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23. April 2008  

Offizierin zur See

"Seefahrt ist von Technik geprägt, nicht von Romantik"

Alexandra Pohl ist selbst als Offizierin zur See gefahren und heute verantwortlich für die Ausbildung beim Verband Deutscher Reeder (VDR). EINSTIEG Abi sprach mit ihr über die Vor- und Nachteile des Berufslebens auf dem Wasser.

EINSTIEG Abi: Frau Pohl, wie sind die Berufschancen für Schiffsoffiziere?

 

Pohl: Junge Menschen haben bei entsprechender Eignung gute Berufsaussichten, wenn sie eine nautische oder technische Karriere beginnen. 98 Prozent des Welthandelsvolumens wird auf See transportiert, und die Zahl der Schiffe wächst ständig. Zudem geht die Hälfte aller Schiffsoffiziere in den nächsten 15 Jahren in Rente.

 

EINSTIEG Abi: Welche Voraussetzungen sollte ein Seemann in Führungspositionen mitbringen?

 

Pohl: Seefahrt ist heute von Technik geprägt, nicht von Romantik. Die Hochtechnologie an Bord ist so komplex wie in einem Airbus und erfordert die Bereitschaft, die Entwicklung der Technik stets zu verfolgen. Die sichere Beherrschung des Präzisionsinstruments Seeschiff verlangt gerade in Extremsituationen handwerkliches Geschick, Flexibilität, Entscheidungsfreude und Mut zur Verantwortung. Soziale Kompetenz und gute Englischkenntnisse sind notwendig, um Mitarbeiter zu motivieren, die aus mehreren Ländern und Kulturen stammen.

 

EINSTIEG Abi: Worauf sollte man sich einstellen bei einem Arbeitsplatz auf See?

 

Pohl: Das Handelsschiff ist über mehrere Monate Arbeitsplatz und Wohnort zugleich. Man ist lange Zeit von Familie und Freunden getrennt und hat sehr engen Kontakt zu den Mitarbeitern aus der Besatzung. Für den störungsfreien Schiffsbetrieb steht man trotz Schichtdienst rund um die Uhr zur Verfügung, dazu kommen alle denkbaren Klimabedingungen. In den Häfen hat man kaum Zeit für touristische Aktivitäten.

 

EINSTIEG Abi: Bietet die Arbeit zur See denn auch Vorteile gegenüber den »Landarbeitern«?

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Pohl: Man hat rund vier Monate Urlaub pro Jahr. Auf einen Einsatz von drei bis sechs Monaten an Bord folgen etwa sechs bis acht Wochen an Land. Zudem ist ein schneller Aufstieg in Führungspositionen mit entsprechendem Gehalt möglich. Für viele entscheidend ist jedoch das weltweite Tätigkeitsfeld mit wenig Routine, weil die Situationen und Einsatzorte ständig wechseln. Interessant für junge Männer ist, dass sie während der Ausbildung vom Wehrdienst zurückgestellt werden können. Und als fahrende Seeleute werden sie nicht mehr eingezogen.

 

www.berufsbildung-see.de 

Berufsbildungsstelle Seeschiffahrt e.V., alle ausbildenden Reedereien, Fachschulen und Fachhochschulen

 

www.reederverband.de 

Verband Deutscher Reeder e.V., alle Reedereien und viele Infos und Videos zu den Berufsbildern

Schlagworte:
 
SchiffsoffizierTechnikSeemann

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