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03. Dezember 2009  

Eventmanagement

Die Alleskönner

Als im August 250.000 Menschen die "Gamescom" besuchten, war Kersten Schmitz-Salue mittendrin. Obwohl er noch in der Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann ist, hat er die weltgrößte Messe für Computerspiele mit vorbereitet. Julia Kunze
Eventmanagement

Eventmanagement kann man zum Beispiel über eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann lernen.

"Können Sie mir jetzt den Anfahrtsweg aufschreiben oder nicht?" Aufgeregt gestikuliert ein Anzugträger mit einem Kugelschreiber vor Kersten Schmitz-Salues Gesicht herum. Der bleibt ganz ruhig: "Kein Problem, wir drucken Ihnen die Wegbeschreibung aus." Kaum geht der Kunde zufrieden zu seinem Auto, fällt ein Rudel schwarz gekleideter Profi-Gamer über Kersten her: "Wir brauchen Ausstellerbändchen!"

 

Es ist Gamescom auf dem viertgrößten Messegelände der Welt, und das bedeutet nicht nur Spannung, Spiel und Fingerkrampf für die Zocker, sondern auch viel Arbeit für die Organisatoren der Koelnmesse. Da müssen auch die Auszubildenden mit ran: Starke Nerven, Organisationstalent und Freundlichkeit sind für Kersten Schmitz-Salue ein absolutes Muss, der Kunde ist schließlich König. "Mein Arbeitsplatz ist an vorderster Front", grinst der 21-Jährige, der im Herbst sein zweites Ausbildungsjahr als Veranstaltungskaufmann bei der Koelnmesse begonnen hat.

 

Zurzeit arbeitet er im Service Center Nord der Koelnmesse – einem weißen Glaskasten zwischen den Ausstellungshallen. Dort ist Kersten mitten im Geschehen: Draußen laufen sich die Messebesucher die Füße platt, drinnen gilt es, kurz vor Messeeröffnung letzte Probleme zu beheben und Wünsche zu erfüllen. "Manchmal braucht jemand kurzfristig eine Spielkonsole, oder wir müssen noch eine Auswahl Mietmöbel heranschaffen." Während seiner Ausbildung durchläuft Kersten aber auch andere Unternehmensbereiche: Marketing, Event, Werbung oder Unternehmenskommunikation – alle paar Monate wird der Ausbildungsbereich gewechselt.

 

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Kurz vor zehn, die Gamescom öffnet ihre Tore – für tausende Spielefans der Startschuss, um eine der begehrten neuen Spielekonsolen auszuprobieren. Kersten ist froh, dass das Securityteam nicht Teil seiner Ausbildung ist: Mühsam versuchen einige starke Männer, die Massen im Zaum zu halten.

 

Vier Tage lang hautnah bei der weltweit größten Messe für interaktive Spiele und Unterhaltung dabei zu sein – für den Azubi Kersten ein großer Spaß: "Klar sind erstmal alle Messen spannend, aber da ich früher auch gespielt habe, ist die Gamescom für mich natürlich eine viel leichtere Materie." Er trägt ein schwarzes Gamescom-T-Shirt, zieht sich aber für den Rundgang durch die Hallen sein dunkles Jacket über. Ist das Pflicht für einen angehenden Veranstaltungskaufmann? Nein, schmunzelt Kersten, das Messegelände sei nur ziemlich kühl klimatisiert.

 

Der 21-Jährige musste nach dem Abitur nicht lange überlegen, in welche Richtung er seine berufliche Laufbahn einschlagen soll. Die Fähigkeit zu kalkulieren, planen und auf Leute zuzugehen konnte er schon bei der Organisation von Abiball und -party unter Beweis stellen. Nach der Ausbildung will er noch ein Studium hinten dran hängen und auf jeden Fall weiter in der Branche tätig sein. Denn dort darf jeder von Anfang an mit ran: Einen Monat vor Beginn der Gamescom kam Kersten in das Marketingteam, das verantwortlich für die Betreuung der Aussteller ist. Das Kernteam werkelt dagegen schon seit eineinhalb Jahren an der Veranstaltung. Das sei natürlich vorher viel Büroarbeit, erklärt Kersten. Jedoch sei der größte Stress bei der Messe schon wieder vorbei: Die meisten Anfragen sind bearbeitet, die Künstler (wie David Guetta, die Toten Hosen oder Germanys next Topmodels) sind gebucht und ganz Köln wirbt mit Flyern und Plakaten für die Messe.

 

Trotzdem kann sich Kersten bei der Gamescom nicht gemütlich hinter die Konsole klemmen: "Dafür haben wir zu viel High Life." Während der Messe müssen die Veranstalter fast von der ersten bis zur letzten Minute mit ran. Kersten lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken: "Es ist ein ziemlich cooles Gefühl, auf so ein Ziel hinzuarbeiten. Wenn dann in der heißen Phase alles läuft, ist die Freude natürlich groß."

 

Veranstaltungskaufleute

 

Was machen sie?

Veranstaltungskaufleute begleiten Events von der Idee bis zur Durchführung. Sie kalkulieren Kosten und Erlöse, erledigen die Personalplanung, erarbeiten Marketingkonzepte und kommunizieren mit Kunden und Auftraggebern. Vor Ort kontrollieren sie Aufbauten und Dekorationen und weisen das Personal ein. Veranstaltungskaufleute sind also im Hintergrund für alle Aspekte der Organisation verantwortlich: von der kreativen Entwicklung bis zu kaufmännischen Leistungen wie Buchhaltung oder Warenbestellung.

 

Wo machen sie das?

Veranstaltungskaufleute arbeiten bei Messegesellschaften, bei Eventagenturen, Unternehmen für Veranstaltungstechnik, Catering- Firmen, Hotels und Gaststätten, in kommunalen Kulturämtern oder in Büros für Stadtmarketing.

 

 

Wie lernt man das?

Bei der Ausbildung als Veranstaltungskaufmann/-frau:

Dauer: drei Jahre in einem Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule

Inhalte: Marktbeobachtung, Zielgruppen erkennen, Veranstaltungspläne erstellen, Kosten erfassen, Teamwork, betriebliche Abläufe organisieren, betriebsspezifische Software, Marketingkonzepte erstellen und umsetzen, Personalplanung, Gespräche mit Kunden durchführen, Endabrechnungen erstellen

 

Im Studium:

Rund 30 deutsche Hochschulen bieten Eventmanagement oder Veranstaltungsmanagement als Bachelor-Studium an. Studierende lernen hier Grundlagen in BWL, VWL und Recht und dazu Fachwissen für das Planen und Durchführen von Veranstaltungen. Das Studium dauert in der Regel 6 bis 8 Semester.

www.eventmanagement-studieren.de

Schlagworte:
 
EventmanagementVeranstaltungskaufmannMarketing

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