auf andere Stellen, etwa bei Spezialeinheiten, bewerben. "Bevor man sich bei der Polizei bewirbt, sollte man sich das klarmachen", sagt Boris Jakob, der erst ein Jurastudium begonnen hatte, bevor er sich entschied, Polizist zu werden. "Am Anfang macht man viele Unfallaufnahmen oder eben Verkehrskontrollen. Polizeiarbeit bedeutet nicht, dass man ständig Leute festnimmt oder wie Columbo ermittelt."
 
Trotzdem ist für die Polizisten kein Tag wie der andere. Bei aller Routine kann immer etwas Überraschendes passieren. Darauf muss man als Polizist gefasst sein – auch wenn man nur bei einem Fußballspiel die Fans im Auge behält oder eine Demo sichert. Und ganz egal, ob ein entlaufener Hund den Straßenverkehr gefährdet oder eine Leiche im Park gefunden wird: Als Polizist muss man sich darum kümmern und zwar so schnell wie möglich, nachdem der Notruf eingegangen ist.

Andere Bundesländer, andere Fristen 

Wer Polizist werden will – oder, wie es genauer heißt: im Polizeivollzugsdienst arbeiten möchte – kann sich in jedem Bundesland bewerben. "Wenn man sichergehen will, sollte man sich auf jeden Fall in mehreren Ländern bewerben", empfiehlt Boris Jakob, "dann steigen die Chancen, genommen zu werden." Wie viele Anwärter in jedem Jahr eingestellt werden, ist allerdings von Land zu Land verschieden, genau wie die Bewerbungsfristen. Das Land NRW stellt jährlich ungefähr 500 Polizisten ein – allerdings nur im "gehobenen Dienst", für den man das Abitur oder die Fachhochschulreife braucht.

 

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Und so unterschiedlich wie die Anzahl der Stellen und die Fristen sind, so verschieden sind auch die Modalitäten und Einstellungsvoraussetzungen für den Polizei-Beruf: Männer, die sich in Berlin bewerben, müssen mindestens 1,65 Meter und Frauen 1,60 Meter groß sein, während in Nordrhein-Westfalen jeweils drei Zentimeter mehr nötig sind. In Baden-Württemberg reichen schon 160 Zentimeter – sowohl für Männer als auch für Frauen. Die Einstellungsbehörden achten auch darauf, wie viel man auf die Waage bringt, wie gut man sieht und hört und ob man gesundheitliche Einschränkungen vorweist. 

Voraussetzung: Keine Tattoos, keine Drogen

Wer besonders auffällige Tätowierungen hat, Drogen konsumiert oder Vorstrafen hat, hat als Polizist keine Chance. Fast alle Länder unterziehen die Bewerber außerdem einem Sporttest: In Hamburg sind Klimmzüge und Weitsprünge aus dem Stand fällig, in Rheinland-Pfalz erwartet die Bewerber ein Hindernisparcours mit Sprüngen, Kriechen und Purzelbäumen, in Hessen muss man Hanteln stemmen. Beliebt ist auch der sogenannte "Cooper-Test", bei dem man zwölf Minuten Zeit hat, um so weit wie möglich zu laufen. Eine Ausnahme macht NRW: Dort muss man seit 2010 keinen Sporttest mehr absolvieren, sondern bei der Bewerbung das Deutsche Sportabzeichen und das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze vorlegen. Das alles klingt verwirrend – deswegen sollte man sich rechtzeitig vor der Bewerbung im Internet oder bei den Polizeibehörden darüber informieren, was in welchem Bundesland verlangt wird.

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