Home
22. Dezember 2009  

Tourismusmanagement studieren

Am globalen Schreibtisch

Wer Tourismusmanagement studiert, hofft auf eine internationale Karriere. Viel herum kommen die meisten jedoch nicht, denn auch Tourismusmanager arbeiten überwiegend vom Schreibtisch aus. Hanna Koch
Tourismusmanagement

Als Tourismusmanager bereist man die Welt auch mal nur vom Schreibtisch aus. © Anke Tillmann

Arbeiten in der Hotelbranche war für Jasmin Hill schon zu Abizeiten ein Traum. Nach ihrem Praktikum in einem Reisebüro stand fest: Sie wollte Tourismusmanagement studieren. Vor drei Jahren hat sie an der Uni Trier ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Strategisches Tourismusmanagement begonnen. "Damals konnte man Touristik oft nur an Privathochschulen studieren, deswegen habe ich mich für diesen Weg entschieden", erzählt die 24-Jährige. Das Studium an der staatlichen Uni schont den Geldbeutel und bietet ihr trotz  wirtschaftswissenschaftlicher Studienausrichtung die Möglichkeit, sich auf ihr Steckenpferd zu konzentrieren: "Ich will ins Marketing", sagt Jasmin. "Am liebsten  würde ich später bei einem großen Touristikunternehmen wie TUI oder Thomas Cook arbeiten."

So wie Jasmin geht es vielen Abiturienten – sie träumen von einer internationalen Karriere in Vertrieb, Marketing oder Eventmanagement. Die deutschen Hochschulen haben sich auf dieses Interesse eingestellt: Staatliche  Fachhochschulen wie die Hochschule Bremen, die FH Braunschweig und die Hochschule Harz bieten inzwischen Tourismusmanagement-Studiengänge an. Ins Studium fließen viele wirtschaftswissenschaftliche Elemente ein, zum Beispiel Rechnungswesen, Controlling und Wirtschaftsrecht. An die Tourismusbranche werden die Studenten durch Fächer wie touristische Unternehmensführung, Tourismusmarketing oder Marktforschung herangeführt. Internationalität ist allen Hochschulen wichtig, deswegen steht neben Wirtschaftsenglisch meist noch ein Auslandssemester auf dem Studienplan.

Anzeige

An manchen Hochschulen sind schon während des Bachelor-Studiums Spezialisierungen möglich: So kann man an der FH Braunschweig zwischen dem Management von Privat- oder Geschäftsreisen wählen. Meistens jedoch werden beim Bachelor nur die Grundlagen vermittelt – Studenten müssen einen Master draufsatteln, um sich bestimmte Bereiche zu erarbeiten, etwa das Management von Kreuzfahrten oder Wellnessurlauben.


Staatlich oder privat?

Während an staatlichen Hochschulen maximal 500 Euro Studiengebühren pro Semester anfallen, sind private Unis sehr viel teurer: Rund 8.000 Euro pro Jahr verlangt beispielsweise die FH Bad Honnef für ihre Studiengänge Tourismusmanagement und Hotelmanagement. "Dafür wird unseren Studenten einiges geboten", sagt Studienberaterin Ulrike Müller-Klute. Es werde in kleinen Gruppen unterrichtet und jeder Student individuell betreut. Auch bei der Organisation des Auslandssemesters oder bei Kontakten zu späteren Arbeitgebern unterstütze die Hochschule ihre Studenten.

Beim Tourismusmanagement geht es schon während des Studiums darum, internationale Erfahrungen zu sammeln. Die Studierenden sollten weltoffen sein und Interesse an fremden Ländern und Kulturen zeigen. Gleichzeitig müssen sich tourismusbegeisterte Abiturienten klar machen, dass sie sich als Tourismusmanager auf einen Schreibtischjob einlassen. "Nur wo genau der Schreibtisch steht, ist offen", sagt Müller-Klute. Der Beruf hat viel mit Organisation zu tun: Angebote kalkulieren, Qualitätskontrollen überwachen oder mit Vertriebspartnern neue Reiseziele erschließen – all das gehört zu den Aufgaben eines Tourismus-Managers.

