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17. August 2010  

Gesundheitswirtschaft / Gesundheitsmanagement

Gesunde Prozesse schaffen

Gesundheit kostet Geld. Das wissen am besten die Gesundheitsökonomen. Mit ihrem Managementwissen versuchen sie, die Arbeitsabläufe in Kliniken und Arztpraxen effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Wolfgang Michel
Gesundheitswirtschaft

Wie man Arbeitsabläufe in Kliniken produktiver gestalten kann, damit beschäftigen sich Gesundheitswirtschafter. ©Draeger medical

Betritt ein Gesundheitswirtschafter ein Krankenhaus, eine Arztpraxis oder eine Krankenkasse, so schaut er sich zuerst den täglichen Ablauf ganz genau an. Dann überlegt er, wie man die sich immer wiederholenden Arbeitsabläufe produktiver gestalten könnte. Dabei besteht häufig das größte Einsparpotenzial, denn hier haben sich über Jahrzehnte überkommene Strukturen gebildet, die die Profis vom modernen Management-Standpunkt aus überprüfen und neu ausrichten müssen.

Viel Arbeit also für Gesundheitswirtschafter auf dem großen Markt der medizinischen Dienstleistungen. Während andere Branchen vor Stellenabbau zittern, verzeichnet das Gesundheitswesen seit Jahren starkes Wachstum. Hier erwirtschaften mittlerweile rund zehn Prozent der Beschäftigten beinahe zehn Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes. Ein Grund mehr also, auch in der Gesundheitsbranche endlich moderne Managementmethoden einzuführen und die knappen Finanzen zielgerichtet einzusetzen.

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Die Absolventen des praxisorientierten Fachhochschul-Studiengangs "Gesundheitswirtschaft" arbeiten später bei Krankenkassen, in Krankenhäusern und Arztpraxen und sind für ein professionelles Marketing und Management zuständig.

Ethik im Lehrplan

Doch bei aller Professionalisierung und Sorge um die Wirtschaftlichkeit darf die gerechte Verteilung von Leistungen nicht zu kurz kommen, findet Professor Dr. Uwe Sander, wissenschaftlicher Leiter des Bachelor-Studiengangs "Gesundheitswirtschaft" an der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) in Bielefeld. "Wir beziehen Fragen der Medizin-Ethik als festen Bestandteil unseres Lehrplans in unseren Studiengang mit ein. Natürlich müssen die Fragen der Ethik im Vordergrund stehen, wenn Ärzte über Patienten entscheiden", fährt er fort. "Doch steht die Gesundheitsökonomie oder die Gesundheitswirtschaft absolut nicht im Widerspruch zu den ethischen Anforderungen der Heilberufe oder dem hippokratischen Eid der Ärzte selbst. Denn wenn unsere Absolventen später im Job von dem vorhandenen Geld durch vernünftiges Management beispielsweise 30 Prozent einsparen, können sie dieses Geld wiederum einsetzen, um mehr Menschen zu heilen."

Menschen helfen, ohne Arzt zu werden, das will auch Christian Offermann, der Gesundheitswirtschaft in Bielefeld studiert. "Bei mir ist es der familiäre Hintergrund, durch den ich mit der Gesundheitsbranche in Kontakt gekommen bin. Eine medizinische Karriere im eigentlichen Sinn konnte ich mir aber nicht vorstellen, weil ich eher mathematisch-betriebswirtschaftlich orientiert bin. Die Gesundheitswirtschaft gibt mir die Möglichkeit, beide Interessen miteinander zu verbinden."

Inhalte des Studiengangs Gesundheitswirtschaft sind Betriebswirtschaftslehre, aber auch Theoretische Medizin oder Medizinische Dokumentation. Durch die beiden Schwerpunkte "Controlling" und "E-Health" verbindet der Bielefelder Studiengang gesundheitsspezifisches Fachwissen mit Managementkompetenz und Kenntnissen in IT-Lösungen. Informationstechnologien nehmen in der modernen Gesundheitswirtschaft einen immer höheren Stellenwert ein. Damit sind IT-gestützte Untersuchungs- oder Therapiemethoden gemeint, aber auch Technologien, um Patientendaten rechnergestützt zu verwalten oder Verwaltungsprozesse effektiver zu gestalten.

Großes Ausbildungsangebot

Doch nicht nur and der FH kann man Gesundheitswirtschaft studieren, auch viele deutsche Universitäten bieten Studiengänge in Gesundheitsökonomie an und setzen dabei ihren Schwerpunkt auf der volkswirtschaftlichen Ebene des Gesundheitswesens. Gesundheitsökonomen werden später vor allem in Krankenkassen(verbänden) und Prüfungs- und Beratungsunternehmen eingesetzt, ihr Studium beinhaltet auch medizinische Schwerpunkte.

"Kaufleute im Gesundheitswesen", die den Ausbildungsberuf der Branche absolvieren, arbeiten insbesondere in der Kundenbetreuung, Personalwirtschaft und Materialverwaltung, bei der Leistungsabrechnung und im gesundheitsspezifischen Rechnungswesen. Außerdem bieten einige Akademien Aufbaustudiengänge zum "Krankenhausbetriebswirt" für diejenigen an, die in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens tätig sind und sich für Führungsaufgaben qualifizieren wollen.

Die Gesundheitsökonomie will die Balance zwischen Medizin und Wirtschaftlichkeit herstellen, indem sie die vorhandenen Mittel optimal nutzt und so fair verteilt wie möglich. Dies kann über die Gesundheitspolitik oder die Krankenversicherungen stattfinden. Kosteneffizienz, Effektivität, Qualität und Gerechtigkeit – alles kann verbessert werden.

Schlagworte:
 
MedizinWirtschaftManagementGesundheitsökonomie

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