Mit Sprachkenntnissen punkten

Zu einem gelungenen Berufseinstieg gehören nicht nur Soft Skills wie Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke, sondern auch gute Sprachkenntnisse. Denn wer in fremden Ländern arbeiten möchte, sollte auch die Landessprache sprechen. Englischkenntnisse sind Pflicht, wer weitere Sprachen beherrscht, ist im Vorteil. Denn gerade in Wachstumsmärkten wie China oder Indien boomt der Tourismus. Nicht nur, dass viele Deutsche dort Urlaub machen möchten, auch die einheimische Bevölkerung kann sich immer mehr leisten und wünscht auf sie zugeschnittene Reiseangebote. Genau darauf müssen die Reiseveranstalter reagieren – am besten mit Personal, das die Sprache der Zielgruppe beherrscht.

Doch auch, wer nicht unbedingt sprachbegabt ist, kann es im Tourismus weit bringen. Es gilt, die eigene Nische zu finden, etwa in den Bereichen Jugendreisen, Wellness oder Städtetouren. Auch in Deutschland ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig: 2008 setzte die Branche laut dem Deutschem Tourismusverband 212,7 Milliarden Euro um. Auf weiterhin gute Jobaussichten hofft auch Studentin Jasmin Hill. Nach ihrem Studium will sie im Hotelmanagement arbeiten: "Mein Traumziel ist Dubai. Dort für einen deutschen Konzern zu arbeiten, wäre fantastisch!"


Bachelor-Studiengänge an privaten Hochschulen

FH Bad Honnef: Tourismusmanagement/Hotelmanagement

Während im Studiengang Tourismusmanagement die gesamten Abläufe der Branche auf dem Stundenplan stehen, geht es im Fach Hotelmanagement um operative Abläufe innerhalb eines Hotels. Die werden an der FH auch praktisch gelehrt, beispielsweise in der eigenen Lehrküche.

Private Fachhochschule Göttingen: BWL

Die FH bietet das Fach "General Management" mit dem Studienschwerpunkt "Tourism and Travel" an.

Baltic College Schwerin: Tourismusmanagement

Die private Hochschule bietet die Studiengänge Hotel- und Tourismusmanagement sowie "Management im  Gesundheitstourismus" an. Bachelor-Absolventen können die Master-Studiengänge "Management im Kulturtourismus" sowie "Marketing-Management im Tourismus" belegen.

 

Bachelor-Studiengänge an staatlichen Hochschulen

FH Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshafen: Tourismuswirtschaft

Am Standort Wilhelmshaven bietet die Hochschule diesen Studiengang an. Studenten können zwischen sechs Schwerpunkten wählen, darunter E-Commerce, Gesundheitsmanagement und Verkehrsträgermanagement.

Hochschule Bremerhaven: Cruise Industry Management

Das Management von Kreuzfahrtreisen soll hier erlernt werden. Das Studium bietet Einblicke in die See-Touristik und zeigt, wie Schiffsreisen geplant und koordiniert werden. Neben klassischen BWL-Inhalten bietet der Studiengang spezifische Fächer wie Nautik, Routenplanung, Schiffbau und Logistik an.

FH Braunschweig/Wolfenbüttel: Tourismusmanagement

Zu Beginn des Studiums erlernen die Studenten die Grundlagen der Tourismusökonomie. Ab dem dritten Semester spezialisieren sie sich auf das Management von Privat- oder Geschäftsreisen.

Hochschule Nürtingen-Geislingen: Gesundheits- und Tourismusmanagement

Wellness und Gesundheitsförderung sind aktuelle Tourismus-Trends. Die Absolventen dieses Studiengangs sollen an den Schnittstellen zwischen Betriebswirtschaftslehre, Tourismus und Gesundheitsförderung tätig werden.

Hochschule Heilbronn

Schon seit 40 Jahren werden Studenten an der Hochschule Heilbronn zu Tourismus-Managern ausgebildet. Zwar ist das Ziel, den Studierenden eine wissenschaftliche Basis zu geben, trotzdem wird viel Wert auf praktische Erfahrungen gelegt.

Schlagworte:
 
TourismusTourismusmanagementinternationalHotellerie

Unternehmen stellen sich vor

Mehr zum Thema